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Events | 09.04.2015

Bierbrauen war Frauensache

Schallaburg: Schau über Wikinger voller Überraschungen – etwa über die einflussreiche Rolle der Frau

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Modeaccessoire: Rückkenknopffibeln fungierten ähnlich wie Broschen (© Swedish History Museum)

So sehr wir ihn auch lieben – der schlaue Wickie transportiert seit vielen Jahrzehnten auch nur einen weiteren bunten Strauß an Klischees über die Wikinger. Dem Aufbruch einer Legende widmet man sich mit "Wikinger!", einer großen Ausstellung auf der Schallaburg. Wir haben uns die Schau schon mal angesehen und staunten nicht schlecht: etwa über die Tatsache, dass die Wikinger nie Hörner trugen oder über die gesellschaftlich bedeutende Rolle der Frau – und das immerhin vor gut Tausend Jahren.

Wikinger! – Die Ausstellung auf der Schallaburg
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Die Schau arbeitet mit beeindruckenden Licht- und Projektionseffekten (© Martina Siebenhandl)
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Die Frau galt als Schlüsselfigur – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie verwaltete stets den Schlüssel zum Bauernhof, dem eigentlichen Mittelpunkt der Wikinger-Gesellschaft (© Kery-Erdélyi)
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Halsschmuck (© Swedish History Museum)
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Ungewöhnliche Rekonstruktion... (© Kery-Erdélyi)
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...eines Schiffswracks. Während das Holz freilich verrottete, blieben die Nieten der Nachwelt erhalten. Mittels schlauer Software konnte das gesamte Schiff bloß anhand der Schrauben rekonstruiert werden (© Kery-Erdélyi)
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Griesgrämige Herren: Das Bild, das unsere Vorstellungen prägt, ist nur eine mögliche Facette. Das Leben der Wikinger war so viel bunter, wie aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft zeigen (© Martina Siebenhandl)

Die starke Frau

Die Ausstellung beleuchtet die relevante Periode zwischen 750 und 1100 n. Chr. nicht chronologisch, sondern fächert das Leben der Wikinger in neun spannende Themenbereiche auf. Eine davon beschäftigt sich etwa mit dem gesellschaftlichen Leben – und der wichtigen Rolle der Frau. "Der Schlüssel war exklusives Symbol der Frau; sie war damit für Haus und Bauernhof verantwortlich", betont Sophie Nyman, Direktorin von Swedish History Museum Stockholm, von wo eine Vielzahl der Exponate stammen. Gleichzeitig war die Wikinger-Frau quasi die Vorgesetzte für das gesamte Personal, ob Angestellte oder Sklaven. Zu ihrem Wirkungsbereich gehörten freilich auch die Vorräte – nicht zuletzt auch der Biervorrat, wurden doch bei den Wikingern praktisch in jedem Bauernhof Bier gebraut. "Zudem wurde der Rat der Frau hochgeschätzt", führt Kuratorin Michaela Helmbrecht aus. Wenngleich sie nicht im herkömmlichen Sinne politisch aktiv sein konnte, so zog sie die Fäden im Hintergrund, "indem sie etwa die Sitzordnung bei großen Veranstaltungen bestimmte oder eben wer zuerst sein Getränk bekommt".

Erlebniswelt ab dem Parkplatz

Die Reise zu den Wikingern nimmt bereits am Parkplatz ihren Anfang: Fragen rund um die Schau geleiten die Gäste bis zum „Treffpunkt Ich und Wir“. Ebendort wird man quasi in die Erlebniswelt „WIKINGER!“ integriert – inklusive der Frage, wie wir wohl auf die Nachwelt wirken, wenn sie etwa in 1000 Jahren eine Zeitkapsel mit unseren Alltagsgegenständen entdeckt.

Für den Rundgang schuf „zunder zwo“, eine Kreativfabrik für Ausstellungsgestaltung, eine Navigationskarte, die auf unterschiedlichen Routen Funde, Forschungsergebnisse, Überlieferungen und Wikinger-Bilder miteinander verwebt. Ausgangspunkt ist im ersten Raum ein Landungssteg inklusive Steuerpinne, mit der die BesucherInnen sich durch ihre erste Zeitreise durch das Frühmittelalter navigieren.

Eine statische, skandinavische Modenschau zeigt Rekonstruktionen wikingerzeitlicher Gewänder, danach geht es durch ein Wikinger-Haus etwa zu einem Geisterschiff aus Nieten. Ein eigenes Mythenkino beleuchtet Legenden und Co. sowohl visuell als auch akustisch.

Facettenreich gestaltete sich die Berufswahl der Wikinger: Veranschaulicht werden das bäuerliche Leben im Dorf, das Handwerk, vom Schmieden bis hin zum Weben, aber freilich auch ihre Handelsfahrten und Raubzüge inklusive ihrer schnellen, wendigen Schiffe.

Interessant ist aber bereits die Tatsache, dass sich die „Wikinger“ selbst nie so nannten... Auf „viking“ zu gehen, hatte vielerlei Bedeutungen: eine weite Schiffsreise, eine Handelsfahrt oder einen Plünderungszug unternehmen...

www.schallaburg.at