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Events | 18.05.2016

Hüllenlos

In der Kindheit war es der Wörthersee, heute ist der niederösterreichische Wald das Lebenselixier für Elisabeth Engstler. Ihr Bühnencomeback zelebriert sie fast nackt: Mit den „Kalender Girls“ auf der Rosenburg. Ein Gespräch über Mut, Älterwerden und das eingeschworene „Mami-Ami-Team“.

Bild Kalender Girls 2_Credit Sommernachtskomoedie Rosenburg.jpg
Mit Humor und Tiefgang: "Wir sind für Nacktheit nicht zu haben, dafür für gute Taten", sagen die "Kalender Girls". In recht wenige Kostüme schlüpfen auf der Rosenburg: Babett Arens, Erni Mangold, Elisabeth Engstler, Konstanze Breitebner, Susanne Brandt und Hemma Clementi (v. l.) (© Sommernachtskomödie Rosenburg)

Coole Pin-up-Ladies

Viel nackte Haut, viel Humor, viele Botschaften. Die Rosenburg avanciert im zweiten Intendanz-Jahr von Nina Blum zur Kulisse für die prickelnde Sommernachtskomödie „Kalender Girls“ (Tim Firth): Eine Gruppe von Frauen reiferen Alters – die Story basiert auf einer wahren Begebenheit und wurde mit Helen Mirren verfilmt – beschließt, die Hüllen für einen Kalender bzw. für einen guten Zweck fallen zu lassen. Die Initiative schlägt international hohe Wellen, die Ladies erreichen aber auch ihr Ziel, nämlich der Onkologie im Spital ein neues Angehörigenzimmer zu schenken.

Regisseur Marcus Ganser, der auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, transferiert die Story ins Waldviertel; aus dem englischen Charity-Verein im Original wird der Ladies Lions Club Horn. „Je näher man am Publikum ist, desto mehr berührt es. Es wäre doch spannend, wenn die Idee Nachahmer findet“, sagt Ganser. Nina Blum freut sich auf seine Fassung „mit wunderbaren Pointen und viel Tiefgang. Es ist ein Stück über Freundschaft, Schönheit im Alter, Liebe und Tod.“

Spannend wird das Unterfangen für die Schauspielerinnen, die sich auf der 360-Grad-Bühne nur spärlich bekleidet zeigen. „Da kann man sich nicht einmal hinter einem Baum verstecken“, lacht Hemma Clementi.

Bild Elisbeth Engstler Copyright Sommernachtskomödie Rosenburg.jpg
Mama hinterm Notenblatt: Elisabeth Engstler hatte gezögert, Tochter Amelie gab ihren Segen: "Mami, du siehst doch cool aus, warum nicht?!" (© Sommernachtskomödie Rosenburg)

Königin der Herzen

Dem Wagnis, sich fast hüllenlos zu zeigen, stellt sich mit Mitte 50 auch Elisabeth Engstler. Die vielseitige Künstlerin und Moderatorin – sie ist derzeit single – zelebriert damit ihr Bühnencomeback. Ihren großen Durchbruch schaffte sie 1982 beim Songcontest mit „Sonntag“, sie moderiert(e) eine Vielzahl an TV-Sendungen („Wurlitzer“, „Willkommen Österreich“, „Sommerzeit“), tanzte sich 2008 bei „Dancing Stars“ zur „Königin der Herzen“, nahm mehrere Alben auf, gab drei Kochbücher heraus. Seit Kurzem engagiert sie sich für MOKI Niederösterreich; sie übernahm die Schirmherrschaft für den Verein, der auch schwer kranken Kindern professionelle Pflege in ihren eigenen vier Wänden bietet.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Sie zeigen viel nackte Haut bei „Kalender Girls“ – haben Sie gezögert, die Rolle anzunehmen?
Elisabeth Engstler: Natürlich! Ich bin es nicht gewohnt, nackt aufzutreten. Aber hier geht es um die Idee an sich und nicht um die weiblichen Hotspots. Außerdem wird’s dezent, eher Akt als nackt (lacht). Ich hab’s auch mit meiner Tochter besprochen: Amelie ist eine gute Ratgeberin, sie besitzt trotz ihrer Jugend oft eine unglaubliche Weisheit. Ich habe immer versucht, sie in ihrer Persönlichkeit zu bestärken und sie hat viel früher als ich gelernt, sich so zu akzeptieren, wie sie ist. Sie hat gesagt: „Mami, du siehst cool aus, warum nicht?!“

Ihre Tochter ist 14, wie gestalten sich die Teenie-Jahre?
Ich habe immer gehört, die Pubertät sei die absolute Katastrophe. Aber so ist es nicht! Wir sind ein aufeinander eingespieltes „Mami-Ami-Team“: Amelie ist ein Einzelkind, ich bin eine Alleinerzieherin. Das ist für beide eine Herausforderung, aber wir haben uns einen Grundstein an Nähe, Intimität und Vertrauen gelegt, der sich jetzt bezahlt macht. Mit Veränderungen kämpft man immer, wir krachen schon auch zusammen. Dann machen wir ein Picknick am Sofa und besprechen nicht die Schwierigkeiten, die wir haben, sondern wie wir sie lösen.

Worum geht es bei „Kalender Girls“ für Sie?
Zum einen um das Thema, das mich sehr beschäftigt: Mut. Viele kleine Krisen haben sich in der Gegenwart zur großen Krise zusammengebraut, das macht Angst und wir lassen uns einschüchtern. Wir brauchen Mut, um zu sehen, was wir alles haben, wie schön es bei uns ist und wie viel wir davon haben, wenn wir helfen. Zum anderen zeigt das Stück, dass Frauen in einem reiferen Alter den selben Spaß wie Junge haben können, dass die Möglichkeiten immer da sind, um etwas Neues zu machen.

Es ist Ihr Bühnencomeback – warum jetzt?
Weil die Zeit reif ist?! (schmunzelt) Ganz ehrlich: Marcus Ganser, der Regisseur, den ich schon sehr lange kenne, hat mich ein bissl überrumpelt (lacht). Und zum Nachdenken gebracht: Ich wollte lange Zeit nicht abends auf der Bühne stehen, wenn mein Kind zuhause auf mich wartet. Aber Amelie ist jetzt 14 und gab mir grünes Licht. Sie möchte mich auch gerne auf die Rosenburg begleiten und mithelfen. Wir können sogar unsere Betty mitnehmen – ein Schatz von einem Hund aus dem Tierschutzhaus.

Wie stehen Sie zum Thema Älterwerden?
Ich bin unternehmungs- und abenteuerlustig wie eh und je. Eigentlich fühle ich mich heute besser als vor Jahren! Natürlich liebe auch ich keine Falten und bemerke, wie sich mein Körper verändert. Aber ich komme damit einfach besser zurecht und genieße mich mehr. Ich wünschte, dieses Gefühl hätte sich früher eingestellt. Natürlich habe ich nicht ohne Grund drei Kochbücher geschrieben: Das Genießen, das Essen sind wichtige Themen. Wenn wir mit Freude einkaufen, kochen, gemeinsam essen, hat das therapeutische Wirkung. Und mein persönliches Rezept: Ich gehe jeden Morgen in den nö. Wald, mache Yoga und gehe früh schlafen.

Apropos Gesundheit: Haben Sie je bereut, in jungen Jahren das Medizinstudium abgebrochen zu haben?
Manchmal ja, weil in Österreich Zertifikate, Dinge am Papier, wichtig erscheinen. Aber ich habe nie aufgegeben, mich weiterzubilden und habe viele alternativmedizinische Ausbildungen absolviert. Ich komme aus einer Arztfamilie, die Medizin wird mich immer begeistern. Langsam kommt es auch an, dass wir unsere Seele gesundhalten müssen, damit auch unser Körper gesund ist. Davon möchte ich den Menschen gerne etwas weitergeben, ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Ich denke an ein musikalisches, humorvolles, besinnliches Programm – vielleicht mit Michael Scheickl, mit dem ich beim Songcontest aufgetreten bin. Wir waren ja damals auch ein Paar, wir haben viel zu erzählen (schmunzelt).

Angeblich tragen Sie immer einen „Wörthersee-farbenen“ Ring am Finger. Heimweh nach Kärnten?
Hier ist er (sie zeigt auf den Ring)! Ich lebe mit Amelie seit Jahren in Maria Enzersdorf, ich liebe dort die Wälder, Wiesen und Weingärten – und den Duft der Schirmföhren. Aber den Wörthersee – meine Tochter nennt ihn „Mamasee“ – werde ich immer vermissen. Aber ich beginne, die Donau für mich zu entdecken...

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Im Talk. Elisabeth Engstler mit Redakteurin Viktória Kery-Erdélyi

Was fällt Ihnen ein zu...?

Schokolade... Ich liebe es! Am liebsten Nougat.

Leberkäs’semmel... Kindheitserinnerung: Meine Heda Oma hat mir immer zu besonderen Anlässen eine gekauft.

Angst... Angst zeigt nur, was ich noch nicht gelernt habe, was ich noch lernen darf.

FKK-Strand... Eigentlich ist mir das völlig egal, ich bin ja auch Saunageherin. Aber am Strand nehme ich mir heraus zu entscheiden, was oder ob ich etwas trage.

Songcontest... Ein unglaublicher Wendepunkt in meinem Leben! Ich hab’ damals gar nicht kapiert, wie groß die 180 Grad Wendung ist; ich war damals mit der Situation überfordert.

Feminismus... Ein Wort, bei dem ich zu stocken beginne, weil ich sehr gleichwertig erzogen wurde. Ich finde: Wir müssen uns die Unterschiedlichkeit bewahren dürfen, müssen aber gleich bewertet werden.

Der beste Film... Ich liebe „Mamma Mia“!

Muttertag... Wird von meiner Tochter streng eingehalten, seit sie etwa vier Jahre alt war. Es erwarten mich immer spezielle Kreationen aus ihrer Küche. Eine dieser, ihr Avocado-Nudel-Cocktail, war so wunderbar, dass er in mein Kochbuch gekommen ist – natürlich unter ihrem Namen.


„Kalender Girls“ auf der Rosenburg:

Premiere: 30. Juni, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen bis 7. August, jeweils
Freitag bis Sonntag
Tickets: 050100-26000 (Sparkasse Horn)
www.sommernachtskomoedie.at