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Events | 19.12.2017

Zauberhafte Weihnacht

Es ist das Lied der Lieder. Einfach und bescheiden, eine Friedensbotschaft in sechs Strophen. Heute wird es in über 300 Sprachen auf der ganzen Welt gesungen: „Stille Nacht.“ Ein Adventgespräch mit Harald Krassnitzer, über Weihnachten – und überhaupt.

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BELIEBTES MODERATORENDUO. Harald Krassnitzer und Sonja Weissensteiner (© ORF/ip|media)

Es war am 24. Dezember 1818, als Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr in der Christmette der malerischen St. Nikolaus Kirche in Oberndorf  ihr Weihnachtslied anstimmten. Einem Wunder gleich breitete sich „Stille Nacht“ danach über alle Kontinente aus. Der ORF und BR begeben sich deshalb mit ihrer „Zauberhaften Weihnacht“ bereits zum vierten Mal auf die Spuren dieses berühmten Liedes, live aus dem Flachauer Gutshof, mitten im Salzburger „Land der Stillen Nacht“. In der 160-minütigen Haupt­abendshow am 23. Dezember werden großartige Künstler aus den verschiedensten Genres den Vorabend zum Heiligen Abend gestalten, um am Ende alle gemeinsam die einfache Urversion von „Stille Nacht“ zu singen: Rolando Villazón und Ildar Abdrazakov, David Garrett, Conchita, Semino Rossi, DJ Ötzi, die Kastelruther Spatzen, Zoë, Patrick Lindner oder Uschi Glas, um nur einige zu nennen.
Ich fahre also nach Flachau, und zur Einstimmung auf mein Treffen mit Harald Krassnitzer, der alljährlich den spannenden Geschichten über die Verbreitung des Liedes folgt, beginnt es zu schneien. Drinnen im Gutshof stimmt Manfred von den „Edlseern“ schon die ersten Töne von „Stille Nacht“ auf der Gitarre an ...

NIEDERÖSTERREICHERIN: Die Spurensuche führt euch also heuer nach St. Petersburg?

Harald Krassnitzer: Ja, das ist sehr spannend, weil das eine ganz wichtige Station des Liedes in Richtung Osten war. Dort waren nämlich die Rainer Sänger, die „Stille Nacht“ im Schloss Fügen im Zillertal bereits in der Christnacht 1819 sangen, über zehn Jahre unterwegs. Das muss man sich mal vorstellen! Damals zehn Jahre mit Schlitten und Kutschen auf Tournee durch das russische Reich, um das Lied dort zu verbreiten – bevor sie 1839 nach Amerika auswanderten. Berührend und herausfordernd finde ich auch meine zweite Station: Bethlehem. Darauf freue ich mich sehr! Ich bin jedes Jahr neu fasziniert, welche Orte ich besuchen kann, und darf schon leise verraten, dass wir nächstes Jahr, zum 200-Jahre-Jubiläum von „Stille Nacht“, in Papua Neuguinea sein werden. Dort ist ja das Lied knapp daran vorbei geschrammt, zur Nationalhymne erhoben zu werden. Da siehst du, welch eine unglaubliche Kraft dieses eigentlich verunfallte Zufallsprodukt „Stille Nacht“ hat – aus einer Not heraus entstanden und binnen weniger Jahre zum Welthit geworden.

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Geigenvirtuose David Garrett (© Christoph Köstlin)
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Startenor & Bass. Rolando Villazón und Ildar Abdrazakov (© ip|media)

Wird dieses Lied in politisch unsicheren Zeiten noch bedeutungsvoller?

Wenn du tagtäglich über die digitalen Medien mit den Katastrophen dieser Welt zugeschüttet wirst, wird es umso wichtiger, sich ganz persönliche Inseln der Erleichterung, Besinnung oder des Abschaltens zu schaffen. Wir brauchen Dinge, die uns zu einer bestimmten Identität verhelfen; Anstöße, darüber nachzudenken, was wir sind und was wir sein könnten.

Als Kind erlebt man ja „Stille Nacht“ noch anders ...

(lacht) Ganz ehrlich: in erster Linie qualvoll! Mir war es einfach zu schwülstig. An den Erwachsenen hast du beim Singen die veränderte Stimmung gemerkt, aber als Kind wartest du doch nur auf das Glockerl, das läutet, wenn das Christkind die Pakete abgeliefert hat. Es ist also ein hinderliches Symbol zur Annäherung des eigentlichen Ereignisses, nämlich der Bescherung. Erst im Laufe deines Lebens nimmst du Weihnachten als ein Symbol dafür wahr, den Geburtstag eines Menschen zu feiern, der uns einen nicht unwesentlichen Gedanken für unsere abendländische Kultur gebracht hat, und zum Grundstein ganz wesentlicher gesellschaftlicher Voraussetzungen wurde.


Also, das Lied als Friedensbotschaft?

Ja, in manchen kritischen Phasen schon, wie etwa im Ersten Weltkrieg, als französische Soldaten im Schützengraben das Lied anstimmten, und die Deutschen miteingestimmt haben. Das hat schon etwas von einer ganz tiefen Friedenssehnsucht. Es hat aber auch andere Aspekte, unter anderem, die Sehnsucht Weihnachten als etwas anderes wahrzunehmen, als im Stress zu sein.


Wann wäre denn so wirklich Weihnachten?

Wenn man eine Woche davor tatsächlich nirgends mehr hin müsste, in Ruhe mit der Familie und Freunden beieinander sitzt und nur übers Leben redet. Wie es uns und den anderen draußen in der Welt geht, und wie man es vielleicht besser machen könnte. Nur dieser kleine Ansatz wäre schon sehr, sehr spannend und würde mir vollauf genügen.

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Aus NÖ mit dabei: die Gumpoldskirchner Spatzen (© ORF/Günther Pichlkostner)
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Adventgespräch. Angelica Pral-Haidbauer und Harald Krassnitzer (© privat)

Wir beide teilen uns ja sozusagen einen Heimatort. Welche Traditionen nimmt man denn da so mit – über die deutsche Grenze hinweg?

(lacht) Also die Tradition in Wuppertal ist der unsrigen nicht unfremd. Zuhause gab es am Heilgen Abend die Würstelsuppe und am Weihnachtstag den Braten. Hier, mit meiner Frau (Anm.: Ann-Kathrin Kramer, die er 2009 in der Wachau geheiratet hat) ist es so, dass wir den Heiligen Abend gemeinsam mit Freunden dazu genützt haben, so richtig aufzukochen. Mittlerweile haben wir uns aber sehr reduziert und bereiten etwas ganz Einfaches zu. Am nächsten Tag gibt es bei den benachbarten Schwiegereltern ein großes Familientreffen. Das einzige, was für mich immer Pflicht ist, kommt allerdings schon aus Grödig – und das ist das Kletzenbrot vom Klappacher. Wenn ich das nicht hab, dann ist für mich nicht Weihnachten (lacht) ...


... gibt’s einen ganz persönlichen Wunsch an unsere Leser?

Ich bin ja am Fuße des Unterberges aufgewachsen, der besonders zu Weihnachten eine ganz besondere Strahlkraft hat. Über dem Steinbruch gibt es den großen Stern, der immer noch leuchtet – der soll dieses Fest überstrahlen und es allen so richtig schön machen. Aber Sterne gibt es im Advent ja an jedem Ort, also wünsche ich allen ein ruhiges, gesegnetes, wunderschön verschneites Weihnachten!