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Events | 19.04.2018

Die Intellektuelle & die Gastarbeiterin

Das SpielBAR Ensemble bringt im Kulturhaus Wagram in St. Pölten ein beeindruckendes Stück mit aktuellem Zündstoff auf die Bühne: EMIGRANTEN. Es geht um Heimat, Identität und dem Streben nach Glück.

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Die Emigrantinnen. Verfeindet und doch voneinander abhängig, Denise Teipel und Cristina Maria Ablinger (r.) (© Siglind Buchmayer) Mode: Irina Hofer

Eigentlich hatte Slawomir Mrozek seine EMIGRANTEN bereits 1974 geschrieben, und eigentlich für zwei Männer zwischen 30 und 40 Jahren. In der Inszenierung des SpielBAR Ensembles übernehmen diese Rollen zwei jungen Frauen. Womit das Stück, in diesen neuen Kontext gesetzt, dem scharfen Humor Mrozeks eine neue Dimension verleiht. Unter der Regie von Agnieszka Salamon spielen Denise Teipel und Cristina Maria Ablinger die Figuren A und X und schlüpfen dabei in ihre verschiedenen Persönlichkeitsfacetten.

A und X. A, die Intellektuelle, und X, die Gastarbeiterin, teilen sich einen Kellerraum als Unterkunft. Zwar sind sie beide Emigrantinnen desselben Landes, doch der politische Flüchtling A und die bäuerliche Gastarbeiterin X haben wenig gemein. Es verbindet sie lediglich, dass sie beide ihre Heimat zurückgelassen haben, ihre Auffassungen von Glück und Freiheit könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein. Sie bekriegen einander mit psychologischen Machtspielen, uns suchen jeweils ihren eigenen Vorteil. Bei all dem Unverständnis und der Verachtung füreinander und für die Welt da draußen merken die beiden dennoch, dass sie mehr voneinander abhängig sind, als sie es gedacht hatten. Auch zeigt sich deutlich der Kampf zwischen arm und reich, Arbeiter und Intellektuellen, und dem Festhalten an Altem und der Sehnsucht nach Veränderung.

 

Der Text ist in seiner Gnadenlosigkeit sehr wahrhaftig.

- Denise Teipel

 

 

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Weibliche Silhouette. Die beiden Schauspielerinnen wurden von der Designerin Irina Hofer ausgestattet. Sie ist für ihre femininen und zeitlosen Kreationen bekannt. Ihre extravaganten Modelle werden mit Materialien aus der EU gefertigtt und fair in der EU produziert. www.irinahofer.com (© Siglind Buchmayer)

Niederösterreicherin: Das Stück wurde ursprünglich für zwei Männer geschrieben. Wie kam es dazu, dass ihr beide als junge Frauen die Rollen A und X spielt?
Denise Teipel: Die Regisseurin Agnieszka Salamon kam nach einer Vorstellung zu uns und hat uns erzählt, dass sie dieses Stück mit zwei Frauen inszenieren möchte und hat es uns angeboten. Wir haben  sofort zugesagt! Der Stoff hat uns beide gepackt, zum Lachen gebracht und zum Nachdenken angeregt. Der Text ist in seiner Gnadenlosigkeit sehr wahrhaftig. Das sind die Kriterien, nach denen wir Stücke aussuchen.
Cristina Maria Ablinger: Was den beiden Figuren im Stück widerfährt, ist unabhängig von deren Geschlecht. Obwohl man anfangs vielleicht denken könnte, dass es sehr geschlechtsspezifische Aufgaben sind, die die Figuren erfüllen müssen. Sowohl A als auch X müssen Geld verdienen, um dieses für ihre in der alten Heimat zurückgelassenen Familien zu sparen. Beim Lesen haben wir erstaunt bemerkt, wie egal es ist, welches Geschlecht eine Person hat, denn die meisten Gedanken und Gefühle sowie auch Ängste sind geschlechtsunabhängig. Daher haben wir an Text und Titel auch nichts geändert.

 

Der Autor:

Slawomir Mrozek wurde 1930 bei Krakau geboren und verstarb 2013 in Frankreich. Mit den Mitteln des absurden Theaters kritisiert er mit spitzen Pointen das Leben in einer Gesellschaft, das geprägt ist von Kontrolle durch Polizei, Partei, Staat und Bürokratie. Er erlangte Weltruhm und galt als einer der Vorzeige-Intellektuellen Polens. Im Laufe seines Lebens erhielt er zahlreiche Preise, darunter den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur und den Franz-Kafka-Preis.

 

Was bedeutet Heimat für euch?
Denise Teipel: Ich bin immer schon sehr viel und sehr gerne gereist, habe zeitweise auch im Ausland gelebt und fühle mich eigentlich an vielen Orten der Welt daheim. Viele Jahre lang habe ich die Ferne gesucht, bin immer wieder auch alleine gereist und habe so sehr viele Menschen und Kulturen kennengelernt und viel erlebt. Je älter ich werde, desto mehr fühle ich mich aber in meinem Geburtsort Wien daheim und trage trotzdem die anderen Orte, an denen ich bisher war, als entfernte Heimaten in mir. Die Welt verändert sich sehr schnell und auch die Plätze, an die man zurückkehrt, bleiben nicht dieselben. Und man selbst kehrt ja auch immer wieder verändert zurück. Am Ort, wo du geboren bist, schwingt aber für mich irgendetwas Tieferes mit. Eine Verwurzelung, die dich dein ganzes Leben lang begleitet, auch wenn du dich woanders aufhältst oder niederlässt. Das hat für mich aber nichts mit Nation oder Kultur zu tun. Heimat ist für mich ein Gefühl, das sehr stark mit Gerüchen, Erinnerungen und den Menschen, die ich liebe, zu tun hat.
Cristina Maria Ablinger: Heimat würde ich als ein Gefühl beschreiben, das ganz tief in einem verwurzelt und mit vielen Erinnerungen und Erlebnissen verbunden ist. Mit einem Land hat das mitunter vielleicht gar nicht so viel zu tun. Ich wurde in Kolumbien geboren und kam im Alter von ein paar Monaten nach Österreich, bin von klein auf viel mit meinen Eltern gereist und habe dann mit 16 Jahren einen Sommer in England gelebt. Ich erinnere mich, dass ich damals nach einiger Zeit wahnsinniges Heimweh bekommen habe. Da habe ich zum ersten Mal bemerkt, dass es nicht das Land war, dass ich vermisste, sondern die Menschen, die ich zurückgelassen habe. Heimat bedeutet daher für mich Vertrautheit. Ich reise übrigens immer noch sehr gerne, komme aber jedes Mal wieder gerne nach Hause zurück.

 

EMIGRANTEN:

Kulturhaus Wagram St. Pölten
3. und 4. Mai, jeweils 20 Uhr
Karten: [email protected]
Weitere Infos unter
www.verein-spielbar.com