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Events | 24.10.2018

Geniale Freunderlwirtschaft

Wie eine Schatzsuchende ist Schauspielerin Ursula Strauss das ganze Jahr für ihre „Wachau in Echtzeit“ unterwegs. Welche Juwelen sie zusammentrug, verrät sie mit ihrem Kollegen Alexander Hauer.

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(© Daniela Matejschek)

Keine Umwege. Er hat den Schlüssel zum Herzen. Ein Mann, eine Stimme, ein Klavier – und die zur Programmpräsentation Geladenen sowie die künstlerischen Leiter Ursula Strauss und Alex Hauer wischen Tränen aus dem Augenwinkel. Seit 17 Jahren ist Kyrre Kvam in Österreich zu Hause. Der Norweger lebt mit seiner jüdischen Frau, einer Halbisraelin, und den beiden Töchtern in Wien. Da wird Hebräisch und Norwegisch, Englisch und Deutsch gesprochen. Und viel übersetzt. Oder eben auch nicht. Darum heißt das Programm dieses so besonderen Musikers „Lost in Translation“ (2. November, Schloss Spitz).

Das im Ursinn Politische, das Hinterfragen des Miteinanders, das zieht sich durch das gesamte Programm von „Wachau in Echtzeit“. Das ist Schauspielerin Ursula Strauss ein Herzensanliegen. „Wir leben in einer Zeit, in der wir sehr kämpfen müssen, bei den Fakten zu bleiben. Es wird vieles verfälscht wahrgenommen. Wie viele Flüchtlinge sind im Land, was bedeutet Migration, wo kommt sie her“, sagt sie. „Wir müssen uns Gedanken machen, Fragen stellen, nicht alles hin- und für selbstverständlich nehmen.“ Frieden und Krieg, die Demokratie oder das erst 100 Jahre junge Frauenwahlrecht. „Wir sind weit entfernt von einer Gleichberechtigung – wie soll man es leben können, wenn man eine so kurze Tradition der Selbstbestimmung hat? Es ist wichtig zu verstehen, wie Frauen dafür gekämpft haben und dass man es verteidigen muss.“

Ein kreativ-ironisches Statement setzt sie mit der Lesung von „Die Kapitalistinnen“; an ihrer Seite spielt die famose Pianistin Dorothy Khadem-Missagh (1. Dezember, Tischlerei Melk). Marie von Ebner-Eschenbach beschreibt darin das Scheitern zweier Frauen im Umgang mit Geld. „Wie sollten sie es denn können, wenn es ihnen nicht erlaubt war?“, erinnert die Schauspielerin. In Österreich dürfen Frauen erst seit 1975 ohne Zustimmung des Mannes arbeiten.

 

 

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Ursula Strauss mit Alex Hauer (li.) und Kyrre Kvam (© Daniela Matejschek)

Immer im Kopf

„Wachau in Echtzeit“, die in eine vielfältige Kulturreihe gefasste Ode an die Heimat, begleite Ursula Strauss das ganze Jahr. Wo immer sie mit spannenden Kreativen in Berührung kommt, entstehen neue Ideen. Oft bei den Dreharbeiten zu „Schnell ermittelt“; ebendort lernte sie Wolf Bachofner kennen, der mit Edgar Schäfer und Tatjana Prelevic „Jelinek trifft Schubert. Die Winterreise“ auf die Burgruine Aggstein bringt (28. Oktober). Ähnlich entstand die Verbindung zu Dominik Maringer, der mit Hubert Kerschbaumer, Rainer und Sabine Nova in pointierter Manier darüber philosophiert, „Was Sie noch nie über Musik wissen wollten“ (3. November, Römerhalle Mautern). Schon die Kulisse ist spektakulär: Im Klangraum Krems Minoritenkirche gastiert Erwin Steinhauer mit Karl Kraus’ „Die letzten Tage der Menschheit“ (10. November). Quasi ein paar Häuser weiter, ein paar Tage später laden Beatrice Fago und Christian Preuß zu „Wirklich schade um Fred“ (17. November, Salzstadl).

Bereits im September ausverkauft waren die abenteuerliche Eröffnung „Nasenspiele“ mit Ursula Strauss und Christian Dolezal sowie der Klassiker: die musikalische Kirchenführung „Selig sind die …“ mit Norbert Hauer.

Mit einer Banane telefonieren und einem Schneebesen musizieren – all das beherrscht die Theatergruppe Plaisiranstalt; Paola Aguilera inszeniert mit „Alltag“ bunte Abenteuer für Menschen ab zwei Jahren (18. November, Tischlerei Melk). Eine literarisch-musikalische Hatscherei versprechen Maria Hofstätter, Martina Spitzer, Walther Soyka und Karl Stirner mit „Gehen, Gang, Gegungen“ im traumhaft renovierten Schloss Luberegg (23. November). „Wer die Leute kennt, wird es sehen wollen; wer nicht, ebenso, damit er sie kennenlernt“, betont Intendant Hauer. Romy Schneider, „diese mutige, starke Frau, die sich künstlerisch befreit hat“ (Strauss), lässt Chris Pichler mit Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Interviews zu Wort kommen: bei „Zwei Gesichter einer Frau“ (25. November, Schloss Pielach).

Die Locations werden von Daniel Sommergruber bereichert; der Bühnenbildner, der stets bei den Sommerspielen verblüfft, steuert Werke auf ungewöhnlichen Materialien und Gegenständen bei. Zur „Leinwand“ werden Holz, Metall, Transportpaletten und sogar Reisekoffer.

www.wachaukulturmelk.at