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Events | 05.07.2019

An der Schulter packen möchte man sie

Burg Perchtoldsdorf: Der kongeniale Tschechow hätte seine Freude mit diesem "Onkel Wanja".

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Ein Feuerwerk auf der Bühne: Virginia V. Hartmann; feinfühlig: Laura Laufenberg (© Lalo Jodlbauer)

"Es gibt nichts Schönes in meinem Leben", sudert der Arzt, der die Liebe einer feinfühligen jungen Frau nicht mal bemerkt. "Die Gattin taumelt vor Langeweile", kommt es aus einer anderen Ecke der meisterhaft puristischen Bühne (Bühnenbild: Paul Sturminger). Vor der Burg Perchtoldsdorf erhebt sich ein Labyrinth-artiges Holzgerüst; es steht für das großzügig dimensionierte Landhaus einer Familie, deren Mitglieder nicht für das Glück gemacht zu sein scheinen. Nicht etwa, weil sie ausschließlich von Pech verfolgt sind. Anton Tschechows Figuren sind nur – wie wir alle immer wieder mal – unfähig, das Gute zu sehen, das Schlechte aktiv zu ändern. Große Lebensdramen hatte der geniale Russe dabei nicht im Sinn; schon zu Lebzeiten war er über Tränen im Publikum bzw. über Produktionen, die dazu bewegten, eher verärgert. Michael Sturminger – er hatte den Text gemeinsam mit Angelika Messner bearbeitet – inszeniert seinen "Onkel Wanja" aber so, wie es Tschechow vermutlich mögen würde: als Komödie. Keine, die zum Schenkelklopfen animiert, aber als eine besonders raffinierte Form, bei der sich ein Lacher selbst bei Feststellungen wie "es ist das ideale Wetter, um sich aufzuhängen" ausgeht.

 

"Onkel Wanja", Burg Perchtoldsdorf
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Großartiges Ensemble: Jörg Witte, Virginia Hartmann, Michou Friesz, Inge Maux, Alexander Tschernek, Laura Laufenberg, Andreas Patton (© Lalo Jodlbauer)
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(© Lalo Jodlbauer)
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Sie schütteln wissend den Kopf "über die Jungen" – und sorgen bravourös für Schmunzler: Alexander Tschernek und Inge Maux (© Lalo Jodlbauer)
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(© Lalo Jodlbauer)

An der Schulter packen und "wachrütteln" möchte man die Mitglieder der schrägen, aber durchwegs zeitgemäßen Familien- und Liebesbeziehungen auf der Bühne. Sie zerfließen in Selbstmitleid, baden in ihrer Passivität. Lügen, unerwiderte und unausgesprochene Gefühle und Gedanken treiben die Situation auf die Spitze; zur großen Explosion kommt es zwar, aber danach kriechen wieder alle in ihre gewohnten Leben. Das Erstaunliche und das Genussvolle dabei ist: Letzten Endes beflügelt die ungeschickte Lebensführung von Tschechows Protagonistinnen und Protagonisten. Regisseur Michael Sturminger und sein großartiges Ensemble servieren die Erkenntnisse auf dem Silbertablett: Schicksalsschläge seien an dieser Stelle respektvoll ausgeklammert, aber davon abgesehen ist jeder seines Glückes Schmied – und dieses eine Leben, das wir haben, kann hässlich und schön gleichzeitig sein.

Noch bis 27. Juli 2019 auf der Burg Perchtoldsdorf zu sehen – mit Andreas Patton, Virgina V. Hartmann, Laura Laufenberg, Michou Friesz, Jörg Witte, Emanuel Felder, Alexander Tschernek und Inge Maux.

www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at