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Events | 24.07.2019

Der Weibsteufel

Seit der Landesausstellung 2015 erstrahlt das Schloss Neubruck an der Erlauf in neuem Glanz. Nun zieht in dieses Kleinod künstlerisches Schaffen ein. Unter der Intendanz von Christina Meister-Sedlinger findet heuer der erste „Theatersommer Schloss Neubruck“ statt.

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(© Theo Kust) DIE INTENDANTIN. Christina Meister-Sedlinger

Wir alle kennen ihre Stimme. Ist sie doch die beliebte Moderatorin des ORF NÖ, die uns mit ihrer Guten Morgen-Sendung einen guten Start in den Tag schenkt. Die Schauspielerin, Regisseurin und Choreografin Christina Meister-Sedlinger, welche auch den „Theaterherbst Scheibbs“ sowie das Ensemble „Stadttheater Wieselburg“ leitet, startet nun ihr neuestes Herzensprojekt, den Theatersommer Schloss Neubruck. Für die Verwirklichung dieses großen Traums hat sie in der Stadtgemeinde Scheibbs als Veranstalter und der Neubrucker Immobilien GmbH als Gastgeber sofort begeisterte Unterstützer gefunden. „Ich wünsche mir, dass dieses Sommertheater im Schloss Neubruck zur fixen Einrichtung, zu einer Marke und ein Fixpunkt für alle Kulturliebhaber wird“, zeigt sich die Bürgermeisterin von Scheibbs, Christine Dünwald-Specht, begeistert. Und dankt der Intendantin und ihrem Mann Martin, „die mit der gebotenen Vehemenz diese Idee verfolgen und mit ihrer mitreißenden Motivation alle Beteiligten ins Boot geholt haben.“

NIEDERÖSTERREICHERIN: Christina, die Idee, im Schloss Neubruck einen Theatersommer zu initiieren, ist aus einer sehr privaten Situation entstanden?
Christina Meister-Sedlinger: Ja! Ich kenne das Schloss, die einstige Papierfabrik, seit meiner Kindheit und habe es geliebt, mit meinen Eltern auf diesem Areal spazieren zu gehen. Damals habe ich mich als Prinzessin des alten Herrenhauses gefühlt und mir vorgestellt, dass ich hier einmal meinen Prinzen heiraten werde. Und das ist ja tatsächlich passiert! Es war eine Hochzeit, romantisch wie im Märchen - da hab‘ ich gewusst: Hier möchte ich Sommertheater machen. Diesen wunderschönen Ort sollen ganz viele Leute kennenlernen, ohne dort gleich heiraten zu müssen (lacht).

Du hast dir für dein Debüt den Klassiker „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr ausgewählt. Warum?
Ich habe eine Schwäche für österreichische Theaterliteratur und „Der Weibsteufel“ gehört für mich einfach zu den großartigsten Stücken, die ich kenne. Mit nur drei Personen kann sich das Publikum viel intensiver auf die einzelne Figur und dessen Veränderung innerhalb des Stückes einlassen. Es  bleibt einem die Spucke weg, welch seelische Abgründe sich in den harmlosesten Menschen auftun können. Das Publikum wird erstaunt sein, wie sehr die Handlung einen in kürzester Zeit in den Bann zieht und über einige unerwartete Wendungen hinweg bis zum fulminanten Ende nicht mehr loslässt.

Dein Mann Martin, ein begnadeter Musiker, der in den Londoner Abbey Road Studios sogar für Eric Clapton einspielte, hat durch dich die Liebe zum Schauspiel entdeckt und zeichnet in Neubruck für die Produktionsleitung verantwortlich. In dieser alpenländischen „amour fou“ spielt ihr nun „Mann und Weib“. Für Ehepaare ist ja oft nicht ganz einfach, am gleichen Projekt zu arbeiten, wie geht es euch dabei?
Gut! Die Rollenarbeit können und müssen wir von unserem privaten Zusammenleben trennen, denn was sich zwischen „Mann“ und „Weib“ auf der Bühne abspielt, wäre katastrophal, auch nur einen Bruchteil davon ins Eheleben mitzunehmen. Was die Rundumorganisation betrifft, da knistert es schon manchmal ein bisschen. Ich will immer alles sofort und perfekt, gespickt mit ziemlich viel Emotion, mein Mann ist der Typ Schritt für Schritt – damit ergänzen wir uns recht gut. Weil die Vorbereitungen für den Theatersommer, die seit über einem Jahr laufen, so viel Zeit in Anspruch nehmen, hätten wir das auch nie ohne einander gemacht.

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(© Kurt Tutschek) DER JAGA. Benutzen und Begehren
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(© Kurt Tutschek) DER MANN & DAS WEIB. Auch im wirklichen Leben ein Ehepaar
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(© Kurt Tutschek) ALPENLÄNDISCHE AMOUR FOU. Aber trotzdem jede Menge Spaß bei den Proben

Welche Bedeutung hat dieses Stück in der heutigen Zeit?
Schönherr ist da ein Meisterwerk gelungen, das absolut zeitlos ist. Nicht umsonst haben die Charaktere keinen Namen, wir haben „Das Weib“, „Den Mann“ und „Den Jäger“, das heißt, alles, was hier passiert, gibt es bis heute immer wieder. Das kann auch auf friedlich miteinander lebende Völker umgelegt werden, die durch eine Kleinigkeit plötzlich in Konfliktsituationen kommen. Es ist eine Geschichte, die im kleinen Familienkreis täglich passieren kann bis hinaus in die weite Welt – natürlich bildhaft gesehen.

Ihr beide seid heimatverbundene Mostviertler. Dürfen wir einen kleinen Blick in euer Privatleben in Oberndorf an der Melk werfen?
Natürlich (lacht). Wir genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit im Grünen in meinem Elternhaus, das wir uns wirklich nett hergerichtet haben. Da leben wir mit unserer elfjährigen Tochter Nora und meiner Mama, die eine unverzichtbare Stütze ist, um solche Projekte überhaupt verwirklichen zu können. Mein Mann lebt also mit drei weiblichen Generationen „Meister“ in einem Haus, da hat er‘s nicht immer leicht. Und dann gibt‘s da noch ganz schön viele Tiere, die ich alle gerettet habe: Hunde aus Tötungsstationen, Ponys aus schlechter Haltung, ausgesetzte Katzen und unsere Tochter züchtet alte Hühnerrassen. Ja, es hat ein bisschen etwas von einem Gnadenhof, aber es ist genau der Platz, den wir brauchen, um Kraft zu tanken.

Beim Neujahrsempfang im Rathaus von Scheibbs hat man dich mit der Silbernen Medaille der Stadt geehrt. Was bedeutet diese Auszeichnung für dich?
Sehr, sehr viel! Ich stecke seit Jahren so viel Herzblut in unterschiedlichste Theaterprojekte in der Region. Ich weiß, dass das alles geschätzt wird, aber so ein laut ausgesprochenes Lob in Form dieser Auszeichnung macht unglaublich glücklich und spornt an, wie eben zum neuen Theatersommer.

Der Theatersommer versteht sich als Initialzündung für ein wachsendes Kulturprojekt. Wie sind deine weiteren Pläne?
Natürlich denke ich schon an Matineen, ein Kinderstück oder andere Zusatzveranstaltungen in den nächsten Jahren. Aber: Nichts überstürzen, langsam wachsen lassen, denn ein junger Baum muss erst Wurzen schlagen. Jetzt hoffen wir auf eine erfolgreiche Premiere 2019!

 

INFOS:

26. Juli bis 11. August 2019  

www.theatersommer-neubruck.at
www.christina-meister.at