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Events | 12.09.2019

Reduziert, klar & ehrlich

Aus der Arbeit an einem Bild kehrt er mit neuer Kraft ins Leben zurück, so das Credo von Lukas Walcher. Wir baten den Künstler aus Krems zum Talk über seine ­Werke, die noch bis zur Finissage am 15. September um 16 Uhr ­­­im Fellnerhof Krems zu bewundern sind.

Bild 1909_N_Leben_Lukas_Maler.jpg
Die 4 getrennten Positionen (© privat)

Lukas Walcher (32) begann mit 15 Jahren als Autodidakt zu malen. „Im Zuge seiner Massage-Ausbildungen zeichnet er unzählige Kniescheiben, Wirbelsäulen, Beckenknochen. Er erfährt den menschlichen Körper von innen heraus. Deshalb ist es ihm heute nicht mehr wichtig, ihn in Detailtreue zu zeigen“, ist auf seiner Website zu lesen. Bereits während und nach seinem Studium an der Kunstakademie Berlin folgten zahlreiche nationale wie internationale Ausstellungen, wie etwa in der ART & SPACE-Gallery in New York, in Barcelona, Berlin, London, Shanghai und heuer in Miami als auch auf der Art Basel. „Meine Bilder sind präsent in Foyers von Banken und Hotels, sowie in zahlreichen Privathäusern in Wien, Kitzbühel, München, Sardinien und Zürich, aber auch im NÖ Landesmuseum“, sagt der Künstler.  Lukas Walcher ist auch ordentliches Mitglied des „Künstlerhaus-Vereins“ sowie als regelmäßiger Teilnehmer des „Koschatzky Kunst Preises“ in den Hofstallungen des MQ auch heuer wieder unter den 20 Künstlern – aus weltweit 3.000 Einsendungen – vertreten. „Er erreicht eine innere Unabhängigkeit vom Naturbild, die es ihm ermöglicht, aus Formen und Farben eine höhere Wirklichkeit zu gestalten“, formulierte etwa die Museumskuratorin und Witwe des Direktors der Graphischen Sammlung Albertina Wien, Dr. Walter Koschatzky (1962-1986), Frau Dr. Gabriela Koschatzky, ihr Grußwort zur Ausstellung 2019.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Lukas, im ART-BRUT-Center in Maria Gugging hast du vorwiegend mit Kohlezeichnungen im Sinne der „NEW­ART“ gestartet. Während deines Studiums an der Kunstakademie „FINE ART“-Schule für Gegenwartskunst in Berlin hast du sozusagen die Farbe „entdeckt“.  Gibt dir die Kombination des sicheren Striches mit leuchtender Farbe noch mehr Möglichkeiten, deine Gefühle auszudrücken?
Lukas Walcher: In meinen Linien fühle ich mich wie der Herr meiner eigenen Farben, ich lass es kommen und gehen. Beide Möglichkeiten geben mir jetzt mehr Raum, um das Universum in seiner vollen Präsenz im Inhalt der göttlichen Frau zu zeigen.

Wie gehst du an ein neues Bild ran, wie entsteht für dich dann die perfekte Komposition?
Im Prinzip denke ich nicht nach, ich lasse es einfach entstehen. Es gibt keine perfekte Komposition, es gibt nur die Komposition für mich, die den Shaktis, also den Frauen im Sanskrit, gewidmet ist.

 

Einige Werke
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Die Königin der Lust.

(© Magdalena Gigler)

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Die zwei Brüste küssenden.

(© Magdalena Gigler)

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Valia und Hann.

(© Magdalena Gigler)

 

Bild 1909_N_Leben_Lukas7.jpg

Die begehrte schöne teure Kurtisane.

(© Magdalena Gigler)

Deine Bilder beeindrucken durch reduzierte Formen, du zerlegst und verfremdest den menschlichen Körper in grafische Fragmente, die du oftmals nahezu unwillkürlich zusammenfügst. Zwingst du damit den Betrachter, noch intensiver in deine Gedankenwelt einzudringen?
Ich zwinge niemanden, es liegt allein beim Betrachter seinen Vorstellungen freien Lauf zu lassen.

Auffallend ist deine Vorliebe für den weiblichen Körper, die du schonungslos in deinen Akten darstellst. Was fasziniert dich am Weiblichen?
Es ist das Geheimnis des Undurchdringlichen, dass jede Shakti ein Phänomen des Universums ist und wir von den Frauen lernen können. Egal, wie unverhüllt sie sein mag, es gibt noch immer tiefere Ebenen und Mysterien.

Ist Nacktheit für dich das ehrlichste Mittel in der expressionistischen Malerei  oder einfach nur das Weglassen vom Schmückenden und Unnötigen?
Nacktheit stellt für mich Ehrlichkeit dar, wir zeigen uns damit von unserer ehrlichen Seite. Nur wenn wir Kleidung oder Make-up tragen, verwandeln wir unseren Körper in ein anderes Ich und müssen uns damit neu identifizieren. Unsere „Neuverwandlung“ erlaubt uns nicht zu sein, was wir tatsächlich sind. Für mich ist es Ausdruck der Ehrlichkeit.

Du gibst deinen Werken sehr klingende Titel. Steht dieser bereits am Beginn deiner Arbeit fest, oder ist es eine Anleitung für den Betrachter, dein Bild richtig erfassen zu können?
Es fällt mir öfters am Schluss ein, ich denke mir sehr spontane und ehrliche Titel aus. Der Betrachter soll sie anschauen und sagen „Wow, interessanter Titel, den vergesse ich nicht so leicht.“

Du hast in relativ kurzer Zeit auch internationalen Applaus geerntet. Was bedeutet für dich Erfolg?
Ich mach mir nicht so viel aus Erfolg, wie zum Beispiel Picasso. Wenn er kommt, dann kommt er, wenn nicht, dann ist es auch gut.

Wo siehst du dich in zehn Jahren, wohin möchtest du deine Kunst weiterentwickeln?
Ich weiß nicht, vielleicht im Ausland, Brasilien oder so. Meine Kunst soll kommen, wie sie kommt, ich lasse mich überraschen.

Nähere Infos: www.lukas-walcher.com