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Events | 26.09.2019

„Alles geht“, sagte Elfriede Ott

Anfang 20, Student: So gründete Michael Garschall die Herbsttage Blindenmarkt. 30 Jahre später ist seine ganze Heimatgemeinde involviert. Wie das geht, wie es anfing, was das Jubiläumsjahr bringt.

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(© Lukas Beck)

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(© Mark Glassner)

Gründer und Intendant.
Michael Garschall

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(© Mark Glassner)

Die Königin der Operetten. Gefeiert wird das Jubiläumsjahr mit der  „Fledermaus“. Im Bild: Tänzerin Kristina Ermolenok

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(© Mark Glassner)

Rebellin. In der Eigenproduktion für die ganze Familie gibt Larissa Winkel die „Pippi“.

Vorbilder, Lehrmeisterinnen und Lehrmeister hatte Michael Garschall jede Menge. Da war zum Beispiel sein Großvater, Uhrmachermeister, Blindenmarkter mit Leib und Seele und passionierter Vereinsanhänger, „der bei der Christmette am liebsten jedem die Hand schüttelte“, erinnert sich der mittlerweile vielfach ausgezeichnete Intendant und Regisseur. Zu den Mentoren zählt auch Freddy Quinn, als dessen Laufbursche er schon 17-jährig ins kreative Leben eintauchte. „Ein Künstler durch und durch, ein fast besessener Perfektionist“, sagt Michael Garschall. Oder die große Elfriede Ott, deren kürzlicher Abschied noch schmerzt „und die mir, als ich ihr Assistent war, beigebracht hat, dass alles geht. Man muss nur so lange nachdenken, bis man eine Lösung findet.“

Profis und Amateure. Wenngleich das Rampenlicht bei der Familie Garschall niemandes Zuhause war, erwies sich ihrer aller große Liebe zur Kultur als fruchtbarer Nährboden: „Ich studierte in Wien Theaterwissenschaft und war erst Anfang 20, da habe ich gefunden, dass ich daheim ein Festival gründen muss“, schmunzelt Garschall. Eine Utopie war das keineswegs, heuer feiert er mit seinem unermüdlichen Team – in manchen Familien beteiligen sich gar schon drei Generationen – 30 Jahre „Herbsttage Blindenmarkt“.
Der vielgelobte „Kunstgriff“ dabei: Von Beginn an wirken Profis mit Amateuren in qualitativ hochwertigen Produktionen zusammen. Das Festival avancierte so auch zur Talenteschmiede: Im Chor sang dort bereits die junge Ursula Strauss, heute gefeierte Schauspielerin, Andreas Schager  trat in Blindenmarkt als Solist auf und ist mittlerweile ein Wagner-Star.
Wohin die Reise führen soll, war für Garschall schnell klar: „Wir legten unseren Schwerpunkt sofort auf die Operette, das schätzen Menschen quer durch alle Schichten und Altersklassen.“ In den ersten beiden Jahren brachte man jeweils einen Querschnitt aus verschiedenen Stücken – aber bereits in Kostümen und professionell mit Licht und Co. inszeniert. Der Erfolg beflügelte, im dritten Jahr wagte man sich mit „Die lustige Witwe“ über eine komplette Eigenproduktion.

Aus dem Archiv.
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(© Lukas Beck)

 „Das Feuerwerk“ stand 2010 auf dem Programm

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(© Lukas Beck)

2011 gab es für „Orpheus in der Unterwelt“ viel Applaus.

Doppelleben. Garschall führte in all den Jahren in beruflich-kreativer Hinsicht ein Doppel- bzw. ein mehrfach geteiltes Leben. So war er parallel unter anderem die rechte Hand des Direktors der Bruckner Uni in Linz oder schupfte das Marketing für das Steinway-Haus. „Durch all diese Aufgaben habe ich immer auch für unser Festival dazugelernt“, beschreibt er. Das Konzept, die Menschen – sowohl künstlerisch ambitionierte oder tatkräftige Blindenmarkter als auch die Wirtschaft – vor Ort auf verschiedenen Ebenen einzubinden, ging voll auf. „Wir erwarten heuer rund 15.000 Gäste und eine bis zu hundertprozentige Auslastung; das Publikum reist selbst aus anderen Bundesländern mit Bussen an“, schwärmt der Intendant, der mit dem Festival nunmehr das vierte Jahr in der 2016 eröffneten Ybbsfeldhalle zu Hause ist.
Als eine besondere Ehre erachtet er prominente Förderer und Förderinnen, zu denen seit Jahren die Unternehmerin Hilde Umdasch (unter anderem Bellaflora-Gründerin) zählt. „Sie kommt zu den Schlussproben, legt auch selbst Hand an; sie hat eine große Leidenschaft für das Festival, das ist für uns eine besondere Auszeichnung.“

„Fledermaus“ zum Jubiläum. Das Jubiläumsjahr wird mit einem schillernden Programm gefeiert. Herzstück ist die „Fledermaus“ von Johann Strauss ab 4. Oktober; Regie führt Marcus Ganser, „der das Handwerk der Unterhaltung versteht und ebenso das Bühnenbild macht.“ Neben namhaften Künstlern wie Alexander Kaimbacher, Gabriele Schuchter oder Signe Heiberg, gibt es ein Wiedersehen mit Willi Narowetz als „Frosch“. „Er ist einer unserer Hausstars! Mittlerweile ist er Pensionist, zuvor war er Koch – und er war schon bei vielen Festivals engagiert“, verrät Garschall.
Auch heuer gibt es eine weitere Eigenproduktion für die ganze Familie: Christoph Sommersguter von den Vereinigten Bühnen Wien inszeniert Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ (20., 27. Oktober); Larissa Winkel gibt die liebenswert freche Rebellin. Die Musik dazu komponiert der Blindenmarkter Bernd Leichtfried.
Ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk servieren Garschall und sein Team am 26. Oktober: „Das Konzert ,Klassik für alle‘ soll die Grenzen zur klassischen Musik sprengen“, sagt er. Denn: Das Programm, in dessen Mittelpunkt Sopranstar Daniela Fally und die Beethoven-Philharmonie unter der Leitung von Christoph Campestrini stehen werden, ist bei freiem Eintritt zugänglich.
Info: herbsttage.at