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Fashion | 23.07.2018

Couture aus dem 3D-Drucker

Sie ist Architektin, Fashion-Designerin, kollaboriert mit einem der größten Haute-Couture-Häuser in Paris und schaffte es bis nach Hollywood: Julia Körner. Nun kreierte die auf 3D-Print spezialisierte Designerin die Krone und den Umhang für die Hauptdarstellerin im erfolgreichsten Film des Jahres: Black Panther.

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Paris Haute-Couture-Shows. 3D Printed Bio Piracy Dress, 2014 Julia Körner und Iris Van Herpen (© Michel Zoeter)
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3D Printed & Leather Kelp Skirt, Iceland Collection 2017 von Julia Körner (© Maximilian Haidbauer)
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Paris Haute-Couture-Shows. 3D Printed Hybrid Holism Dress, 2012 Julia Körner und Iris Van Herpen (© Michel Zoeter)

Text: Sonja Fink / Los Angeles 

Fotos: Michael Zoeter, Pia Clodi, Marina Hoermanseder, Maximilian Haidbauer, Matt Kenneda / Marvel Studios 2018

Auf der Chanel Haute-Couture-Show 2015 in Paris präsentierte Karl Lagerfeld, der auch in der Vergangenheit schon durch seine ausgefallenen Kollektionen bestehende Modetrends revolutionierte, erstmals das legendäre Chanel-Kostüm geformt mit 3D-Technologie. Damit definierte er die ikonischen Jacken aus 1920 neu und brachte sie in die Version des 21. Jahrhunderts. Mit dabei: die vielfach preisgekrönte Designerin, die zu einer der wenigen 3D-Druck-Spezialisten zählt, und es mit ihren jahrelangen Erkenntnissen aus Architektur und digitalen Herstellungsprozessen bis an die Spitze der Modewelt und Filmindustrie schaffte. Diese Technologie bringt Couture in eine neue Dimension, in der komplexe, aufwendige Strukturen geschaffen werden, die von Hand gar nicht realisierbar wären. In ihrem Studio in Downtown Los Angeles führt die Salzburgerin mich durch ihre Kollektionen und macht diese Kunst zum ersten Mal greifbar. Umgeben von einzigartigen Kreationen aus Kunststoff überrascht mich besonders deren Tragbarkeit und Flexibilität. In ihrer neuen Kollektion „Iceland“, einer Symbiose aus Tradition und Fortschritt, inspiriert von der Natur, schafft sie komplexe Strukturen, die so aussehen, als würden einzelne Naturelemente aus dem Körper herauswachsen und somit ihren expressiven Designs eine gewisse Lebendigkeit verleihen.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Julia, was macht den 3D-Druck für dich so spannend?
Julia Körner: Teil eines innovativen neuen Prozesses zu sein und vor allem die Möglichkeit mit großen Designern, wie Iris von Herpen, Ruth Carter oder Marina Hoermanseder zusammen arbeiten zu können.


Du hast Architektur studiert, zwei Master Degrees und in London und New York für große Designer gearbeitet.  Seit du 2012 begonnen hast, im Departement für Architektur und Urban Design an der UCLA (University of California Los Angeles) zu unterrichten, führst du ein Leben zwischen Los Angeles und Salzburg. Wie bist du in der Modeindustrie gelandet?
Der 3D-Druck kommt ja aus der Architektur und nicht aus dem Fashion-Bereich. Es gibt nur eine Handvoll Menschen, die mein Wissen in diesem Bereich teilen. Aus diesem Grund wollen die Fashion-Designer auch mit mir arbeiten.

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Expressives Design. Die neue Iceland Collection von Julia Körner (© Pia Clodi)

Auch wenn andere zufrieden sind, passt es für mich noch lange nicht. - Julia Körner

 

Du hast unter anderem mit einem der größten Haute-Couture-Häuser gearbeitet. Was waren deine ersten Gedanken?
Wow! I am gonna have to do that and I have to do it right, no matter what. (Egal was, das muss ich richtig machen.)


Was fasziniert dich an der Mode?
Die Mode selbst, weil es der kleinste Maßstab von Architektur ist, der Raum, der direkt unseren Körper umgibt. Die kleinste Form einer zweiten Haut. Und es ist ein Maßstab, indem man den 3D-Druck eins zu eins als Produkt einsetzen und mit komplexen Strukturen arbeiten kann.


Wie nimmst du die Modewelt wahr?
Einerseits sehe ich eine sehr spannende und innovative Welt mit sehr vielen Möglichkeiten. Andererseits ist die Modewelt für mich eine Welt, die Überholungsbedarf hat; eine Industrie, die sich größere Ziele in Bezug auf Nachhaltigkeit stecken sollte.
Außerdem empfinde ich sie als „highly competitive“, ganz anders als die Architektenwelt. Architekten denken sehr in Teamarbeit, d. h. jeder Einzelne steuert sein Wissen zu einer holistischen Idee zusammen. In der Modeindustrie ist das eher selten.

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STRAIGHT FORWARD. Julia Körner unterrichtet seit 2012 an der University of California, einer der renommiertesten Universitäten der Welt. (copy; Pia Clodi)

Black Panther“ ist der momentan weltweit neunterfolgreichste Film aller Zeiten. Wie bist du dazu gekommen?
Über Word of Mouth. Als bekannt wurde, dass die Designerin Ruth Carter für ihre Kostüme etwas Futuristisch-Innovatives will, war der 3D-Druck ein Thema. Phillip Boutte, ein gemeinsamer Bekannter, hat mich dann empfohlen.


Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass Millionen von Menschen deine Kostüme auf  der Leinwand gesehen haben?
Erst als die Verkaufszahlen von den Kinotickets bekannt wurden, der Umsatz liegt bei 1,3 Milliarden US-Dollar weltweit, ist mir bewusst geworden, was dieser Film überhaupt bedeutet und welche enorme Tragweite er hat. Denn, wie viele Menschen gehen schon auf die Pariser Fashion Week? Natürlich gibt es in jedem Projekt Hürden. Wenn aber am Ende alles gut gegangen ist und du dein eigenes Design auf der Leinwand siehst, so ist das eine unglaubliche Erfahrung. Das Beste ist, wenn mir Leute schreiben, dass sie gerade den Film gesehen haben, die Kostüme so toll fanden und ihnen gleich klar war, dass die von mir sind. Das ist für mich die größte Bestätigung, denn: Auch wenn ich für andere designe, erkennt man meine Handschrift. So ein Feedback ist unbezahlbar.

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In Hollywood gelandet – Black Panther. Costume Design von Ruth Carter, Krone- und Schultermantel-Design in 3D Technology von Julia Körner (© Matt Kenneda/Marvel Studios 2018)
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BLACK PANTHER. In der Hauptrolle der Ramonda glänzt Angela Bassett. (© Matt Kenneda/Marvel Studios 2018)

Mode ist der kleinste Maßstab von Architektur, der Raum, der unseren Körper umgibt. - Julia Körner

 

Glaubst du, dass der 3D-Druck in Zukunft in weiteren Filmen verwendet wird?
Das glaube ich nicht nur, ich weiß es (lacht).


Mit JK Design entwirfst du deine eigenen Modekollektionen. Wen möchtest du damit erreichen?
Modebewusste Frauen, die einen Sinn für innovative Ästhetik und ein Bewusstsein für nachhaltige Modedesigns, die außergewöhnlich sind, haben. Also, die moderne Frau, die sich nicht nach neuen Trends orientiert, sondern Einzigartigkeit sucht.


Welche Produkte werden uns erwarten?
Handtaschen, Röcke, Westen, Jacken, Accessoires …


Was sind die Ingredienzien deines Erfolges?
Take nothing for granted! Alles muss hart erarbeitet sein, denn von nichts kommt nichts. Akribische Aufopferung, Genauigkeit, Präzession und Verlässlichkeit sind für mich die wichtigsten Dinge in Kollaborationen. Ich verpasse nie einen Termin, bin immer pünktlich, halte jeden Abgabetermin und lege Wert auf Präzession und Perfektion zum Höchsten. Ich lebe also auch die österreichische Art „straight forward“ (lacht).

 

Info: www.juliakoerner.com

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Begeistert von den Entwürfen. Sonja Fink zu Besuch in Julia Körners Studio, Downtown Los Angeles