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Fashion | 20.04.2021

Meeresbrise aus Lilienfeld

Unter der Sonne Kaliforniens hatte Katharina Zöchling eine schmucke Idee: Heute lebt die 29 Jahre junge Mostviertlerin von den feinen Kollektionen ihrer „ZOECA Jewelry“. Wie alles begann.

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(© Vanessa Hartmann)

Crispy und Bacon haben es gut erwischt. Anders als ihre Namen es vermuten lassen, blickt das Schweinchen-Geschwisterpaar in eine glänzende Zukunft. In doppelter Hinsicht. Zum einen hat ihre Adoptiv­mama Katharina Zöchling von Kindesbeinen an ein großes Herz für Tiere und nichts anderes mit ihnen vor, als sie zu hegen und zu pflegen. Zum anderen verdient sie ihre Brötchen bzw. das Futter für das Duo mit Schmuckdesign. Da kann es schon sein, dass die selben Hände an einem Tag die Mistgabel schwingen und am nächsten ein zartes Armband entwerfen, das dann Influencerinnen wie Anna Wilken oder Betty Taube (beide Germany‘s Next Topmodels) tragen. Angefangen hat alles dort, wo es auch heute stattfindet: in Lilienfeld. „Ich bin durch und durch ein Landkind“, lacht Katharina Zöchling, Erfinderin und Gründerin von „ZOECA Jewelry“ im Niederösterreicherin-Interview.

Aufgewachsen ist die 29-Jährige in einem starken „Dreimäderlhaushalt“, wie sie beschreibt: gemeinsam mit der alleinerziehenden Mama und der Oma, die ihr viel Raum für Kreativität, um sich zu entfalten, ließen. Während im mütterlichen Friseursalon die Kundschaft verschönert wurde, frönte Klein-Kathi ihren beiden Passionen: dem Zeichnen, Malen und Basteln und ihrer Tierliebe. Von Hase  über Hund bis hin zu Schildkröten, die seit gut 15 Jahren treue Begleiter sind, reichte das Repertoire.

Nach der Matura inskribierte sie an der New Design University in St. Pölten und machte ebendort später den Bachelor als Innenarchitektin. Schon davor erlebte Katharina Zöchling eine sonnige Reise, die ihr Leben Schritt für Schritt in neue Bahnen lenken sollte. „Ich war 2014 in Kalifornien unterwegs und fasziniert von den vielen kleinen Schmucklabels; das kannte man so bei uns noch gar nicht“, erzählt sie. Daheim angekommen, bestellt sie Material und beginnt zu experimentieren. „Ich hab‘ Metall gebogen und geschnitten, Bändchen geflochten und alle Maschinen der Uni-Werkstatt ausprobiert“, schildert sie. Eine Freundin verkauft damals ihre Hauben auf Designmessen, also wagt auch sie einen Versuch: Den Monatslohn, den sie bei einem Wochenendjob bei einer Modekette verdient, investiert sie in eine Standgebühr. „Das war unglaublich: In einundeinhalb Tagen habe ich alles verkauft, da war ein richtiger Ansturm.“ Parallel zum Studium beginnt sie, einen Onlineshop aufzubauen, Facebook- und Instagram-Kanäle inklusive. Als sie ihren Abschluss in der Tasche hat, steht sie vor der Entscheidung, in ein Architekturbüro zu gehen oder ZOECA Jewelry professionell voranzutreiben. „Ich hab‘ alles auf eine Karte gesetzt.“

@Home bei ZOECA jewelry in Lilienfeld
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(c) Vanessa Hartmann

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(c) Vanessa Hartmann

Finanziell gesehen, war dieses „alles“ vor gut vier Jahren ein Startkapital von maximal Tausend Euro, sie war lange eine komplette One-Woman-Show. „Ich bin nächtelang bis drei Uhr morgens gesessen und habe meine Armbändchen gemacht, oft waren sie am nächsten Tag ausverkauft“, erzählt Kathi Zöchling. Sobald sie ein paar Tausender beisammen hatte, investierte sie sie in einen Verkaufsstand etwa bei der Berliner oder der Pariser Fashion­week, um Shops für ihre Kollektionen zu gewinnen. Vorwiegend Händler in Österreich, Deutschland und Frankreich verkaufen bis heut ihre Schmuckstücke. Sie ortet aber den rasanten Wandel: „Meine Zielgruppe sind zum Großteil Online-Shopperinnen. Da war mir schnell klar, dass ich den Fokus darauf legen muss.“ Sie shootet mit der Fotografin Vanessa Hartmann ihre Kollektionen mit maximalem ästhetischem Anspruch für Website und Social Media und investiert in Influencer­kampagnen etwa mit eingangs erwähnten Models, denen Hunderttausende und mehr folgen.

Ihre Mama und ihr Freund bestärkten sie, aber ihren Karriereweg pflasterte sie stets eigenhändig. „Da gehörte auch viel Lehrgeld dazu“, sagt die junge Geschäftsfrau. Als sie etwa feststellt, dass sie die Produktion nicht mehr alleine bewältigt, kauft sie sich spontan ein Flugticket nach Hongkong, um sich über Produktionsmöglichkeiten zu informieren. Infolge machte sie auf dem chinesischen Markt sowohl weniger gute, als auch ausgezeichnete Erfahrungen, betont sie. Heute werden ihre Kollektionen zum Großteil in Europa gefertigt (siehe Steckbrief). Die Geburt jedes Modells findet aber bis dato auf ihren Skizzenheften statt; ihr Inspirationsquell sind für gewöhnlich ihre Reisen. Und jedes Modell wird – heute bereits mit Support, aber oft von der Designerin selbst – in Lilienfeld verpackt und mittlerweile in die ganze Welt versandt.

„Vielleicht kommen neue Projekte dazu, aber ich wünsche mir, dass ich weiter gut davon leben und eines Tages mit ZOECA in Pension gehen kann. Dass das mein Lebenswerk wird, das ich gegründet habe“, sagt Katharina Zöchling.

Filigrane Kunstwerke
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Filigrane Stücke.
Schmuck von ZOECA Jewelry

 

(c) Vanessa Hartmann

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Filigrane Stücke.
Schmuck von ZOECA Jewelry

 

(c) Vanessa Hartmann

Steckbrief: ZOECA Jewelry

Ihre ersten Kollektionen fertigte Katharina Zöchling eigenhändig in ihrer Werkstatt in Lilienfeld zunächst aus Messing und Kupfer an. Heute werden für die ZOECA Jewelry-Kollektionen Sterling Silber etwa mit Edel- und Halbedelsteinen und Perlen kombiniert; in der Vergangenheit ließ die Designerin auch eine kleine Goldkollektion produzieren (sie selbst ist keine Goldschmiedin), derzeit gibt es auch eine kleine Edelstahlkollektion. Gefertigt werden die filigranen Modelle zu rund 80 Prozent in Europa (vorwiegend Spanien) und zu 20 Prozent im asiatischen Raum, „wobei mir ethisch vertretbare Produktionsbedingungen wichtig sind“, sagt Katharina Zöchling. Der Versand wird weiterhin von Lilienfeld aus abgewickelt.

www.zoecajewelry.at
Instagram/Facebook: @zoecajewelry

Mix & Match
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Unendlich kombinierbar.
Modelle von ZOECA Jewelry

 

(c) Vanessa Hartmann

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Unendlich kombinierbar.
Modelle von ZOECA Jewelry

 

(c) Vanessa Hartmann