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Lifestyle | 02.05.2016

Imagewechsel gefällig?

Nicht wegwerfen! – Das ist Marcela Mulsers Credo. Ihre Einrichtungsoase „The Phantasy Home“ in Hainburg/Donau verlassen inspirierte Menschen sowie Möbel und Accessoires in neuem Look. Ein Plädoyer in Worten und Taten für „do it yourself“.

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Möbel-Passion: Mit Shop und Werkstatt erfüllte sich Marcela Mulser einen Lebenstraum

Hast du auch so etwas daheim?

Da ist dieser eine Beistelltisch. Schlüssel landen mehrmals am Tag darauf, manchmal auch die Post. Er fristet ein recht trauriges Dasein, inmitten von Möbelstücken, zu denen er partout nicht passen will. Aber praktisch ist er. Und eigentlich ein treuer Begleiter seit drei Umzügen. Die Qualität scheint also nicht die schlechteste zu sein... Hast auch Du das eine oder andere Stück mit einem ähnlichen Schicksal in Haus, Garage oder Keller stehen? Oder vielleicht etwas viel Größeres, das zwar pflichtbewusst seine Dienste leistet, aber schon lange nach einem Tapetenwechsel schreit?

Von welchen Schätzen wir uns oft leichtfertig trennen, dafür öffnet Marcela Mulser nur zu gern die Augen. „Wir leben leider in einer Wegwerfgesellschaft“, bedauert die Wahl-Niederösterreicherin. Die gebürtige Slowakin, ausgestattet mit sprühendem Temperament, verschrieb sich vor Jahren der Rettung alter, unmoderner oder ungeliebter Möbelstücke. In Hainburg an der Donau, wo sie seit 13 Jahren lebt, betreibt die zweifache Mama „The Phantasy Home“.

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Romantische Vintage-Oase in Hainburg/Donau

Von Möbeln und Muskeln

Auf den ersten Blick: ein zauberhaftes Einrichtungsgeschäft mit Vintage-Accessoires und romantischen Möbelstücken. Die bemerkenswerten Oberarmmuskeln der schlanken Frau kommen aber nicht von ungefähr. Denn wenngleich ihr Mann sie tatkräftig beim Transport unterstützt, die Arbeit an Kästen, Tischen und Co. ist Marcela Mulsers Metier. „Schon mein Opa hat mir verschiedene Restaurationstechniken beigebracht. Und ich habe immer weitergemacht, viel Neues ausprobiert“, schildert die Kreative, deren ganzes Reich erst nach der zweiten Tür komplett zum Vorschein kommt. Vor der Kulisse zahlreicher Möbel, die offenbar gerade von ihr einem Imagewechsel unterzogen werden, bilden mehrere Werkbänke ein kreatives Ensemble. Zehn motivierte Frauen und Männer haben sich ebendort an diesem Samstag Vormittag zusammengefunden. Auch die NIEDERÖSTERREICHERIN ist dabei – um ein Workshop der passionierten Handwerkerin hautnah zu erleben

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Die Qual der Wahl: Die Schubladen zeigen das Farbrepertoire

Botschafterin für Buntes

Eine Sammlerin und Retterin alter Schätze ist Marcela Mulser seit sie denken kann. Im Brotberuf war die heute 39-Jährige allerdings zwei Jahrzehnte hindurch mit Herz und Seele in der Gastronomie tätig. Ihr Leben hatte eigentlich eine simple Onlinebestellung in neue Bahnen gelenkt. „Ich hasste das Abbeizen, den Gestank von Lack, ich war ständig auf der Suche nach einer Alternative“, erklärt sie. Es war quasi Liebe auf den ersten Strich, als sie die Farben von Annie Sloan für sich entdeckte. Die aus Oxford stammende Künstlerin hatte mit ihrer ökologischen, vielseitig einsetzbaren Palette von sich reden gemacht.

Marcela Mulser war jedenfalls nach der ersten Lieferung überzeugt. Wie besessen verpasste sie oft bis drei Uhr morgens Möbeln, Vorhängen, ja sogar ihrem Kühlschrank und ihrer Mikrowelle einen neuen Look. „Mit diesem Chalk Paint ™ können alle Arten von Möbeln, Stoffe, also auch Vorhänge und Sitzmöbel, Ledergarnituren, ja sogar Kinderspielzeug angemalt werden“, schwärmt sie. Gleich ganze Küchen hätte sie schon vor dem Ausmisten bewahrt. „Eine Küche ist nach 20 Jahren abgeguckt – aber sie ist doch deswegen nicht kaputt“, betont sie.

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Marcela Mulser mit Töchterchen Mia in ihrem Reich

Probe aufs Exempel

Die Neugier ist geweckt, das inspirierte Publikum trägt prompt emsig Farben auf die ausgeteilten Holzbretter auf. Und wie das riecht, wenn zehn Menschen gleichzeitig in einem Raum pinseln? Nach nichts – das ist mitunter das Erstaunlichste. Laut einem Zeitungsartikel auf Marcela Mulsers Pinnwand setzt gar die königliche Familie auf diese Produkte; so soll das Zimmer von Prinzessin Charlotte, der Tochter von William und Kate, im Annie Sloan-Rosa erstrahlen. Zum Schmökern aber keine Zeit: „Nehmt ruhig mehr Farbe, bei mir müsst ihr nicht sparen“, animiert die Hausherrin ihre Gäste. Mindestens vier verschiedene Techniken werden bei ihrem Workshop ausprobiert; dies sei laut der Expertin die Basis, jeder sollte mit Chalk Paint ™ so ausgelassen wie möglich experimentieren.

In dicke Schichten lassen sich prima Muster und Strukturen verewigen; für den „old fashion“ Look bringt man die Farbe mit dem Haarföhn zum Springen oder aber man streicht zwei Farben übereinander und schleift die obere Schicht stellenweise ab... „Das ist fantastisch!“, lobt Marcela Mulser begeistert einen Teilnehmer, der großzügig seinen Pinsel in die Farbdose taucht. „Männer sind mit den Farben wie Kinder: Sie trauen sich mehr als Frauen“, lacht sie. Mit ihrer Begeisterung angesteckt hatte Marcela Mulser auch eine ihrer Kundinnen, deren Küchenkredenz majestätisch in der Werkstatt thront. Das zauberhafte Jugendstilstück hatte Oma gehört. „Ich wollte es unbedingt als Andenken an sie in meiner Küche haben“, verrät Christina Lehnert aus Eckartsau, die nun selbst in „The Phantasy Home“ den Pinsel schwingt. Großmutters Schatz wird allerdings von der Chefin selbst aufgemöbelt; im zarten Lila avanciert es zum selbstbewussten Hingucker.

Weltweit gibt es laut Marcela Mulser 1900 autorisierte HändlerInnen für Annie Sloan-Produkte, in Österreich verkaufen bislang nur sechs ihre Lieblingsfarben. Für sie ist jedenfalls mit Shop und Werkstätte vor drei Jahren ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. „Und heute kennt mich in Hainburg kein Mensch mehr ohne Schürze“, lacht sie.

Internet: www.thephantasyhome.com

"The Phantasy Home"
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Marcela Mulsers Motto bei ihren Workshops: Alles geht, man muss sich nur trauen
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...also hab' ich mich auch getraut und es hat einen Riesenspaß gemacht!
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Das war quasi das Warm-up; im Sommer knöpfe ich mir mein altes Vorzimmer vor
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Diesen Sekretär hätte ich auch gern daheim stehen ;)
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Happy mit dem ersten Selbstversuch: Marcela & ihre Workshopteilnehmerinnen

Du spielst mit dem Gedanken, der besten Mama mit einem selbst verschönerten Möbelstück eine Freude zu machen? Hier ein paar Tipps von der Fachfrau Marcela Mulser:

Das Stück auf Holzwurmbefall (viele kleine Löcher) prüfen; sie können auf andere Möbelstücke oder gar auf den Parkettboden übergehen. Wenn es schnell gehen soll, Vandal gegen Ameisen in die Löcher sprühen oder Essig. Wenn Sie Essig verwenden, danach gute zwei Wochen stehen lassen.

Es ist ein altes Stück mit unangenehmem Geruch? Mit Essigwasser auswischen

Vor dem Farbenkauf: Die Fläche berechnen, dem Resultat entsprechend Menge besorgen. Entscheidet man sich für Annie Sloan: Wachs dazu nehmen. Damit werden die Farben (auf harten Oberflächen) fixiert.

Wenn möglich, Möbelstück vor dem Anstreichen auf Einzelteile zerlegen. Eine weitere Vorbehandlung ist nicht nötig.

Ideen für unterschiedliche Looks mit Annie Sloan „Chalk Paint“ ™ , die freilich auch kombiniert werden können:

  • Farbe auftragen, halbe Stunde trocknen lassen. Eine andere Farbe darüber auftragen, erneut trocknen lassen und dann je nach Geschmack obere Schicht „fleckchenweise“ abschleifen.
  • Elegante Vintage-Risse: Farbe dick auftragen, wenn sie etwas angetrocknet ist, stellenweise föhnen, bis kleine Risse entstehen.
  • Farbe auftragen, trocknen lassen und mit einem nassen Schwammtuch und gleichmäßigen Wischbewegungen so viel Farbe „abwischen“, dass die Holzmaserung zum Vorschein kommt.

Fotos: Viktória Kery-Erdélyi