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Lifestyle | 05.11.2015

Das Rampenlicht glüht weiter

Der Publikumserfolg war die halbe Miete. Ein großes Ziel der Niederösterreichischen Landesausstellung ÖTSCHER:REICH war eine nachhaltige Stärkung der Region. Über das neue „WIR-Gefühl“ im alpinen Mostviertel und Projekte ohne Ende.

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HINTER DEN KULISSEN. Das inhaltliche Team: Tanja Angermann (Ausstellungsproduktion), Objekte-Scout Gerhard Proksch, Birgit Schretzmayr (Ausstellungsproduktion), Alpenforscher Werner Bätzing, Kurt Farasin (Geschäftsführer), Wirtschafts- und Sozialhistoriker Ernst Bruckmüller, internationaler Ausstellungsmacher Beat Gugger (© Weinfranz)

Die Niederösterreichische Landesausstellung schlüpfte heuer in Wanderschuhe und bestieg sogar den Zug. „ÖTSCHER:REICH - Die Alpen und wir“ konnte mit allen Sinnen erkundet und genossen werden. Eine facettenreiche Kombination: Die Schau erstreckte sich über die Ausstellungsstandorte Neubruck und Frankfels-Laubenbachmühle, das Naturparkzentrum Ötscher-Basis in Wie-nerbruck, 15 Stationen, zwei Rundwanderwege und die Mariazellerbahn. Das Konzept ging voll auf: Besucher von nah und fern pilgerten in das alpine Mostviertel, um individuelle Abenteuer zu erleben, um sich mit der Region und ihrer Geschichte auseinanderzusetzen. Bereits Anfang Oktober feierte man den 200.000sten Gast. Möglichst viele anzulocken war aber nur eines der vielen Ziele. Besonderer Schwerpunkt lag auf der Einbindung der Menschen vor Ort. Die Landesausstellung zählte mehr als 170 RegionspartnerInnen, es wurden knapp 30 Kultur- und mehr als 80 NaturvermittlerInnen ausgebildet.

„Die Grundidee, die unmittelbare Bevölkerung bei dieser
Landesausstellung mit ins Boot zu holen, ist gelungen. Es ging um ihre Sicht auf die Alpen und das unmittelbare Leben rund um den Ötscher. Dieser hat jetzt als zentraler Anziehungspunkt mehr Bedeutung“, unterstreicht der operative und künstlerische Leiter Kurt Farasin. „Die Landesausstellung hat sich zu einer kleinen Trägerrakete für die Region entwickelt. Diese Aufbruchsstimmung und eine selbstbewusste Haltung der Menschen im Mostviertel ist die Grundlage für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Region.“

Übrigens: An der Zukunftsmusik wird bereits komponiert. Die Landesausstellung findet 2017 im Schloss Pöggstall statt.

 
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AUF TÖPPERS PFADEN. Das revitalisierte Schloss öffnet Jungunternehmern seine Pforten. (© photo-graphic-art)

Töpperschloss goes Großraumbüro

Der Vorzeigeindustrielle Andreas Töpper würde vermutlich applaudieren, könnte er erleben, dass sein eins­tiges Domizil Jungunternehmer beflügeln soll. Das Töpperschloss in Neubruck wurde für die Landesausstellung aus seinem Dornröschenschlaf geweckt. Im Fokus stand das gesamte Töpperareal, also der Wirtschaftspark. Das Land NÖ, 17 Gemeinden und das Bundesdenkmalamt investierten rund zehn Millionen Euro. „Großer Schwerpunkt wurde dabei auf die Sanierung und Revitalisierung der Töpper-Kapelle und des Töpperschlosses gelegt“, führt Andreas Hanger, Obmann der Neubruck Immobilien GmbH, aus. Für die Schau war das Schloss zum Museum avanciert; nun wird es als Dienstleistungszentrum Büroräumlichkeiten beherbergen, die Leaderregion Eisenstraße Niederösterreich wird ab 2016 ihren Sitz dort haben. „Angeboten werden auch sogenanntes Co-Working, also leistbare Büroarbeitsplätze für Jungunternehmer im Großraumbüro, sowie ein kleines, aber feines Zentrum für Seminare, kulturelle Veranstaltungen, Hochzeiten und mehr“, erklärt Andreas
Hanger. Ein Großteil des gesamten Töpperareals soll verkauft werden; drei Betriebsansiedlungen (Holzbau Strigl GmbH, Hydroconnect GmbH und Bäckerei/Konditorei Reschinsky) wurden bereits realisiert. „Beim Verkauf steht die Schaffung von Arbeitsplätzen im Vordergrund. Wir möchten den Innovationsgeist von Andreas Töpper, dem Gründer des Areals, im 21. Jahrhundert neues Leben einhauchen“, sagt Hanger.

 
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MITTEN IN DER NATUR. Die Himmelstreppe trumpft mit Panoramafenstern auf. (© NÖVOG/Mayrhofer)

Punkten mit der Himmelstreppe

Erstmals war eine touristische Bahn Teil der Landesausstellung: die Strecke zwischen Frankenfels-Laubenbachmühle und Wienerbruck. Eine Premiere zelebrierten auch viele Besucher, die das erste Mal die Himmelstreppe mit ihren Panoramafenstern bestiegen, um zur Landesschau zu reisen. Zudem war die Remise in Laubenbachmühle als Ausstellungsort adaptiert worden. Wenngleich dieses Kapitel nunmehr der Vergangenheit angehört, hob die große „Bühnenpräsenz“ der Mariazellerbahn freilich ihre Bekannt- und Beliebtheit. Trotz Besucheransturm war ein reibungsloser Ablauf geglückt; der Fahrplan war verdichtet worden, zu Spitzenzeiten wurden einzelne Züge als Verstärkung eingeschoben.

Stolz sind die NÖVOG-Verantwortlichen vor allem auf das Ergebnis einer Fahrgastbefragung: Dabei wurde die Mariazellerbahn im Schulnotensystem mit 1,4 beurteilt.

 
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GASTGEBER. Eigens ausgebildete Naturvermittler laden weiterhin zu individuellen Abenteuern. (© Weinfranz)

Hüttenflair trifft Hightech

Sie war ganz schön in die Jahre gekommen, die Hütte am beliebten Einstieg in den Naturpark Ötscher-Tormäuer und in die Ostalpen. Naturliebhaber und Wanderer empfängt dort nunmehr das Naturparkzentrum Ötscher-Basis mit moderner Infrastruktur und kulinarischen Genüssen. Die Architekten Pesendorfer und Machalek ließen sich von der Bauart einer Scheune inspirieren, es wurden sogar traditionelle Materialien wie Holzschindel verwendet. Das zauberhafte Hüttenflair lässt es kaum vermuten: Das Infozentrum ist mit moderner Technik ausgestattet; vergessene Ausrüstung oder die Wanderjause können vor Ort gekauft werden, Duschen und Toiletten stehen für die Wanderer bereit. Knurrt der Magen, locken Seeimbiss, Café und Restaurant. Das neu erarbeitete Gastrokonzept soll auch künftig regionalen Produkten den Vortritt geben.

Rund 30 der eigens für die Landes­ausstellung ausgebildeten Naturvermitt­lerInnen waren in der Ötscher-Basis bzw. im Naturpark „stationiert“ – diese „Gastgeber der Region“, wie sie liebevoll genannt werden, bleiben ihrer Mission weiterhin treu. Ob nun Ziegenführung, Kräuterwanderung oder auf den Spuren der Holzfäller: Auch künftig sollen diese wunderbar individuellen Führungen – je nach Alter, Beruf und Vorliebe der NaturvermittlerInnen – angeboten werden.

Über das neue „WIR-Gefühl“

Andreas Purt, Geschäftsführer Mostviertel Tourismus

Was hat die Landesausstellung ÖTSCHER:REICH dem Mostviertel gebracht?

Bereits die Vorbereitungsarbeiten zur Landesausstellung haben in der Region ein neues WIR-Gefühl im alpinen Mostviertel entfacht. Im Jahr der Landesausstellung war die Euphorie der Bevölkerung sehr stark spürbar und wir hoffen, dass dies noch lange anhält. Zudem wurden große Investitionen getätigt, die noch lange nachwirken werden. Dazu zählen unter anderem die Absicherung und Renovierung des Gasthauses Vorderötscher, die Errichtung des Naturparkzentrums Ötscher-Basis, die Entwicklung der neuen Produktlinie ÖTSCHER:REICH, die Instandhaltung des Wanderwegenetzes inklusive Neubeschilderung oder die Gründung einer Gastro- und Service GmbH zwischen Naturpark Ötscher-Tormäuer und Annaberger Liften. Dabei wurden zehn Ganzjahresarbeitsplätze geschaffen. Vieles wurde für die Landesausstellung beschleunigt, wie etwa die Errichtung des JUFA Annaberg Bergerlebnis-Resorts. Auch viele Kooperationen wurden intensiviert, wie etwa die Zusammenarbeit zwischen Mariazellerbahn und Naturpark.

Die Marke ÖTSCHER:REICH bleibt bestehen – in welcher Form und wie wird sie eingesetzt?

Der Mostviertel Tourismus hat die
Markenrechte erworben und wird auch in den nächsten Jahren das ÖTSCHER:REICH aktiv bewerben, um den Schwung der Landesausstellung bei zu behalten. Wir werden die regionale Produktlinie ÖTSCHER:REICH fortsetzen und noch intensivieren. 

Gab es für Sie während/durch die Landesausstellung eine besondere Überraschung, etwas Positives, womit Sie vielleicht gar nicht gerechnet hatten?

Der klassische Landesausstellungsgast ist ja grundsätzlich kein Wanderer, sondern eher an Kultur interessiert. Wir waren uns daher nicht sicher, ob wir es schaffen werden, dass die Gäste der Landesausstellung auch das Angebot im Naturpark Ötscher-Tormäuer annehmen werden. Ab den Sommermonaten wurden wir an der Ötscher-Basis und im Naturpark Ötscher-Tormäuer förmlich überlaufen. Sehr viele Gäste haben den Ötscher bzw. den Naturpark dann auch außerhalb der Landesausstellung besucht.

 

– entgeltliche Einschaltung –