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Lifestyle | 20.12.2016

Was heißt hier: nur ich?!

Zu den Festtagen gaukeln Werbung und Co. so viel Happiness als Paar und Familie vor, dass sich Singles oft defizitär fühlen, selbst wenn sie nicht auf Partnersuche sind. Hier ein paar sehr positive Gedanken und Tipps für das neue Jahr

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(© Shutterstock)

Du bist Single und es graut Dir vor den Festtagen, wo angeblich alle glücklich vereint unter dem Christbaum sitzen oder einander verliebt zu Silvester zuprosten? Werbung und Co. gaukeln uns da ganz schön viel Hübsches vor. Wir haben Psychologin Claudia Prudic gefragt, wie Lebensgenuss im Alleingang funktioniert – bzw. wie man sich Nähe holen kann, wenn frau das Bedürfnis hat. Sie gehört zum Team der Frauen- und Familienberatungsstelle „wendepunkt“ in Wr. Neustadt. Von ihren Tipps an dieser Stelle profitieren auch Nicht-Singles; eine Rückschau bzw. ein motivierendes Wunschkonzert für 2017 tut allen gut.

Du spürst eine innere Unruhe …

„Gehen Sie raus! Und zwar ohne Ziel“, rät die Psychologin. Einfach Wasser und Müsliriegel einpacken und so lange durch die Natur stapfen, bis es gut tut. „Gehen Sie absichtslos Ihren Weg, ohne zu grübeln. Atmen Sie sich den Kopf frei.“

Sorgt für Euch selbst!

„Ich erlebe das oft bei Klientinnen: Für die Kinder wird das beste Essen zubereitet, für die Mama reicht ein Knäckebrot“, schildert Claudia Prudic. Selbstfürsorge lautet das Zauberwort. Die wichtigsten Eckpfeiler: Natur, Bewegung, gute psychische und physische Ernährung und genügend Schlaf. „Sorgen Sie für sich, als wären Sie Ihr eigenes Kind.“

Du bist plötzlich alleinerziehende Mama …

Im Idealfall gibt es einen Papa, der regelmäßig die Kids bei sich hat, sodass auch der Mutter Zeit für ein Privatleben bleibt. Andernfalls ist Kreativität gefragt: „Für eine kurze Auszeit kann man mit kleinen Kindern ein wohltuendes Vollbad nehmen“, rät die „wendepunkt“-Beraterin. Auch auf einem Spielplatz oder beim Lauschen einer Hörspiel-CD entgeht man dem „Bespielungsstress“, in den man oft mit kleinen Kids schlittert. Tapetenwechsel, etwa in einem JUFA Hotel, in Häusern der Naturfreunde oder des Alpenvereins, tut allen gut, und man kann Kontakte zu Menschen in ähnlichen Lebenslagen knüpfen. Feine Tipps bietet auch der NÖ Familienpass. Reicht das Geld für solche Aktivitäten nicht, lädt man am besten FreundInnen zu sich ein. Wie wäre es mit einer Kleider-, Bücher-, DVD- oder Spielzeugtauschparty?

Das neue Jahr steht vor der Tür …

„Basteln Sie ein Wunschboard!“, empfiehlt die Psychologin. Auf einem großen Blatt Papier oder einer Pinnwand werden Dinge befestigt, beispielsweise aus Magazinen ausgeschnittene Fotos, die man sich für 2017 wünscht. „Seien Sie nicht bescheiden, schlagen Sie über die Stränge“, lautet die Devise. Danach gilt es, nach den dahinterstehenden Bedürfnissen zu fragen. Einen Wunsch nach einem Haus kann vielleicht eine Wohnung mit einem kleinen Garten befriedigen, das Fernweh ohne Auto eine schöne Zugreise … Ein Wunschboard ist übrigens in jeder Lebenslage und auch mit und für Kids hilfreich.

 

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IM GESPRÄCH. Psychologin und „wendepunkt“-Beraterin Claudia Prudic (© privat)

Du wünschst Dir Nähe, aber keinen Partner ...

Das Zusammensein hat auch seinen Preis, oft werden viele Bedürfnisse zurückgeschraubt, sodass viele nach einer Beziehung erst einmal für sich sein wollen. Was aber, wenn man sich nur Nähe wünscht? Über einen One-Night-Stand trauen sich viele nicht drüber, wird es doch – insbesondere bei Frauen – schnell moralisch bewertet, weiß Claudia Prudic. „Hier gibt es auch noch ein starkes Stadt-Land-Gefälle.“

Ganz aktuell sind Konzepte, die „ein absichtsloses Berühren“ ermöglichen. Bei den Tanzrichtungen „Biodanza“ oder „Contact Improvisation“ werden Musik, Bewegung und Begegnung in einem wohlwollenden Rahmen verknüpft.

Soziales Engagement tut der Seele außerdem wohl. Anstatt zu Silvester mit der Vergangenheit zu hadern, kann man in einem Obdachlosenheim Essen ausgeben. „Wenn man traurig ist, hilft es, anderen zu helfen.“ 

Allein in der Theaterpause?

„Fühlen Sie sich nicht beobachtet, werden Sie die Beobachterin! Sehen alle Paare so glücklich aus? Sie können sich sagen: Ich bin in bester Gesellschaft, nämlich in meiner“, beschreibt die Psychologin. Nach einer langjährigen Partnerschaft ist das Gefühl, allein unterwegs zu sein, oftmals ein seltsames. „Lassen Sie sich nicht entmutigen. Sie sind nun in einer Phase der Neuordnung, alles ist im Wiederaufbau.“ Um sich in der ersten Zeit über ungewohnte Situationen zu retten, helfen auch Klassiker, wie jemanden anzurufen oder sich in ein Buch zu vertiefen. Wer noch nicht so weit ist, allein die Welt zu erobern, fragt am besten eine Freundin oder eine Nachbarin. Andererseits gibt es eine Vielzahl an Aktivitäten, die prima im Alleingang klappen: Schwimmen, Sauna, Laufen, Museums- und Ausstellungsbesuche, …

Zu Besuch bei der sauertöpfischen Großtante

Festtage bringen auch gesellschaftliche Verpflichtungen mit sich, die – insbesondere wenn man frisch getrennt ist – oft eher belastend als aufbauend sind. „Eigentlich reicht es zu sagen, dass man nun für sich sein möchte. Wer sich noch nicht so viel Ehrlichkeit zutraut: eine Krankheit vorschieben. Auch psychisches Wohlbefinden ist ein wichtiger Aspekt von Gesundheit“, rät Claudia Prudic.

In einer Runde voller Pärchen ...

… ist es absolut in Ordnung, allein aufzutauchen. Nur selbst fühlt man sich oft defizitär, wenn man von vielen Menschen im Doppelpack umgeben ist. Es gilt, dieses sich entschuldigende „nur ich“ aus dem Kopf zu kriegen. Sagen Sie sich: „Ich reiche!“