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Lifestyle | 19.10.2017

Du entscheidest mit dem Griff ins Regal

Unsere Bauern warnen: Hohe Qualität und kleinster Preis passen nicht zusammen.

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„Wir liefern das, was Österreich täglich braucht – das bedarf Wertschätzung.“ Georg Strasser, Landwirt und Bauernbundpräsident

Fotos: Österreichischer Bauernbund, NÖ Bauernbund/ Gabriele Moser

Tagtäglich mit Nahrungsmitteln aus heimischer Produktion versorgt zu werden ist nicht selbstverständlich, sind doch unsere BäuerInnen in der Wertschöpfungskette vom Saatgut bis in den Lebensmitteleinzelhandel meist das schwächste Glied in der Kette. Man stelle sich vor: 2016 erhielten die Landwirte vom Verkauf einer Semmel einen Cent, eines Apfels 5 Cent. Zum Vergleich: Eine Semmel kostet im Regal 35 Cent, ein Apfel 30 Cent. Agrarische Erzeuger verdienen an ihren Produkten nur einen geringen Bruchteil dessen, was Konsumenten als Endpreis zu bezahlen haben.

Das leisten unsere Bauern

Obwohl die Leistungen der heimischen Landwirtschaft unersetzbar sind, stellt das wirtschaftliche Überleben für viele Betriebe eine große Herausforderung dar. 52 Prozent der Betriebe werden bereits im Nebenerwerb geführt. Von den 160.000 land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, die uns frische, regionale und gentechnikfreie Lebensmittel sichern, sind 94 Prozent Familienbetriebe. Ein österreichischer Bauer ernährt heute rund 102 Personen – 1970 waren es noch zwölf – und sichert im Schnitt drei Arbeitsplätze, was in Summe 530.000 Arbeitsplätze macht. 

Die vergangenen Jahre waren schwer für die heimischen Land- und Forstwirte. Seit 2011 mussten sie jährlich Verluste hinnehmen und viele haben so mehr als ein Drittel ihrer Einkommen verloren. Aber der Tiefpunkt scheint seit dem Jahr 2015 durchschritten, die Betriebe im Jahr 2016 befinden sich im Schnitt wieder im Plus, die bäuerlichen Einkommen haben sich stabilisiert. Dabei verdient ein Bauernhof durchschnittlich rund 28.000 Euro – das ist weit weniger als das Bruttojahreseinkommen von anderen Erwerbstätigen. „Wir liefern das, was Österreich täglich braucht. Lebensmittel, Lebensraum, Energie und die Menschen, die den Ball in diesem Land am Laufen halten“, stellt Georg Strasser, der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, fest. Vor allem für den heimischen Tourismus ist die von unseren Bauern gepflegte Landschaft das internationale Aushängeschild. Tierwohl, Naturschutz, Schutz des Lebensraumes, nachhaltiges Wirtschaften sind allgemeine Anliegen, die von BäuerInnen täglich gelebt werden und die auch der Gesetzgeber verlangt. „Eine nationale Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln kann nur durch eine flächendeckende, nachhaltige und vielfältige Landwirtschaft garantiert werden. Unsere Bauern und Bäuerinnen erfüllen diese Aufgabe“, ergänzt NÖ Bauernbunddirektorin Klaudia Tanner.

 

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Gemeinsam nur das Beste! Bauernbund- Direktorin Klaudia Tanner und Jungbauern kämpfen für gerechte Produktpreise.

Im Trend: Regionale, saisonale Produkte

Auf der einen Seite nimmt der Trend und der Wunsch nach gesunden heimischen Lebensmitteln zu, auf der anderen Seite sinken die Haushaltsausgaben für Lebensmittel, die Erzeugerpreise stagnieren oder sinken sogar – und der Diskonter als Bezugsquelle gewinnt immer mehr an Bedeutung. Lebensmittel sind heute so billig wie noch nie, obwohl die Ansprüche und Standards in Sachen Umwelt-, Tier- und Pflanzenschutz ständig steigen. Gab ein Haushalt 1954 laut Statistik Austria etwa noch 44,8 Prozent seines Budgets für Lebensmittel aus, so sind es 2014 nur mehr zwölf Prozent (€ 353). Damit liegen die Lebensmittel-Ausgaben ex aequo mit den Ausgaben für Freizeit an dritter Stelle, hinter Wohnen & Energie (€ 781) und Verkehr (€ 425). Die Nachfrage entscheidet also über das Angebot. Wir Konsumenten sind die wichtigsten Partner der Landwirtschaft, wenn es um den Einkauf und die Versorgung der Haushalte mit regionalen Lebensmitteln geht. Daher bleibt der beste Tipp: Zum Wohle unserer Gesundheit und unserer Bauern zu regionalen und saisonalen Produkten greifen!