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Lifestyle | 28.12.2017

Neustart im Bademantel

Ausstieg aus dem Hamsterrad: So funktioniert das Antistress-Programm im Frauengesundheitszentrum „la pura“ in Gars am Kamp. Ein Selbstversuch.

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(© Suzy Stöckl /GRB/ la pura women’s health resort kamptal)

Verstehen Sie mich bitte richtig: Ich traue meinem Mann zu, den Wetterbericht zu lesen und den Kindern entsprechende Kleidung anzuziehen. Es gelingen ihm auch Einkäufe und Mahlzeiten. Trotzdem – und das mag einen Hauch am mütterlichen Größenwahn liegen: Der Gedanke, unter der Woche, mitten in der Schulzeit, zwei Tage mit einem Anti­stress-Programm zu entschleunigen, stresst mich(!). Umso faszinierender, was im Frauengesundheitszentrum „la pura“ in Gars am Kamp gelingt: Nur wenige Stunden später sitze ich relativ ruhig beim Abendessen, lasse den Blick über entspannte Frauengesichter jeden Alters schweifen. Die einen speisen mit der Freundin, die anderen mit der Mama – und wieder andere warten vertieft in einen Roman auf das vorzügliche Menü. Den Dresscode bestimmt jede Frau selbst.

Enttarnt. Meine Mission ist ein Hineinschnuppern in das von der renommierten Gendermedizinerin Alexandra Kautzky-Willer initiierte Stressbewältigungsprogramm. Dass das Betätigungsfeld auch bei mir ein breitgefächertes sein könnte, enttarnt die ärztliche Leiterin Karin Stengg mit einem Röntgenblick beim Erstgespräch. „Ich bin Wirbelsäule-Spezialistin und wenn ich mir Ihre angespannte, nach innen gerollte Streckhaltung anschaue, sehe ich, dass das mit Schmerzen verbunden sein kann.“ – „Ist es!“, rufe ich innerlich, nicke elegant und lausche gebannt weiter. „Die Wirbelsäule ist der Sitz der Energie; wenn es nicht fließt, schwächt das den ganzen Körper.“ Sie empfiehlt mir unter anderem Unterwasserdruckstrahlmassage, Osteopathie, Lymphdrainage und eine detaillierte Analyse, um meinem Körper mit Mikronährstoffen ein sanftes Turbo zu verpassen. Darüber hinaus wissen wir freilich: Regelmäßiger Schlaf, genügend Flüssigkeit, ausgewogene Ernährung und Bewegung erhalten beziehungsweise machen uns gesund. Nur wo quetscht man das ins tägliche Hamsterrad?
„Sie sind ja auch Role Model für Ihre Kinder. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es schwierig ist, aber Sie kriegen keine Medaille. Im Gegenteil: In zehn Jahren checken Sie dann mit Bandscheiben-Problemen und Arthrosen ein.“ Ich gelobe mal wieder Besserung. Damit das nachhaltig wirkt, bietet das „la pura“ in seinem Antistress-Programm auch ein Gespräch mit einer Psychologin an.

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RUNDUM-PAKET. Von der ärztlichen Kopfmassage über Pilates bis hin zum gemütlichen Austausch: Das „la pura“-Angebot ist vielfältig. (© Alexander Lohmann, Suzy Stöckl / GRB / la pura women’s health resort)
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(© Alexander Lohmann, Suzy Stöckl / GRB / la pura women’s health resort)

Abschalten. Dazwischen darf ich aber noch eine Runde Balance Workout und sanftes Yoga genießen; in den fantastischen Spa-Bereich locken etwa duftende Peelings im Rasulbad. Ich schmökere in den Broschüren mit einer Vielfalt an medizinischen und Wellness-Angeboten sowie einem großen Schwerpunkt zum Thema Ernährung.
Eine wichtige Säule der Burn-out-Prävention ist die fachliche Unterstützung bei der Analyse und Lösung von individuellen Stresssituationen. Bei Psychologin Kathrin Heneis fühle ich mich sofort verstanden: „Wir kennen die Mehrfachbelastung von Frauen durch den Spagat zwischen Beruf, Familie und Partnerschaft; die Rolle verändert sich glücklicherweise, aber noch immer ist der Unterschied klar zu Männern: Frauen fühlen sich verantwortlich.“ Hinzu kommen Faktoren, gegen die wir kaum ankommen: So beweisen Studien, dass Frauen verstärkt stressempfindlich sind und ausgerechnet in einer Stresssituation noch empathischer reagieren, was wiederum nicht die Selbstfürsorge fördert. Hinzu gesellt sich der Hang, ungern Nein zu sagen. Die Stress-Klassiker sind: vermehrtes und schnelles Essen, Rauchen – und dann psychosomatische Folgen wie Migräne und Rückenschmerzen.
Im „la pura“ tut es schon einmal gut festzustellen, dass es vielen ähnlich geht. Frau soll dort ihrem Körper – „viele Frauen haben eine schlechte Beziehung zu ihrem Körper“ (Heneis) – aber auch ihrer Seele näherkommen. „Burn-out findet statt, wenn es kontinuierlich über die Leistungsgrenze geht. Wir versuchen im gemeinsamen Gespräch festzustellen, wo die persönlichen Grenzen sind. Wenn ich die nicht kenne, kann ich sie nicht nach außen transportieren“, erklärt die Psychologin. Es soll das Bewusstsein für die eigenen Ressourcen, die eigenen Bedürfnisse ge­schärft werden; durch Meditation etwa soll es gelingen, im Moment zu bleiben, sich auf das, was man gerade tut, sei es essen oder spazieren, zu konzentrieren.

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GENIESSEN. Redakteurin V. Kery-Erdélyi bei der Unterwassermassage (© Alexander Lohmann, Suzy Stöckl / GRB / la pura women’s health resort)

Schwerelos. Als meine Schnupper­zeit auch noch eine Unterwasserdruck­strahlmassage bereithält, bei der ich quasi schwerelos im Wasser baumele, fühle ich mich unendlich entspannt. Voll positiver Gedanken und Vorsätze schreite ich zur Kurzzeitmessung der Herzratenvariabilität, die ein bisschen Aufschluss über meinen „Stresspegel“ geben soll. „Einfach nur fünf Minuten ruhig daliegen“, erklärt mir die sympathische Mitarbeiterin während sie mich „verkabelt“. Und da passiert es: Ich wage einen Blick auf die Uhr, das aktuelle Datum erscheint vor dem geistigen Auge und schon verselbstständigen sich die To Do- und Don’t Forget-Listen in meinem Kopf ... Das entgeht freilich auch den Geräten nicht, wie sich bei der Nachbe­sprechung mit dem stellvertretenden ärztlichen Leiter Manfred Zauner heraus­stellt. „Es könnte bes­ser sein, aber es ist nicht so schlimm“, beschwichtigt der empathische Mediziner und empfiehlt mir einen ausgewogenen Mix aus sportlicher Betätigung und Entspannungsü­bungen. Hilfreich könnte es auch sein, Atemtechniken beziehungsweise die Bauchatmung zu forcieren. Ich bleibe dran!
Das „la puraMed Anti-Stress“-Paket gibt es ab drei Tagen, ideal findet die ärztliche Leiterin Karin Stengg einen Aufenthalt von mindestens einer Woche, weil sich da Körper und Geist gut auf die neue Umgebung einstellen können.


www.lapura.at