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Lifestyle | 13.02.2018

Sie geben ihr Bestes

Der kleine Theodor aus dem Bezirk Scheibbs ist das 2.000. „YoungMum“-Baby. Wir sprachen mit der Mama und der leitenden Hebamme der Einrichtung, die Teenager-Mütter urteilsfrei unterstützt.

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FRISCHGEBACKEN. Die junge Niederösterreicherin Tamara Wagner mit Sohn Theodor – und YoungMum-Leiterin Nisfeta Pacic (© Alek Kawka, Gerhard Schauer, Tamara Wagner)

Schon als Jugendliche musste sie einmal operiert werden. Und  dass es laut Ärzten zunächst nicht ideal um ihre Fruchtbarkeit stand, sei ihr nur recht gewesen, hatte sie doch ein Leben als Mama so gar nicht im Plan. „Trotzdem haben wir verhütet“, erzählt Tamara Wagner. Nur eben ein einziges Mal nicht.
Als im darauffolgenden Familien­urlaub die Zigarette nicht schmeckte, hatte die junge Frau schon eine Vorahnung; mit dem Test war es Gewissheit. „Einen Tag lang standen wir total unter Schock“, sagt sie. Die damals 19-Jährige hatte die Schule vor der Matura abgebrochen und wünschte sich so sehr eine Lehrstelle als Tierpflegerin. Ihr Freund, damals 23, hatte zwar einen Job, aber keinen, der ihn glücklich machte. „Einen Tag lang habe ich nur geweint, dann war für mich klar: Ich lasse nicht abtreiben.“

Rückhalt. Tamara Wagner freut sich heute über ihr Glück: Als der erste Schock verarbeitet war, stellten sich sowohl ihr Freund als auch die Großeltern hinter sie. Theodor wurde am 13. Dezember 2017 im Göttlicher Heiland Krankenhaus in Wien geboren – als 2.000. „YoungMum“-Baby. Die Einrichtung war vor 15 Jahren von der Hebamme Uschi Reim-Hofer gemeinsam mit der Spitalsleitung ins Leben gerufen worden, um Teenager-Mütter quasi ab dem positiven Schwangerschaftstest zu unterstützen. 13 Jahre jung war die jüngste Klientin, die dort betreut wurde.

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ZAUBERHAFTER NEWCOMER. Als der Test positiv war, war es ein Schock. Heute ist die Familie glücklich. (© Alek Kawka, Gerhard Schauer, Tamara Wagner)

Ihre Sorgen. Die Probleme, mit denen die jungen Frauen konfrontiert sind, sind vielfältig, weiß die erfahrene Hebamme Nisfeta Pacic, die heute „YoungMum“ leitet. „Sie sind sehr jung, manche haben keinen Kontakt zum Kindesvater, keine Ausbildung oder keinen Job, finanzielle Sorgen – und manchmal leider keinerlei Unterstützung von der Familie“, beschreibt Nisfeta Pacic. Bei den einen ist das Kondom gerissen, bei anderen haben Antibiotika die Wirkung der Pille ausgesetzt oder sie wurde schlicht vergessen. All das sei aber unerheblich, „YoungMum“ urteilt nicht; ein Team aus Psychologen, Rechts- und Sozialberater, Hebammen, Ernährungsberaterin und Medizinern betreut die jungen Mütter und ihre Kinder bis rund ein Jahr nach der Geburt.
„Ich wusste nicht einmal, was ein Mutter-Kind-Pass ist; ich war dankbar für die Beratung und der Geburtsvorbereitungskurs hat geholfen, mir die Angst vor der Geburt zu nehmen“, schildert Tamara Wagner. Sie lebt heute mit der Großfamilie im Bezirk Scheibbs. Die junge Frau und der Kindesvater haben im vergangenen August sogar geheiratet. Eine Besonderheit, weiß die Hebamme Nisfeta Pacic. Denn, wenn auch die jungen Väter in der Schwangerschaft ihren Partnerinnen noch zur Seite stehen, „ganz junge Beziehungen schaffen leider oft das Leben mit dem Baby nicht“.
Im selben Boot. Dass die Teenager-Mamis im Vorfeld eine andere Art von Unterstützung brauchen, als bei geplanten Schwangerschaften, liegt auf der Hand. Nach der Entbindung sitzen aber quasi alle im selben Boot: Ob es eine 16- oder eine 30-Jährige ist, es gelte zunächst, sich auf ein komplett neues Leben einzustellen – manchmal sogar mit dem Unterschied, dass eine junge Frau den Schlafmangel besser aushält, sagt Pacic schmunzelnd. Das Wichtigste aber: „Ich sehe das bei den Hausbesuchen: Junge Mütter bemühen sich genauso und selbst mit eingeschränkten finanziellen Mitteln, ihrem Kind das Beste zu bieten“, sagt Pacic. „Ich würde mir wünschen, dass die Gesellschaft das sieht und junge Eltern nicht schief anschaut, sondern sie unterstützt.“

Musical Mamis
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WAR SELBST EINE „YOUNG MUM“. Eva Maria Scholz mit Tochter Laura (© Alek Kawka, Gerhard Schauer, Tamara Wagner) „YoungMum“ erhält keine öffentliche Förderung und wird durch das Krankenhaus und Sponsoren finanziert. Zugunsten der Einrichtung findet zum 13. Mal am 26. Februar 2018 die Gala „Musical Mamis“ im Wiener Metropol statt. Mit dabei sind auch heuer namhafte Künstlerinnen wie Monika Ballwein, Caroline Vasicek-Pfeifer, Marika Lichter, Aida Loos und viele andere. Organisiert wird die Show aus Musical-Highlights, Pop und Kabarett von Suzanne Carey und Petra Kreuzer. Montag, 26. Februar 2018, 20 Uhr; Wiener Metropol, 1170 Wien, Hernalser Hauptstraße 55. Ticket-Hotline: 01/407 77 407, Eintritt: € 30.