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Lifestyle | 21.06.2018

Haute Couture in Stein

Er arbeitet mit den größten Designern und entwickelt weltweit beeindruckende Projekte: der italienische Architekt Simone Turrina. Was ihn im Besonderen mit der Mailänder Möbelmesse oder auch mit Zaha Hadid verbindet, erzählte er uns mitten in der Fiera di Milano.

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KUNSTSTÜCKE AUS NATURSTEIN. Citco Privé / Salone del Mobile 2018 (© Marco Bello)

“Marmor aus seiner natürlichen Schwere zu befreien”, war nicht nur das Anliegen der großen  Zaha Hadid. Auch andere Stararchitekten liefern grandiose Entwürfe, die von der italienischen Marmorfirma Citco mit beeindruckender Handwerkskunst umgesetzt werden. Es scheint, die Designwelt hat ein Material wiederentdeckt, welches die Sehnsucht nach Natürlichkeit, Einzigartigkeit und Beständigkeit befriedigt ...


NIEDERÖSTERREICHERIN: Dottore Turrina, was fasziniert Sie persönlich am Salone del Mobile?
Simone Turrina: Zuerst einmal fasziniert mich die Location der Fiera di Milano, denn ich habe viele Jahre lang an der Entwicklung des Projektes des Mailänder Messezentrums mitgearbeitet (lacht). Damals arbeitete ich noch mit Professor Lombardi in Venedig zusammen. Zu sehen, dass dieser Ort jetzt so bekannt und derart gut besucht ist, ist daher für mich besonders aufregend. Natürlich ist der Salone del Mobile ein Muss für jeden, der mit der Möbelbranche zu tun hat – für Architekten, Designer, Innenarchitekten, aber auch für Leu­te, die sich gern neue Ideen für die eigenen vier Wände holen möchten. Für mich persönlich ist es vergleichbar mit jenem Gefühl, das meine Tochter hat, wenn wir eine Runde durch Toys“R“us drehen (lacht). Und man darf nicht vergessen, dass mit den zahlreichen Fuorisa­lone-Events ganz Mailand in diese Veranstaltung involviert ist. All das ist besonders inspirierend und faszinierend! Für mich, als Architekt und kunst­interessiertem Menschen, sind die Bilder, die man sich davon mitnimmt, derart stimulierend und bereichernd, dass man zu Hause am liebsten gleich loslegen und wieder Neues kreieren möchte.

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„VOLTA“. Zaha Hadid Collection (© Marco Bello)
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SECRET GARDEN. Fuorisalone Brera 2012, Zaha Hadid, Camiran Rasool (CEO Citco), Simone Turrina (© Christian Coltri)
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„MERCURIC“. Zaha Hadid Collection (© Marco Bello)

Marmor oder Granit, jene Materialien, die Jahrhunderte von Kunst- und Architekturgeschichte in sich tragen, werden immer mehr zu Lieblingsmaterialien der Designer und lösen somit Kunststoff oder Alu ab ...
 Ja, das stimmt! Eine geraume Zeit lang hat die Architektur versucht, neue, alternative Wege zu finden, um sich von den traditionellen abzusetzen. Natürlich auch um „hip“ zu sein und das Budget zu reduzieren, aber in den letzten Jahren geht die Tendenz der großen Architekten, Designer und der Klienten in eine andere Richtung, man greift wieder zu den natürlichen Materialien. Dazu gehört auch der Stein, welcher in den verschiedensten Formen aufs Neue wertgeschätzt wird. Was diesen faszinierenden Rohstoff betrifft, hatte ich die Möglichkeit an großen Projekten mit namhaften Designern auf internationalem Level zusammenzuarbeiten. Eine spannende Geschichte!

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Simone Turrina hat in Venedig studiert und 20 Jahre lang dort gearbeitet. In letzter Zeit kümmert er sich um die Entwicklung von namhaften internationalen Projekten in Italien, England, Schottland, den USA, Afrika und Saudi Arabien. (© Christian Coltri)

Citco zeigte heuer im Museum der Kunst des 21. Jahrhunderts in Rom im Rahmen „Zaha Hadid und Italien“ die Vasen „Tau“ und die Tische „Mercury“ aus der Zaha Hadid Collection. Sie haben mit der im Jahr 2016 verstorbenen Architektin und Designerin zusammen gearbeitet ...
 Ja, dank der Marmorfirma Citco und deren Vision was Qualität und Innovation betrifft! Es war im Jahr 2012, als mich Camiran Rasool, der CEO von Citco, zu sich ins Office einlud und mir zwei Architekten aus Zaha Hadids Studio vorstellte. Er zeigte mir auch die Broschüre des Projektes Secret Garden für den Pavillon des „Fuorisalone“, welcher im botanischen Garten der Accademia di Brera realisiert werden sollte. Ich war aufgeregt und natürlich auch überrascht, denn bis zu diesem Moment hatte ich die Werke von Zaha Hadid nur in Zeitschriften bewundert. Kurz danach wurde mir gesagt, dass ich einen Monat Zeit hätte, um zusammen mit Zaha Hadids Studio das Projekt dafür zu entwickeln und umzusetzen. Es war eine richtige Herausforderung, aber gemeinsam haben wir es geschafft, den Pavillon und die Marmorwände, die Zaha Hadid gezeichnet hatte, zu realisieren. Das war der Anfang der Zusammenarbeit von Citco mit Zaha Hadid, woraus sehr viele tolle Designobjekte erschaffen wurden, darunter auch jene, die Sie vorhin zitiert haben. In der Folge konnte ich auch an der Entwicklung vieler weiterer Projekte von außergewöhnlich tollen Designern teilhaben, wie mit Daniel Libeskind, Sir Norman Foster, Jean Nuovel, Arik Levy und vielen mehr.
Über den Menschen Zaha Hadid möchte ich nur sagen, dass ich es nicht nur großartig und einzigartig finde, was sie an formaler Innovation in der Welt der Architektur und des Designs erschaffen hat, sondern auch, wie sie sich durch Mut und Leistung von unten nach oben gearbeitet hat – und das als Frau aus einer arabischen Welt. Ihr Werk ist daher in vielerlei Hinsicht eine wichtige Botschaft – nicht nur für die Architektur.