Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 24.09.2018

Warten mit Gewissheit

Ausbildung und Karriere brauchen Zeit. Viele Frauen verbringen sie in Ungewissheit, ob eine spätere Schwangerschaft klappt. Wie ein spezieller Labor-Test bei der Lebensplanung unterstützen kann.

Das Interview mitschreiben? Keine Chance. Wenn Alexander Just in Fahrt ist, kann das nur eine Tonaufnahme festhalten. Es geht um sein Herzensthema: um den sogenannten Ivary-Test. Dieser gibt Auskunft über die Eizellen-Reserve der Frau und ist im Idealfall eine Orientierungshilfe bei der Lebens- bzw. Familienplanung. Der Gynäkologe war Entwickler und ist bis heute einer der Geschäftsführer des Unternehmens. Der Kinderwunsch-Spezialist in Wien und St. Pölten ist selbst dreifacher Vater.


NIEDERÖSTERREICHERIN: Frauen werden heute später schwanger. Welche Rolle spielt das Alter?
Alexander Just: Wichtig ist für eine Frau mit Kinderwunsch: Wie ist die Qualität der Eizellen, wie viele hat sie noch (Quantität, Anm.)? Bei der Schwangerschaft steigen mit dem Alter die Komplikationen. Optimal ist es zwischen 19 und 29. Warum soll aber eine Frau keine Karriere machen? Ein Mann macht sie auch. Das Problem ist: Wenn eine 25-Jährige gute Eizellen-Qualität, aber eine geringe Quantität hat, steht sie mit 35 vor dem Aus. Auch für eine In-Vitro-Fertilisation (künstliche Befruchtung, Anm.) brauchen wir Eizellen.

Sie raten zum Screening der Eierstock-Reserve. Wann und warum?
Zwischen 25 und 33 Jahren. Viele fragen: Will ich das überhaupt wissen? Aber die Augen davor zu verschließen, gerade weil der Trend zu einer späteren Schwangerschaft geht, kann sich mit 35 rächen. Es sind nicht viele, die mit 25 eine geringe Eizellen-Reserve haben. Aber: Es deutet von außen nichts darauf hin. Der Test dient der Prävention.

Stichwort Menopause: Die unfruchtbare Phase setzt ja sogar vorher ein …
Manche glauben, weil wir älter werden, hat sich die Menopause nach hinten verschoben. Das ist ein Märchen! Ich hatte zwei 32-Jährige in der Ordination, die in der Menopause waren. Das ist extrem selten, genauso selten wie eine 51-Jährige, die schwanger wird. Die findet man aber auf Facebook, die mit der frühen Menopause werden damit nicht hausieren gehen. Die Menopause setzt zwischen 48 und 52 ein; schon fünf bis zehn Jahre davor, kann man von Glück sagen, wenn noch eine spontane Schwangerschaft klappt.

Bild 1809_N_Leben_ENML.jpg
(© Shutterstock)

Gemessen wird beim Test der Spiegel des Anti-Müller-Hormons. Welche Funktion hat es im Körper?
Das AMH spielt ganz früh in der Embryonalentwicklung eine Rolle, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird. Später hat es nur noch eine repräsentative Wirkung, wie viele Eizellen noch im Eierstock vorhanden sind.
Der AMH-Spiegel allein hat aber noch keine Aussagekraft …
Richtig! Bis zum 25. Lebensjahr kann dieser Wert nämlich noch steigen, danach nimmt die Anzahl der funktionstüchtigen Eizellen ab. Der gleiche AMH-Wert hat also bei einer 22-, 27- und 37-Jährigen eine völlig unterschiedliche Aussage. Für den Ivary-Test haben wir altersentsprechende AMH-Perzentilen entwickelt, und es werden auch weitere Faktoren miteinbezogen, so dass wir eine Zukunftsaussage machen können. Wir kooperieren mit dem ENML (Erstes Niederösterreichisches Medizinisches Laborinstitut, Anm.), das künftig auch unsere Grafiken übernimmt.

Können Frauen ihre Eizellen-Reserve positiv beeinflussen?
Das ist das Problem: Viele glauben, ich habe mich gut ernährt, nicht geraucht, bin nicht übergewichtig … Aber all das bedeutet nicht automatisch eine gute Eizellen-Reserve. Wir wissen: Eine Frau, deren biologisches mit dem chronologischen Alter übereinstimmt, hat gute Chancen auf eine Schwangerschaft. Das sind oft Frauen, die immer schon viel Sport – und ich meine nicht Leistungssport – betrieben haben. Und: Es gibt Faktoren, die die Eizellen-Reserve definitiv reduzieren, wie das Rauchen.

Was macht eine Frau, die ein für sie alarmierendes Ergebnis bekommt?
Wenn ihr nachweisbar ein biologischer Schaden aus dem Resultat erwächst, darf in Österreich „medical freezing“ durchgeführt werden. Es werden Eizellen eingefroren, die später aufgetaut werden können, damit die Frau – sofern eine spontane Schwangerschaft nicht klappt – für eine Befruchtung trotzdem keine Eizellen-Spende braucht.

Bild 1809_N_Leben_ENML_JUS-6142.jpg
VORSORGE. Für Kinderwunschspezialist Just ist der Test eine präventive Maßnahme. (© Fotostudio Wilke)

Entgeltliche Kooperation.