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Lifestyle | 18.10.2018

Mit 400 km/h durch den Parcours

"Ein bisschen wie Skifahren", sagt Air Racer Nicolas Ivanoff im Interview in Wr. Neustadt.

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Hamilton-Boss Sylvain Dolla (r.) mit NIEDERÖSTERREICHERIN-Geschäftsführer Josef Rumer und -Redakteurin V. Kery-Erdélyi (© Emmerich Mädl)

Extrem exakt

Im Flieger sitzt er praktisch wöchentlich, „aber das hier ist richtig beeindruckend“, sagt Sylvain Dolla, Präsident der Uhrenmarke Hamilton, und deutet in Richtung Pylonen. Die majestätisch 25 Meter in die Höhe ragenden „Luftsäulen“ wurden eigens für das Rennen entwickelt; das Material, aus dem sie bestehen, ist gleichsam strapazierfähig und federleicht. Die Pylonen bilden den Parcours, durch den die Piloten mit bis zu 400 km/h beim Red Bull Air Race rasen; im Herbst gastierte das international viel beachtete Rennen erstmals in Wiener Neustadt. „Die Geschwindigkeit ist nicht die einzige Herausforderung“, weiß Dolla. „Die Piloten müssen Beschleunigungskräfte von bis zu 12 g aushalten, also das zwölffache ihres Körpergewichts.“

Er selbst habe einmal Loopings in einem Militärjet erlebt. „Seither habe ich noch mehr Respekt vor diesen Piloten“, sagt der Hamilton-Boss. Seine Frau habe ihn ein paar Tage später lachend mit der Video-Aufzeichnung aus dem Cockpit konfrontiert, verrät er. „Ich habe mich nicht gefürchtet, mein Gesicht war völlig versteinert.“ 

Seit 2017 ist Hamilton wieder offizieller Zeitnehmer des Red Bull Air Race. Für Sylvain Dolla eine stimmige Partnerschaft: „Hamilton kooperiert mit Piloten seit mehr als 100 Jahren, seit dem ersten Flug von Washington nach New York. Das Fliegen ist ebenso wie bei Red Bull unsere Leidenschaft.“

 

Blitz in Orange
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Pilot Nicolas Ivanoff (© Emmerich Mädl)
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(© Hamilton)
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(© Emmerich Mädl)

NIEDERÖSTERREICHERIN: Wie war das Fliegen als Kind?
Nicolas Ivanoff: Ich erinnere mich an die Urlaubsflüge mit meinen Eltern: von Paris nach Korsika oder nach Griechenland, jeweils zu meinen Großeltern. Ich wollte immer am Fenster sitzen, den Himmel sehen. Ich hatte keine Ahnung von Entfernungen, aber es war immer fantastisch. Eine andere Welt!

Wie wurden Sie Pilot?
Ich bastelte Modelle und hängte sie im Zimmer auf; aber das waren Kampfflugzeuge, die wollte ich nicht fliegen. Ich dachte, alles andere wäre zu kompliziert, also war Autorennfahrer mein Ziel. Aber meine Eltern wollten das nicht (lacht). Schließlich habe ich den Kunstflug entdeckt und war begeistert. So kam ich 2003 zum Red Bull Air Race in Budapest.

Sie fliegen mit bis zu 400 km/h durch den Pylonen-Parcours. Was braucht ein Pilot wie Sie?
Die Maschine ist die Verlängerung unseres Körpers. Zum Denken hast du keine Zeit, du brauchst das Gespür dafür. Es ähnelt dem Skifahren: Wenn du die Piste runterwedelst, denkst du auch nicht über jede Kurve nach.

Sie haben kürzlich Fotos mit Svetlana Kapanina gepostet; sie ist mehrfache Kunstflug-Weltmeisterin. Wie denken Sie über Frauen im Cockpit?
Ich kenne Svetlana seit 1997; ich bin begeistert, wenn ich sie fliegen sehe. Es gibt keinen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau fliegt, es ist der gleiche Wettbewerb. Es ist nicht wie beim Boxen, es geht nicht um Kraft. Wir können auch das gleiche Auto fahren. Manche Frauen fliegen alles andere als zimperlich, manche Männer  dafür sehr sanft.

Unvergessliche Flüge … ?
Da gibt es viele! Erst kürzlich flog ich mit ein paar Passagieren über Italien, es war in 3.000 Metern Höhe, das Wetter war wunderschön, der Moment war einfach perfekt. Oder wenn ich über die Französischen Alpen fliege und ein bisschen mit den Bergen spielen kann – das liebe ich. 

Fürchten Sie sich vor irgendetwas?
Ich will mich nicht verletzen; ich hasse schon diesen kleinen Schnitt auf meinem Finger gerade.

Aber keine Angstmomente?
Sicher, ich mag keine Schlangen und Spinnen (lacht). Ich will mich nie in eine schlimme Situation mit der Maschine bringen; ich kenne mich und meine Grenzen.