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Lifestyle | 14.01.2019

Karottengrün sucht neues Reich

80 Quadratmeter Wohnung sind ihnen zu viel, 200 Quadratmeter Garten zu wenig. Keine tierischen Produkte am Teller, wenig Abfall. Das besondere Lebenskonzept von Sabine, Stefan und „Babykarotte“.

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FÜR EINE BESSERE ZUKUNFT. Sabine Fantner und Stefan Gludowatz leben vegan, minimieren ihr Hab und Gut und wollen einen autarken Hof aufbauen. (© Stefan Kratochvill)

Tomaten, Zucchini, Radieschen, Erdäpfel, Brokkoli, Kohl, Kürbis, Salat, Bohnen, Gurken, Karotten, verschiedene Beeren, eine Kräuterspirale sowie ein Kirschen-, ein Zwetschken- und ein Apfelbaum. Womöglich haben wir bei dieser erstaunlichen Liste auch noch den einen oder anderen Vitaminspender vergessen.

Wo das alles gedeiht? Auf sagenhaften 200 Quadratmetern, im Garten vor der rund 80 Quadratmeter-Wohnung von Sabine Fantner und Stefan Gludowatz. Pardon, „Babykarotte“, wie der sechsmonatige Sohnemann liebevoll genannt wird, gehört auch zum veganen Haushalt in Breitenau am Steinfelde. Damit sind wir auch schon mittendrinnen in einem ehrgeizigen Lebensprojekt, das sich die junge Familie vorgenommen hat. Denn das Paar hat nicht etwa nur Fleisch und Milchprodukte aus seinem Speiseplan gestrichen. „Vegansein bedeutet mehr als eine besondere Ernährung, das ist eine Lebenseinstellung“, stellt Sabine Fantner klar.

Die 27-Jährige ernährt sich seit mehr als vier Jahren vegan, ihr 28-jähriger Lebenspartner zog kurze Zeit später nach. Und zwar direkt im Anschluss an eine Low-Carb-Diät, was beinahe die entgegengesetzte Richtung bedeutet. Sabine Fantner hatte eine HTL mit Schwerpunkt Kunst und Design absolviert, danach Gamedesign studiert. Auf der Suche nach einem Job kommt sie zu Greenpeace; der Verein, all die Menschen, die für den Schutz der Umwelt brannten, veränderten ihr, aber auch das Leben ihres Partners. „Wir diskutierten, lasen viel, sahen uns Dokus an“, schildert Stefan Gludowatz, seines Zeichens Webdesigner. Eine Inspirationsquelle bot unter anderem Clemens G. Arvays Buch „Der große Bioschmäh“.

Bald folgte die Erkenntnis, dass kein Tier für ihre Mahlzeiten leiden oder sterben sollten, „dass ich als Mensch alle Möglichkeiten habe, mich zu ernähren“, erklärt Sabine Fantner. „Der tolle Nebeneffekt: Wir sind supergesund.“

 

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Sabine Fantner: "Vegansein ist für uns mehr als eine Ernährungsart. Es ist eine Lebenseinstellung." (© Viktória Kery-Erdélyi)

Doch die beiden – sie betreiben gemeinsam eine Werbeagentur, Sabine Fantner kreiert außerdem zauberhaftes und witziges Kunsthandwerk – verfolgen eine größere Vision. „Seit einiger Zeit minimieren wir intensiv unser Hab und Gut“, beschreibt Stefan Gludowatz. Alles, was nicht regelmäßig in Verwendung ist, wird radikal aussortiert. Jede Menge Geschirr, Schuhe und Kleidung spendeten sie Flüchtlingseinrichtungen. „Unsere Nachbarn dachten schon, wir ziehen um“, lacht Sabine Fantner. Die Hunderte DVDs umfassende Sammlung wurde auf gut 30 Stück reduziert, der Fernseher ebenfalls verschenkt. „Der Laptop reicht völlig“, finden die beiden.

Zudem lautet die Devise „Zero Waste“: Nudeln, Linsen, Reis, Mehl und Co. kaufen sie mit eigenen Gläsern ein, an „Babykarottes“ Popsch kommen nur Stoffwindeln. Sogar das spannende Konzept „windelfrei“ – dabei lernen die Eltern praktisch von Geburt des Babys an, die Zeichen zu deuten, wann es mal muss – forciert das Paar immer wieder.

Suche nach Haus mit Grund. Das Größte am Vorhaben „Projekt Karottengrün“ ist aber im Entstehen:  Sabine und Stefan wollen gerne weitgehend autark werden. „Wir suchen ein kleines Haus in einer Region mit gemäßigtem Klima, in Niederösterreich, Burgenland oder der Oststeiermark, mit einem großen Grund, wo wir unser Gemüse und Obst anbauen können“, schildert Stefan Gludowatz. „Das ist unser Herzensprojekt“, sagt Sabine Fantner. „Im ersten Schritt wollen wir Selbstversorger werden, im zweiten möchte ich dann ebendort einen Ort schaffen, wo die Menschen sich eine Auszeit nehmen und kreativ sein oder in der Erde wühlen können.“

„Natürlich wollen wir unseren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich halten“, führt ihr Partner weiter aus. „Und wir wollen auch bewusst viel Zeit in der Natur, viel Zeit mit unserem Kind verbringen.“ 

Details zum Projekt bzw. zur Haus- und Hofsuche:
www.karottengruen.at

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