Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 24.04.2019

Schön abgedreht

Einen Museumsneubau gibt es nicht alle Tage. Darum feiern die Brüder Marte die Landesgalerie Niederösterreich mit einem imposanten Werk im Herzen der Kunstmeile Krems.

Bild 1904_N_Landesgalerie_AR_Mart.jpg
(© Faruk Pinjo)

Dreitausend Quadratmeter Ausstellungsfläche auf fünf Ebenen. Eine Spitze des spektakulären Objekts ragt majestätisch in den Himmel über der Wachau; das Vorarlberger Architekten-Brüderpaar Bernhard und Stefan Marte alias „marte.marte“ frönt mit der brandneuen Landesgalerie Niederösterreich in Krems der Asymmetrie. Die renommierte Architekturexpertin Kristin Feireiss aus Berlin sagt dazu: „Die Bauten von ,marte.marte‘ sind minimalistisch, aber dennoch voller sinnlicher und haptischer Erfahrbarkeit; sie sind radikal in ihrer Architektursprache und fügen sich dennoch harmonisch in den urbanen wie ländlichen Kontext ein.“
„Wir glauben, dass dieser solitäre Baukörper mit der Drehung sehr stark auf den Ort reagiert und eine Geste zur Donau hin übernimmt“, beschreibt Architekt Bernhard Marte selbst. In unmittelbarer Nähe zu den malerischen Altstädten von Krems und Stein bauen zu dürfen, empfand das Brüderpaar „als großes Geschenk“. Ein unterirdischer Kniff sozusagen: Im Untergeschoss wurde die Landesgalerie mit der Kunsthalle Krems verbunden.
 
Die Eröffnung. Im vergangenen März gewährte man dem Publikum erste Einblicke in die Landesgalerie Niederösterreich, ein „Grand Opening“ geht am 25. und 26. Mai über die Bühne. Der derzeit einzige zentraleuropäische Museumsneubau bietet nunmehr großzügige, lichtdurchflutete Räume für Themen- und Personalausstellungen – mit Werken aus den Landessammlungen Niederösterreich sowie Leihgaben aus ganz Europa und den USA. Der künstlerische Leiter Christian Bauer beim Pre-Opening (siehe auch Bericht auf den nächsten Seiten): „Für unser Team ist es ein erster emotionaler Höhepunkt, nach Jahren der Planung und mehreren hundert Veranstaltungen das Haus endlich den Menschen übergeben zu können.“ Den imposanten Bau beschreibt Bauer als „eine Bildikone des Landes“ und als „ein Zeichen der Gegenwart in Krems, das auf eine bedeutende Kunstgeschichte zurückblickt.“

Bild 1904_N_Landesgalerie_Agenda .jpg
MUTIGES STATEMENT. Der moderne Bau ist umgeben von den historischen Altstädten von Stein und Krems. (© pressefoto LACKINGER)
Bild 1904_N_Landesgalerie_AR_Mart.jpg (1)
THINK ZINK. 7.200 Zinkschindeln wurden an der Fassade angebracht. Das Material gilt als besonders widerstandsfähig und dauerhaft. (© Faruk Pinjo)
Bild 1904_N_Landesgalerie_DSC_062.jpg
AUSBLICK. Auf die Donau, bis zum Stift Göttweig (© pressefoto LACKINGER)

Die Errichtung. Der Spatenstich erfolgte im Sommer 2016, gewissermaßen ein Innehalten erforderte im Winter 2017 das Freilegen archäologischer Bodenfunde: eine Tonvase, Holzpaddel sowie Dutzende Holzpfeiler einer Uferbefestigung, die auf eine Hafenanlage deuten. Die wertvollen Funde werden wissenschaftlich untersucht; die Tonvase ist bereits im Haus der Geschichte des Museums Niederösterreich zu sehen.
Die letzte von 7.200 Zinkschindeln wurde im Herbst 2018 an der Fassade der Landesgalerie angebracht. Hinter der Wahl des Materials steht ein nachhaltiger Gedanke: Zink gilt als widerstandsfähig; mit der Zeit soll sich eine Patina ansetzen, die wie eine Schutzschicht fungieren und Wartungsfreiheit garantieren soll.
Die Landesgalerie gibt erstmals nach mehr als 100-jähriger Sammlungsgeschichte den Landessammlungen ein Zuhause: ein Museum, das allein der Kunst gewidmet ist. Der Fokus liegt – neben wichtigen Werken des Mittelalters und des Barocks – auf Kunst vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart: von Grafik, Malerei, Fotografie über Skulpturen und Installationen bis hin zur Medienkunst. Nicht minder wichtig für einen entspannten Besuch: Die Landesgalerie beherbergt die Gastwirtschaft Poldi Fitzka. Info: www.lgnoe.at