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Lifestyle | 18.06.2019

„Roafen treiben & Kuchl ausreiben“

Der große Erfolg ihres ersten Filmes „Wein und Getreide einst und heute“ ermutigte Anna Thaller aus Langenlois, sich in einem zweiten Projekt der Kindheit auf dem Land in den 1950ern und 1960ern zu widmen. Zwei wertvolle Zeitdokumente.

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(© zVg) Frauen und Kinderarbeit. „Weinreben ausbrocken und binden.“

Bereits der erste Film Anna Thallers sollte keine Huldigung an die „gute alte Zeit“ mit Nostalgiecharakter sein. Vielmehr wollte sie die schier unglaubliche Tatsache aufzeigen, wie rasch sich die Art der Arbeiten in diesem relativ kurzen Zeitraum gewandelt hat. Eine objektive und lebendige Darstellung der landwirtschaftlichen Tätigkeiten, eine Gegenüberstellung der Arbeiten für Getreide und Wein einst und heute, sollte es werden.  

Körndlbauern & Zegerltrager
„Es ist mir gelungen, Menschen zur Mitarbeit zu begeistern, die diese Arbeiten in ihrer Jugend noch selbst ausgeführt haben und dafür sogar die passende Kleidung nachgeschneidert haben“, erzählt sie, warum dieses Filmprojekt so authentisch wurde. Gefilmt wurde – nach dem Drehbuch von Prof. Dr. Helga-Maria Wolf (ORF/Volkskunde) – an den Originalschauplätzen, dazwischen sind alte Fotos eingearbeitet. Die Film- und Schnittarbeiten hat Frau Mag. Andrea Müller ausgeführt. „In unserer schnelllebigen und globalisierten Zeit lässt sich ein Trend Richtung Regionalisierung erkennen. Die Menschen besinnen sich proportional zur Internationalisierung wieder auf die traditionellen Werte der Heimat“, nennt sie den Grund, ihr Wissen von damals weitergeben zu wollen. „Der Jugend sind manche Arbeiten, Maschinen und Geräte, wie sie noch in den Elternhäusern im Schuppen stehen, gänzlich unbekannt. Sie haben keine Ahnung, wie sehr sich die Eltern und Großeltern plagten, welche Fähigkeiten und Kraft sie besitzen mussten, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können.“ Als besondere Anerkennung empfand Anna Thaller, dass ihre Filme von der Kulturabteilung des Landes NÖ und von der Volkskultur NÖ gefördert wurden. „Der Film kann einen Beitrag leisten, sich der eigenen Wurzeln verstärkt bewusst zu werden.“

Kinderleben auf dem Land
„Sahen Kinder dieser Generation ein Telefon nur als Drehscheibentelefon beim Greißler oder am Postamt, so kennen heute viele ein Telefon dieser Art nicht mehr. Hatte im Ort früher nur der Wirt ein Schwarzweiß-Fernsehgerät und Programme nur am Mittwoch und Sonntag, so besitzt heute fast jede Familie mehrere Farbfernsehgeräte“, erinnert sich Anna Thaller an die Kindheit der 1950er- und 1960er-Jahre. „Auch Kleidung war wertvoll, alte Mäntel wurden gewendet und neu genäht, aus der Wolle aufgetrennter Pullover wurden neue gestrickt. Die Klassenzimmer und Schulutensilien sind mit den heutigen nicht mehr zu vergleichen, und Urlaubsreisen gab es kaum.“

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Weinlese in den 1950er-Jahren
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Margeriten-Kranzerl. Beliebter Blumenschmuck für die Mädchen
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SPIELEN IM FREIEN. Kinder beim Auszählen
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Abendliches Beisammensein im Schein der Petroleumlampe
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Die Kinder stauten den Bach zu einer „Schwö“, um darin schwimmen zu lernen.

Arbeitszeit und Freizeit
Ein Kinderleben auf dem Land hieß auch: Kinderarbeit. „Der Arbeitsplatz und Spielplatz waren dabei nicht streng getrennt. Immer gab es genug Spielkameraden, Geschwister oder Nachbarskinder, mit denen man etwas unternehmen oder von denen man sich etwas abschauen konnte. Bei der Arbeit in Haus und Hof mitzuhelfen, war selbstverständlich. So lernte man früh, Verantwortung zu übernehmen und Gefahren einzuschätzen“, weiß Anna Thaller über die Licht- und Schattenseiten zu berichten, „jedenfalls: Kindheit auf dem Land wird es so nicht mehr geben.“            

Alle, die sich noch an ihre Kindheit auf dem Land erinnern oder sich davon erzählen lassen möchten, können die beiden ca. 30 Minuten langen DVDs bei Frau Thaller erwerben.

 

Anna Thaller

Loisium-Allee 7/2, 3550 Langenlois
Tel.: 0664/424 78 13
E-Mail: [email protected]