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Lifestyle | 13.08.2019

Wo die „Müllerin“ gerne bäckt

Traditionsmühle mit frischem Wind: Powerfrauen-Duo Nicole Langer und Seminarbäuerin Ingrid Müller laden zu Backkursen im fein sortierten Mühlenladen in Atzenbrugg.

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Kreatives und herzliches Duo. Seminarbäuerin Ingrid Müller (l.) und Mühlen-Chefin Nicole Langer (© Richard Marschik Photography / Julia Scharl / Katrin Wieland)

Sechs Hendln hat sie. Und einen bunten Gemüsegarten. „Eine ganz kleine Landwirtschaft“, sagt die herzliche Bäuerin Ingrid Müller aus Asperhofen. Die Liebe dazu, ebenso wie für ihre Mission als Seminarbäuerin ist umso größer. Und ansteckend! Das ist einer der Gründe, warum die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihrer Backkurse zu leidenschaftlichen Wiederholungstätern avancieren. Hinzu kommt die Qualität der Produkte, die sie verarbeitet – und die besondere Location: die Langer Mühle in Atzenbrugg. Dass sie dann mit dem Familiennamen auch noch „Müller“ heißt, setzt ihrer Passion elegant die Krone auf, witzelt sie selbst.

Maschinen in Rot. In vierter Generation betreibt die Familie Langer die Traditionsmühle, deren Geschichte gar bis ins 13. Jahrhundert reicht. Betritt man sie, fesselt prompt der Anblick der „blitzroten“ Maschinen. „Einige sind schon an die 70 Jahre alt und wurden sogar in Niederösterreich erzeugt. Ich informiere mich immer wieder über moderne Modelle, die wir teilweise auch haben, aber die beste Qualität erzielt man mit diesen“, streicht der Müller Erich Langer über die glänzenden Walzenstühle. Das Saatgut verkauft er selbst an jene Landwirte in Niederösterreich, die ihm schließlich das Getreide liefern. Dabei bleibt er stets einer alten Sorte treu, „die zwar weniger Ertrag, dafür eine bessere Qualität bringt“, erklärt er. Das wirkt sich auf die Teigverarbeitung aus, weiß Seminarbäuerin Müller – und ebenso auf das fertige Produkt. Vermahlen wird übrigens ausschließlich Getreide aus Niederösterreich; mit dem Großteil des Mehls werden Bäckereien in der Region beliefert.
17 Jahre alt war Erich Langer erst, als sein Vater viel zu jung starb. Der damalige HTL-Schüler und seine Mutter Henny – sie ist bis heute involviert – übernahmen die Mühle; Erich Langer absolvierte später die Meisterschule in Wels. Die Herzensaufgabe des Vaters wurde ebenso seine, so dass er auch seine Frau Nicole ansteckte, die der Liebe wegen sogar ihre Heimat Deutschland hinter sich ließ. Sie hatte Betriebswirtschaft studiert, heute ist sie – gemeinsam mit Seminarbäuerin Ingrid Müller – die treibende Kraft für Innovationen.

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Familiensache. Nicole und Erich Langer mit Mama Henny und den Töchtern Lena und Lisa
(© Richard Marschik Photography / Julia Scharl / Katrin Wieland)

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(© Richard Marschik Photography / Julia Scharl / Katrin Wieland)

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Zauberhafter Shop. Hier bekommt man alles rund ums Backen und viele weitere regionale Produkte.
(© Richard Marschik Photography / Julia Scharl / Katrin Wieland)

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Wertvoll. Jedes Packerl wird von Hand abgepackt.

(© Richard Marschik Photography / Julia Scharl / Katrin Wieland)

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Alles inklusive. Mehl, Sauerteig und Gewürze sind in einer Box.

(© Richard Marschik Photography / Julia Scharl / Katrin Wieland)

Im Mühlenladen. Nicole Langer war es auch, die vor gut drei Jahren den zauberhaften Mühlenladen „la müh la“ inklusive Backofen und Arbeitsbereich einrichten ließ. Neben einer Vielfalt an Mehlen und Getreidesorten – die Langer Mühle vermahlt sowohl Roggen als auch Weizen – gibt es dort sogar eine eigene Backgewürz-Linie. Der Renner sind die Backboxen für Brot, Pizza und Süßes. „Das Tolle ist: Man findet hier alles rund ums Brotbacken – vom Simperl bzw. von den Gärformen über Zutaten bis hin zum Brotschieber“, schwärmt Ingrid Müller, die mit ihren Kursen dort quasi „eingezogen“ ist.
Sie bietet unter anderem Backkurse für Brot, Gebäck und Pizza – für Kinder und Erwachsene, dabei auch exklusiv für Gruppen (beispielsweise für Betriebsausflüge). „Sie ist unser kreativer Kopf“, schwärmt Nicole Langer, deren Visionen nicht weniger endlos scheinen. So können sich Backliebhaber im Mühlenladen selbst über Teigknetmaschinen von Häussler oder gar Brotbacköfen für den Garten informieren und auch bestellen. Und: Mittlerweile trumpft der Mühlenladen „la müh la“ auch mit einem Onlineshop auf.

Das Ziel. Nicole Langer denkt bei ihren Projekten nicht nur an die Zukunft der Langer Mühle; ihre Motivation greift tiefer. „In den 1990er-Jahren gab es in Österreich noch 286 Mühlen, heute sind wir nur noch 97. Dabei liefern Mühlen die Basis für unsere Grundnahrungsmittel – und Mehl ist nicht gleich Mehl. Es ist uns wichtig, das Bewusstsein dafür zu schärfen“, betont sie. „Wie viel Arbeit dahinter steckt, das erstaunt die Besucher unserer Mühlenspaziergänge (Exkursionen, Anm.) immer wieder.“ Die sympathische Powerfrau initiierte auch regelmäßige Messebesuche. „Die Idee wurde zunächst belächelt“, schmunzelt sie. „Aber schon beim ersten Messeauftritt haben wir teilweise gleichzeitig zu dritt beraten, weil sich die Menschen sehr wohl dafür interessieren, woher ihr Getreide kommt.“
Das ist auch die Antwort auf die Beliebtheit von Ingrid Müllers Backkursen, die außerdem auf vielen Ebenen entschleunigend wirken. „Vom ,schnellen Backen‘ bekommt man Bauchweh, wir geben dem Teig die Zeit, die es braucht.“ Selbst viele Verdauungsprobleme ließen sich lösen, wenn man auch beim Essen das Tempo herausnimmt, ist der Müller Erich Langer überzeugt. „Das Brot sollte man lange im Mund behalten und genießen – wie einen guten Wein.“

Langer Mühle
Atzenbrugg

Schubertstraße 15
3452 Atzenbrugg
Tel.: 02275/52 73

Infos und Öffnungszeiten des Mühlenladens „la müh la“:
www.lamuehla.at
www.langermuehle.at