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Lifestyle | 06.09.2019

Ärztin aus Leidenschaft

Engagement für die Kleinsten: Dr. Daniela Zaknun hat sich mit Herz und Seele ihrem Beruf als Kinderärztin verschrieben. Die dynamische Dreifachmama steht den Eltern als Expertin in Sachen Kindergesundheit zur Seite. Wie der Schulstart für den Nachwuchs ohne Strapazen gelingt, verrät sie im Talk.

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(© Stefan Joham)

Alle Jahre wieder im Herbst: Die Umstellung von Ferien auf Schulalltag ist für Groß und Klein oft mit Stress und Kopfzerbrechen verbunden – von der richtigen Jause über Impfungen bis hin zum steigenden Leistungsdruck. Viele brennende Fragen, die uns die renommierte Kinderärztin Dr. Daniela Zaknun (Leiterin des Kinderkompetenzzentrums Med 22, sowie einer Ordination in Perchtoldsdorf) beantwortet.  

  Viele Eltern stellen sich gerade zum Schulstart die Frage: Was gebe ich meinem Kind als Jause zum Essen mit?
Traurig aber wahr, die Frage der „gesunden Jause“ stellen sich heute leider immer weniger Eltern. Dies erklärt sich einerseits am mangelnden Interesse der Kinder, andererseits am Stress und Zeitdruck der Eltern. Da kann ich gerne mich selbst als Beispiel anführen. Ich habe drei Kinder. Der Morgenstress mit Aufstehen, ordentlich anziehen, zur Schule bringen und die wichtigsten „To do‘s“ für den Tag durchchecken, lässt wenig Zeit für „Jausenfragen“. Trotzdem ist die Frage für die Ernährung und die emotionale Zuwendung der Eltern wesentlich.  Man sollte auf jeden Fall die altersmäßige Entwicklung von der Volksschule bis ins junge Erwachsenenalter miteinbeziehen. Kleine Kinder brauchen eine andere Ernährung als junge Erwachsene. Grundlage der Ernährung sollte eine abwechslungsreiche Mischkost sein: Obst, Gemüse, Getreide, Reis, pflanzliches Öl, Fisch und in Maßen Fleisch. Eine gesunde Jause macht satt bis zum Mittagessen ohne den Stoffwechsel dabei zu überfordern. Ich habe bei der Selektion der Schule viel Wert auf den Mittagstisch gelegt, den die Kinder täglich konsumieren. Als berufs­tätige Frau kann ich nur am Wochenende selbst kochen. Da hole ich die Speisen vom Bauernmarkt nebenan, statt Lebensmittel vom Billigmarkt, mit zigtausend Meilen Anfahrtsweg und hohen Dosen an biochemischen Haltbarmachern. 

Wie viel Bewegung sollen Kinder im Volksschulalter außerhalb der Schule machen?
 Auch die Volksschule unterliegt einer Art Umstrukturierung. Während die Kinder in früheren Jahren zumeist nach der Schule zum Mittagessen nach Hause gingen, ist heute die Ganztagsschule im Vordergrund. Der natürliche Bewegungsdrang der Kinder ist sehr groß und wird nur durch äußere Einflüsse, wie Computerspiele oder Handys eingeschränkt. Sportarten sollten altersgemäß ausgesucht werden. Kinder sollten mit sechs Jahren Radfahren können und nach dem Schwimmkurs ohne Hilfe schwimmen können. Mit der Bewegung lernen die Kinder ihren Körper kennen und das richtige Körpergefühl einschätzen. Im schulfreien Raum sind alle Sportarten, je nach Begabung und Interesse, zu empfehlen. Nur Spaß müssen sie machen, sonst halten die Kinder nicht durch. Mein Sohn ist ein Läufer, meine große Tochter macht Capuera und Jasmin liebt Kickboxen.

Kinder leiden oft schon in der Volksschule unter Leistungsdruck und Stress. Wie lässt er sich vermeiden?
Oft habe ich in meiner Ordination Eltern vor mir, die mit dem Schulstress ihrer Kinder schlecht zurechtkommen. Schulstress ist eine sehr individuelle Empfindung. Prinzipiell ist zu sagen, dass Kinder ab dem sechsten Lebensjahr sehr neugierig, wissbegierig und ehrgeizig sind. Sie schaufeln sozusagen alles Neue in sich hinein. Wie nun die Gesellschaft, Pädagogik oder schlichtweg die Eltern damit umgehen, ist unterschiedlich. Kinder gehören gefördert und gefordert. Die Kuschelpädagogik der vergangenen Jahre ist ebenso nicht in ihrem Interesse wie der Drill der früheren Jahre. Kinder müssen schon in der Volksschule lernen mit Leistung umzugehen, dann entsteht schon gar nicht der gefürchtete Schulstress. Und Eltern? Sie dürfen nicht den Leistungsdruck der Kinder als ihren eigenen ansehen, dann können sie die Kinder auch viel leichter durch die Schule leiten.

In der Schule ist die Ansteckungsgefahr für Infektionskrankheiten wie Erkältungen groß. Gibt es wirkungsvolle Vorbeugungsmaßnahmen?
 Das Immunsystem des Menschen entwickelt sich in den ersten Lebensjahren und ist erst mit sechs Jahren voll ausgereift. Bis dahin muss es mit äußeren Einflüssen wie Rhinoviren oder gastrointestinalen Infektionen in Kontakt kommen, um zu proliferieren. Diese sogenannten „Kindergarteninfektionen“ sind ausgesprochen häufig und schaden den Kindern nicht. Natürlich ist es für die berufstätigen Mütter oft mühsam, aber das gehört zur Kindheit eben dazu. Anders verhält es sich bei den schweren Erkrankungen.

Wird es eine Impflicht geben oder sollte die Meinungsfreiheit der Eltern nicht eingeschränkt werden?
Ich habe noch eine kleine Narbe am linken Oberarm von der Pocken­impfung, die mich für immer vor dieser schweren Infektionskrankheit schützt. Als die Pocken noch in Europa gewütet haben, sind ein sehr großer Teil der Kinder in den ersten Lebensjahren verstorben, oder waren zumindest schwer verunstaltet. Heute ist diese Krankheit aus dem Gedächtnis der meisten Eltern verschwunden. Aber es gibt noch andere tödliche Erkrankungen im Kindesalter. Leider steigt der Anteil an Impfgegnern mit dem Sinken des Risikos einer schweren Infektionskrankheit in der westlichen Welt jedes Jahr an. Und mit dem Anstieg der Nichtgeimpften, steigt die Virulenz der Erreger. Neulich hatte ich ein Baby im Kinderkompetenzzentrum, das an Masern erkrankt war. Angesteckt hatte sich der Säugling bei einem Nachbarskind, dessen Mutter erklärte Impfgegnerin war. Im Rahmen meiner Aufklärung frage ich mich immer, warum sich Eltern in Sachen Impfkunde als Experten sehen, in Sachen Autoreparatur aber stets zu einem Fachmann fahren. Dr. Google ist da nicht sehr aufschlussreich, ich als Ärztin schon. Ich vertrete die Meinung der UNESCO, die Impfungen als fundamentales Kinderrecht definiert und unterstütze die Österreichische Ärztekammer für eine Impfpflicht. 

Haben Sie noch weitere Tipps zum Schulstart an die Eltern?
 Freuen Sie sich auf die Herausforderung, aber organisieren Sie Ihr Leben so gut wie möglich, um in keine unnötigen Stresssituationen hineinzustrudeln. Denken Sie an den Schulweg, planen Sie nicht zu viele außerschulische Aktivitäten und lassen Sie auch den Leistungsgedanken zu. Ihr Kind will performen, loben sie es dabei.

Bild (c)www.stefanjoham.com-2612.jpg
(© Stefan Joham)

Dr. Daniela Zaknun

Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde, Ärztin fürAllgemeinmedizin
Stärke: Zielstrebigkeit, Ehrlichkeit
Hobbys: Sport, Musik, mein Beruf
Schwäche für: schöne Dinge aller Art, Kunst und Kultur
Health-Tipp: gesundes Essen, viel Sport und in keine Kriege ziehen, die man nicht gewinnen kann

www.kinderarzt-med22.at