Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 17.10.2019

Alle können etwas tun

Wer sich aktiv für den Umweltschutz engagiert, tut auch seiner psychischen Gesundheit Gutes.

Bild 1910_N_Sedalcek.jpg
(© Shutterstock) Verwundeter Planet. Feuer im Amazonas

Genießen Sie Ihr Mineralwasser bereits aus der Glasflasche? Radeln Sie schon zum Supermarkt? Haben Sie stets ein Stofftascherl zum Einkaufen mit? Während Umweltaktivistin Greta Thunberg die Segel hisst, um möglichst emissionsneutral nach New York zu kommen und rund um den Globus junge Menschen ihre Stimme für die Rettung unseres Planeten erheben, gibt es noch immer die, die den Klimawandel für Humbug halten. Selbst beim Anblick lodernder Flammen im Amazonas …

Was aber macht all das mit unserer Psyche? Wohin mit all den widersprüchlichen Informationen und wie befreien wir uns vom Ohnmachtsgefühl. Darüber reflektiert die Kremser Psychologin Romi Sedlacek – und bietet auch praktische Tipps. Ihr Credo: Wollen wir die Erde retten, müssen wir unseren Lebensstil ändern.

  • Der wirtschaftliche Aufschwung und die rasante Entwicklung der Technik setzten den Menschen auf ein hohes Ross. Nun sorgen zerstörerische Wetterphänomene dafür, „dass der moderne Mensch sich nach einer langen Phase von nahezu allumfassender Machbarkeit plötzlich klein und ausgeliefert fühlt“, erklärt Romi Sedlacek. Es gilt: die Illusion von unbegrenzter Verfügungsgewalt aufzugeben, die Verbindung zur Natur zu suchen und ihre Macht anzuerkennen.
  • Der Klimawandel stresst. Eine fundamentale Bedrohung, als die wir sie erleben, „dockt an unser ältestestes Gehirnsystem an – an jene Region, wo es instinkthaft ums Überleben geht“, weiß die Psychologin. Wir erleben Machtlosigkeit und Ausgeliefertsein; dem Leugnen der Situation kann ein simples Verdrängen zugrunde liegen. Sedlacek: „Das ist fatal, denn so verharrt man in Untätigkeit und verliert wertvolle Zeit.“
Bild 1910_N_GH_romi_sedlacek_300d.jpg
(© Daniela Klemencic) Psychologin Romi Sedlacek
  • In der Bewältigung von Naturkatastrophen kristallisieren sich zwei Muster heraus: Menschen, die sich als Opfer sehen und solche, die aktiv werden. Letzteres wirkt sich laut Sedlacek sehr positiv auf die Psyche aus. „Wenn wir handeln, erleben wir die sogenannte ,Selbstwirksamkeit‘, eine wichtige Ressource für unsere psychische Gesundheit.“
  • Schuldgefühle sind kontraproduktiv; sie führen zu keiner Aktion. Sinnvoller: aktiv werden, beispielsweise eine Auto- gegen eine Zugfahrt tauschen und dann aber auch bewusst die Vorteile in den Vordergrund rücken.
  • Positive Verhaltensänderung verdient Belohnung: Das können ein Pfandsystem, Steuervorteile, aber ebenso Lob und die Rückmeldung über positive Resultate sein.
  • Entwicklungspsychologische Studien belegen: Bereits Kleinkinder zeigen Hilfsbereitschaft, ohne eine Belohnung dafür zu erwarten. „Gesellschaftliche Spaltungen, befeuert durch populistische Politiker, zeigen verheerende Effekte; sie wirken auf tiefer Ebene und beängstigend“, gibt Romi Sedlacek zu bedenken.
  • Stets ein Turbo für die Psyche: das Wertschätzen der Natur und die aktive Beteiligung an ihrem Erhalt. Jede noch so kleine Initiative ist wichtig: hier ein Fußweg statt einer Autofahrt, dort ein ungemähter Rasen als Paradies für summendes Getier oder eine Wassertränke in den Hitzemonaten für Vögel.
    Zu guter Letzt: Schließen Sie sich Gleichgesinnten an; im Team ist (fast) alles leichter zu bewältigen.
    Info: www.lebensthemen.at