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Lifestyle | 22.10.2019

Wie Z‘haus ... bei der Greisslerin

In ihrem Lebensmittelgeschäft d‘Greisslerei bietet Barbara Bürgmayr-Posseth köstliche Produkte von 70 regionalen Landwirten an. Mit viel Herzblut, Liebe zur Heimat und einer g‘sunden Portion Schmäh als gratis Draufgabe.

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(© Nimo Zimmerhackl) GRÜNES DUO. Babsi und Michi

Dieses brandneue Ergebnis hat sogar Peter Filzmaier, Professor an der Donau-Uni Krems, überrascht: Ein lokaler Kaufmann sollte nach dem Wunsch der Kunden auch ein sozialer Treffpunkt sein. Barbara Bürgmayr-Posseth und Michael Hörmann haben mit ihrer d‘Greisslerei dieses Konzept so ganz aus dem Bauch heraus bereits vor drei Jahren verwirklicht: in St. Leonhard am Forst im Bezirk Melk, dem Ort, aus dem auch Barbaras Mutter Hermine stammt. Ein „Zurück zu den Wurzeln“ also – in vielerlei Hinsicht.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Barbara, wie ist eure Idee entstanden?
Barbara: Ich wollte mich nach 18 Jahren Tourismus selbstständig machen und Michael wollte die elterliche, zu dieser Zeit verpachtete Landwirtschaft, wieder revitalisieren. Wir sind seit zwölf Jahren befreundet, haben beide gerne bei den Landwirten eingekauft, aber bemerkt, wie schwer es ist, wenn man berufstätig ist und die Landwirte alle einzeln abfahren muss.

Also war Michael der ideale Geschäftspartner ...
Ja! Fünf Jahre lange haben wir davon gesprochen, wie sehr sich unsere Fähigkeiten ergänzen. Michael ist der kreative und handwerklich sehr geschickte Kopf, der sich zudem mit der Administration beschäftigt. Ich bin quasi die „Gastgeberin“ die sich gerne Zeit für die Menschen nimmt, und kümmere mich gemeinsam mit unserem außergewöhnlich tollen Team Lisbeth, Franzi und Klara um den Verkauf. Aus früheren Führungspositionen liebe ich es, mich um Organisation und die Bestellungen zu kümmern. Unsere Mädels arbeiten bei uns, als wäre es ihr eigenes Geschäft, bringen einfach mal frischen Schnittlauch aus dem eigenen Garten mit oder plaudern mit unseren Stammkunden.

Was ist eure Philosophie?
Wir wollen es den Menschen ermöglichen, dass sie ihren gesamten täglichen Lebensmittelbedarf aus der Heimat beziehen können. Gesammelt an einem Ort ohne Mehrweg, vorwiegend verpackungsfrei, mit Herz und zu supermarktähnlichen Öffnungszeiten. Ein jedes Produkt hat hier seine Berechtigung, sei es, weil es in der Heimat besonders nachhaltig erzeugt wurde, oder die Gesundheit unterstützt. Trockenwaren bieten wir in schönen Glassäulenspendern an, so kann ein jeder, egal ob Großfamilie oder Singlehaushalt, einkaufen, wie er es tatsächlich benötigt. Der Slogan „Fahr nicht fort – kauf im Ort“ ist zwar schon abgedroschen, kommt aber bei uns erst wieder richtig zur Geltung, denn wir steigern so die Wirtschaftlichkeit unserer landwirtschaftlichen Betriebe und sichern Arbeitsplätze.

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(c) Kommunikationsagentur. Sengstschmid

FRISCH, REGIONAL UND NACHHALTIG.
Aus der Greisslerei

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(c) Nimo Zimmerhackl

A GUATES TEAM
Babsi und Michi mit Lisbeth, Franzi und Klara

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(c) Kommunikationsagentur. Sengstschmid

VOM GETREIDE BIS ZUR HAFERFLOCKE. Aus dem Anbau von Michi Hörmann.

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(c) Kommunikationsagentur. Sengstschmid

Auf welche Angebote darf man sich freuen?
Unser extremer Mehrwert steckt darin, dass wir uns in einem Lebensmittel-Eldorado befinden. Das klingt jetzt so banal, aber es ist echt nicht selbstverständlich, ein so breites Spektrum an Landwirtschaft im Ort oder bis zu 25 Kilometer im Umkreis zu haben. Bei uns gibt es Gemüse, Nudeln, verschiedene Öle, Leinsamen, Schälhanf, Frischfleisch vom Freilandschwein und der Freilandpute, frischen Fisch, Rohmilch, Joghurt, Fruchtmolke, Schafmilchprodukte, Eier, Müsli, Getreide, Meh l... und das zu 80Prozent biologische Produkte.

Und bei Babsi und Michl geht‘s auch immer fröhlich zu ...
Ja (lacht). Mir war halt sehr wichtig, wenn ich beim Einkaufen liebe Freunde treffe, auch die Möglichkeit auf einen guten Kaffee oder ein Glaserl Wein bei einem netten Plausch zu haben. Es ist erstaunlich, welch verschiedene Altersschichten es sich bei uns gemütlich machen. Von jungen innovativen, bewussten Kunden über Geschäftsleute, die kurz von der Arbeit abschalten möchten bis zu Seniorinnen und Senioren, die etwas „Neues“ erfahren, oder einfach mal ihren Kummer loswerden wollen. Mid‘n reden, kommen Leut‘zam! Heute wird sehr viel über das Smartphone erledigt und gegoogelt. Früher hat man halt am Stammtisch noch diskutiert und philosophiert, so wie jetzt bei uns.

Mit „Schnell, g‘sund & g‘schmackig“ bietet ihr auch „Hausmannskost to go“ an ...
Genau, unsere liebe Klara kocht fünf Tage die Woche ein frisches Gericht, dass dann auch ins Pfandglas kommt. Der Grundgedanke war, dass die Gasthäuser bei uns immer weniger werden und die Leute die „schnell“ etwas zu essen brauchen, nur mehr auf Leberkässemmel, Pizza, Kebab und Co. zurückgreifen können. Außerdem können wir so auch dem Lebensmittelverderb entgegenwirken. Berechnet man den „Lebensmittelverlust“ über die gesamte Wertschöpfungskette in Mitteleuropa, so wären das bei 2.967 Einwohnern in St. Leonhard und bei 2.302 Ruprechtshofnern jährlich ca. 1.500 Tonnen Lebensmittel, die im Müll landen. Um hier Verantwortung zu übernehmen, wird bei uns Ware, die nicht verkauft wird und verderben könnte, schon vorher verkocht. Specklinsen, Gulasch, Putengeschnetzeltes, Kürbisrisotto, Sugo, Spargelragout und je nach Saison gibt es bei uns im Glas natürlich unsere regionale Spezialität: Mostpudding!

Mit der Familie Kurz hast du ja ganz besonders spannende Produzenten ins Boot geholt ...
Julia und Bernhard kennen wir schon aus unserer Jugend. Als ich Julia auf der Suche nach Produzenten von Milch in der Glasflasche um Rat gefragt habe, hat sie geschmunzelt und gemeint, dass sie gerade am Überlegen sind, wo ihre Reise hingeht. Julia war zu dem Zeitpunkt hauptberuflich Grafikerin und Mutter, Bernhard war Vollzeit bei einer Firma. Die beiden haben den elterlichen Betrieb von Bernhard übernommen und waren sich klar, entweder die Rinder zu verkaufen oder auf biologische Direktvermarktung umzustellen, denn nur dann wäre es lukrativ. Wir sind sehr froh, den Stein ins Rollen gebracht zu haben, denn die Philosophie von „Kurz ums Eck“ ist echt bemerkenswert. Sie verkaufen Rohmilch, Joghurt, Milchreis, Fruchtmolke, Knoferl-Kas, Gewürzkugerl und noch vieles mehr.

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(c) Claudia Gobec

GRÜNE KOSMETIK. Von Seifensiederin und Kräuterpädagogin Claudia Gobec

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(c) Kommunikationsagentur. Sengstschmid

Einkaufen wie bei der Oma in der Stubn.

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(c) Kommunikationsagentur. Sengstschmid

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(c) Kommunikationsagentur. Sengstschmid

Verkauft wird, was grad wächst.

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(c) Sengstschmid

KURZ UMS ECK! Rohmilchprodukte und mehr von Julia und Bernhard Kurz

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(c) Kommunikationsagentur. Sengstschmid

Landtopfen mit Kürbiskernöl von Familie Kurz

Auch grüne Kosmetik von Claudia Gobec kann man euch bekommen ...
Ja, Claudia ist begeisterte Seifensiederin und Kräuterpädagogin, ihr besonderes „Baby“ ist die grüne Kosmetik. In der Greisslerei verkaufen wir verschiedene Seifen von Claudia wie das Himbeerbusserl, die Rasierseife für Ihn und Sie oder die Zirbenseife, um nur einige zu nennen. In ihren spannenden Workshops können unsere Kunden die grüne Kosmetik auch erlernen.

Ihr gebt also das wertvolle Wissen preis?
Ja, natürlich! Wir bieten auf unserer Website verschiedene Themen zu grüner Kosmetik an, wo die Kunden gleich direkt buchen können. Im Frühling gab es einen Workshop mit Frühlingskräutern, im Sommer haben wir gelernt Sonnenpflege selber zu machen und im Herbst stellen wir Wasch- und Reinigungsmittel selber her. Das alles lernt man bei uns abends in einer kleinen netten Runde von maximal zehn Personen. Mich hat die grüne Kosmetik so angesprochen, weil man mit ganz normalen Lebensmitteln, die man im täglichen Gebrauch hat, sehr schnell und unkompliziert verschiedene Kosmetikartikel herstellen kann. Wir zeigen gerne wie man zum Beispiel aus „Resten“ tolle Produkte herstellen kann. Beispiel: Ich backe einen Dinkel-Apfelgugelhupf und habe zu viele Äpfel gerissen. Die kann ich schon wieder in einem biologischen Sonnenblumenöl aus unserem Ort gemeinsam mit den Ringelblumen aus dem Garten zu einem Salbenauszug verwenden. Das Bienenwachs für die Creme kommt von unserem Imker, der uns mit Honig beliefert. Das ist doch eine runde Sache!

Sind eure Träume bereits erfüllt?
Ich hab mal ein schlaues Zitat gelesen: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit! Und somit gibt es auch keinen Stillstand bei uns. Es ist immer wieder spannend mit neuen Partnern zusammen zu arbeiten, die wieder neue Produkte anbauen oder produzieren. Ideen gibt es viele, doch da möchte ich noch nicht ganz aus dem Nähkästchen plaudern. Wir sind ja momentan wieder in einer Umbruchphase, direkt vor dem Geschäft entsteht gerade ein neuer Hauptplatz mit schönen Plätzen zum Verweilen. Während dieser Baustelle haben wir die Gelegenheit genutzt, unser Geschäft neu zu gestalten und das eine oder andere vielleicht noch praktischer einzurichten. Eins kann ich aber versprechen: das gemütliche Flair und unsere „locker, flockige“ Atmosphäre bleibt. Uns ist es wichtig, dass bei uns der Schmäh rennt und die Kunden ein bisschen aus den hektischen Alltag gerissen werden.

Infos: www.d-greisslerei.at,
www.familie-kurz.at,
www.feine-sachen.at