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Lifestyle | 02.04.2020

Wir halten zusammen

Wir leben nun isoliert, sind aber nicht allein. Was alles von zu Hause und mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen geht – inspirierende Initiativen in der und gegen die Coronavirus-Krise.

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(© Flo Waitzbauer)

Online & Regional Shoppen

Neue Funktion für Website. Umweltaktivistin und Publizistin Nunu Kaller – ihre Familie stammt aus dem Dunkelsteinerwald – war zuletzt Konsumentensprecherin bei Greenpeace und nahm sich kürzlich eine Bildungskarenz. Sie arbeitete an einem Buch über den Weg zum guten Konsum, wollte ihre Tätigkeit als Speakerin forcieren. Dann kam das Virus „und ich konnte mir meine Pläne in die Haare schmieren“, sagt sie. Statt Schockstarre wurde sie sofort aktiv. „Ich habe viele Freunde mit kleinen Läden, beim Gedanken an sie zerriss es mir das Herz in tausend Stücke.“ Die für ihre eigene Selbstständigkeit geplante Website führt sie prompt einem neuen Zweck zu: Sie lädt österreichische Unternehmen ein, die liefern können, sich dort zu listen. „Nicht internationale Konzerne, sondern sie finanzieren mit ihren Steuern unsere Spitalsbetten“, erklärt sie. Sie arbeitet beinahe ohne Pause durch, schon am dritten Tag tummeln sich auf www.nunukaller.com rund 1.000 Unternehmen.

 

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(© Michael Strasser)

Sport via Live-Instagram

Online statt Outdoor. Im Vorjahr gelang Extremsportler Michael Strasser ein Weltrekord: Er radelte von Alaska nach Patagonien – 23.000 Kilometer in rund 84 Tagen. Der Sportler und Abenteurer aus Niederösterreich war erst vergangenen Februar mit seiner Partnerin in Sibirien. Natürlich macht auch das Coronavirus keinen Couchpotatoe aus ihm, er initiiert auf seinem Instagram-Kanal ein Sportprogramm: Seine erste „Free Athle­tics Body Workout Session“ startete er am 16. März; bereits bei der ersten Live-Session waren 500 Teilnehmer und Teilnehmerinnen dabei. „Ich setze das jeweils montags und donnerstags um 20 Uhr fort“, kündigt er an (strassermichael.at).

 

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(c) Ingrid Diem

 

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(c) Maria Dorn

 

Musik gibt Kraft

Inspiration, Unterricht und Beratung. Weltweit verabreden sich Musiker und Musikerinnen zu Fensterkonzerten, sogar House-Festivals gehen über die Wohnzimmerbühne – und werden dann online gestellt oder ohnehin live gesendet. Sängerin und Kabarettistin Ingrid Diem (oben) veröffentlicht klingende Wald-Auftritte auf Facebook. Maria Dorn aus Schönbühl hängt ihren Dudelsack, der sonst eher ein passives Dasein als Deko fristet, von der Wand, um ihre Musikschülerinnen und -schüler mit einem amüsanten Video zum Musizieren zu animieren. Den Kids gefällt‘s, wie viele andere Kolleginnen und Kollegen unterrichtet sie ab Mitte März online. Zudem bietet die Lebens- und Sozialberaterin unter Supervision individuelle Beratung im Internet an. „Praktizieren darf ich bereits, aber da ich am Ende meiner Ausbildung bin, kann ich das relativ günstig anbieten“, sagt sie (mariadorn.at).

 

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(© www.blumen-gartler.at)

In der Krise Shoppen, später bezahlen

Dufte Idee. Erst im Vorjahr investierte das Familienunternehmen viel in seinen „Blumen Gartler“, die Erwartungen in die im März startende Saison waren groß. Umso schlimmer traf es die österreichweit verordneten Ladenschließungen. „Wir möchten aber vermeiden, einen unserer Mitarbeiter zu entlassen“, betont Stefan Gartler. Da wagte man sich über eine außergewöhnliche Verkaufsmöglichkeit: Weil der Verkauf ohne Kundenkontakt erlaubt blieb, funktionierte man die Filialen in Zwingendorf und Laa an der Thaya zu Selbstbedienungsläden um. Die Klientel gustiert in Blumen und Gemüsepflanzen aus dem Weinviertel, was man mitnimmt, trägt man in eine Liste ein und bezahlt nach der Krise (www.blumen-gartler.at).

 

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(© Isi Özdek)

Rettung statt Tanzparkett

Beim Roten Kreuz. Seit mehr als zehn Jahren betreibt Isi Özdek eine Tanzschule in Bruck an der Leitha (www.isi-dance.at), parallel dazu ist der zweifache Vater für die Veranstaltungstechnik einer großen Bank zuständig. Als er beide seiner Missionen temporär auf Eis legen musste, meldete er sich beim Roten Kreuz zu mehr Diensten bei der Ortsstelle Wolkersdorf an. „Es ist wichtig, dass wir unsere älteren Fahrer schützen“, schildert Isi Özdek. Auch die 92-jährige Dame in seinem Wohnhaus unterstützt er. Er selbst habe keine Angst, nehme das Virus aber sehr ernst. „Bevor ich zu meiner Familie gehe, kommt mein ganzes Gewand sofort in die Waschmaschine und ich wasche und desinfiziere mich gründlich.“

 

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(© Barbara Neubauer)

Feiert eine Hausparty!

Cocktails und Kuchen. Was man alles liefern kann … „Taro kommt zu euch, nachdem ihr zu Hause bleibt“, postete Gerald Straus, Chef der kultigen Bar in Bruck an der Leitha, auf Facebook. Sein (Überlebens-)Konzept: via Handy bestellen, Geld im Sackerl vor der Tür deponieren, wohin auch die georderten Cocktails geliefert werden (www.bar-taro.at). Auf feine Backkurse und zauberhafte Ostermärkte hatte sich Christina Krug (Bild unten) gefreut. Ihre „Schnabulerie“ in Mödling ist für außergewöhnlich schöne (Hochzeits-)Torten, köstliche Macarons und Tartes bekannt. „Von einem Tag auf den anderen musste ich alles absagen, als One-Woman-Show hatte ich keine Einnahmen mehr“, beschreibt sie, die an der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise festhält. „Wenn die Hochzeiten im Mai und Juni nicht stattfinden, brauch‘ ich echt einen Plan B.“ Die ungeplante Freizeit widmet sie Sohn und Mann – und dem Posten ihrer (Geheim-)Rezepte. „Backen ist immer eine gute Sache, gerade wenn man die Kinder zu Hause hat.“ (www.schnabulerie.com)

 

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(© Vea Kaiser)

Lebenstipps von einem Isolations-Profi

Erfahrungen teilen. Wenn sie sich bislang für Wochen und Monate zurückzog, kam am Schluss ein neuer Roman heraus. Der Anlass ist diesmal ein anderer, mit dem Isolations-Prozedere kennt sich die Schriftstellerin Vea Kaiser aber aus. In sieben praktischen und pointierten Lebenstipps fasst sie auf ihrer Website zusammen, wie man die Zeit in den eigenen vier Wänden gut über die Bühne bringt. Dazu zählen etwa: Zeitroutine bewahren (es macht Sinn, nachts zu schlafen), Körperpflege nicht vergessen („Ja, innen ist wichtiger als außen, aber oft kann man das Innere besser in Schuss halten, wenn man das Äußere nicht vernachlässigt.“), Selfcare (Zelebrieren Sie Ihr Abendessen mit einer Kerze!) oder echten Kontakt nach außen halten (Freunde anrufen bringt mehr, als Facebook-Scrollen). Und die schönste Message: „Nicht vergessen, es geht wieder vorbei.“ In voller Länge nachzulesen: www.veakaiser.de

 

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(© Pressefoto Lackinger)

Fotografin tauscht Kamera gegen Korb

#melkhilft. Vor ihrer Linse stehen gern Stars wie Ursula Strauss, am vielzitierten Freitag, den 13. März, „saß ich vor meinem Computer und bekam ausschließlich Absagen. Ich hatte von einem Tag auf den anderen keinen einzigen Auftrag mehr“, schildert Daniela Matejschek. Die schlimme Situation konnte sie annehmen, auch weil viele Freunde ihr sofort Hilfe anboten. Und: „Ich weiß, dass ich fähig bin, auch mit wenig auszukommen.“ Nicht aushalten konnte sie aber die Untätigkeit. Als sich via Facebook die Gruppe #melkhilft organisiert, ist sie sofort dabei. Das freiwillige Team erledigt Besorgungen für Menschen in der Risikogruppe. Groß ist die Sorge der herzlichen Fotografin um ihre 77-jährige Mama. Sie unterstützt sie, wo sie kann, „aber wenn ich zu ihr fahre, reden wir nur im Garten mit einem großen Abstand zueinander“, erzählt sie. „Ich verstehe nicht, wieso so viele Menschen so lange brauchen, um das Virus ernstzunehmen.“ danielamatejschek.com