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Lifestyle | 09.04.2020

"Wir sind keine stillen Heldinnen"

Niederösterreichs Frauenberatungsstellen, Frauenhäuser und das Gewaltschutzzentrum ermutigen Betroffene: "Wir bleiben nach wie vor gut zu erreichen."

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(© Andrea Peller)

"Davor" war es erträglich …

Es kriselte schon lange. Doch wenn Gabi allein mit den Kindern war, in ihrer Arbeit aufblühte oder sie ihr Herz bei Freundinnen ausschütten konnte, war sie glücklich. All das fiel nun weg. Fast seit Beginn der Coronavirus-Krise arbeitet sie im Home Office, ihre Freundinnen kann sie nicht mehr treffen, zum Telefonieren bleibt neben Arbeit, Aufgaben der Kids und Haushalt kaum noch Zeit. Und: Er ist jetzt immer da. Seine anfängliche Schockstarre über den verlorenen Job mutierte zu einer Dauerschleife aus Frust, Alkohol und Wut … 

Wenn auch gerade die Welt aus den Fugen gerät (oder gerade deswegen noch mehr), betonen die Mitarbeiterinnen der niederösterreichischen Frauenberatungsstellen und Frauenhäuser sowie das Gewaltschutzzentrum Niederösterreich: "Wir sind keine stillen Heldinnen; wir engagieren uns tagtäglich in unserer Arbeit und sind für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, nach wie vor gut zu erreichen."

"Die Spannungen in Familien nehmen zu und je länger die Maßnahmen von der Bevölkerung umgesetzt werden müssen, desto spannungsgeladener wird die Familiensituation. Dies hören wir bereits von vielen Anruferinnen in den Frauenberatungsstellen", erklärt Elisabeth Cinatl, Sprecherin der NÖ-Frauen- und Mädchenberatungsstellen.

Neue Strategien

In dieser herausfordernden Zeit braucht es innerhalb der Familien neue Strategien, um mit Spannungen und Konflikten umzugehen, betonen die Expertinnen. Es muss mehr Toleranz aufgebracht werden, es bedarf einem verstärkten Hinwenden zu den eigenen und den Bedürfnissen der anderen, Tagesabläufe und Regeln müssen immer wieder neu ausverhandelt werden …

"Dies kann dann funktionieren, wenn alle Familienmitglieder gleichermaßen ihren Beitrag leisten. Wir erleben jedoch, dass es für Familien schwierig sein kann, ein solches Miteinander auf Augenhöhe zu entwickeln, was dazu führt, dass Krisen schneller eskalieren – und somit zu einem Anstieg an häuslicher Gewalt", sagt Michaela Egger, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Niederösterreich. "Wir stellen sicher, dass der Opferschutz von Personen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, trotz der Ausnahmesituation weiterhin gegeben ist." Barbara Prettner vom Frauenhaus Neunkirchen ergänzt: "Auch weil viele Unterstützungsmöglichkeiten wie Freundinnen und Familie wegfallen, sind die Frauenhäuser der letzte Zufluchtsort. Die NÖ-Frauenhäuser sind nach wie vor 24 Stunden erreichbar."

Sämtliche Informationen und Kontakte unter:

www.frauenberatung-noe.at