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Lifestyle | 14.04.2020

Wenn die halbe Welt pausiert

Die Bedrohung durch das Coronavirus löst bei vielen Menschen Ängste aus. Wir baten dazu unsere Expertin Claudia Kloihofer-Haupt zum Interview. Sie macht uns Mut und sagt: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel neu setzen!“

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(© Bobby Burch / Unsplash)

NIEDERÖSTERREICHERIN: Claudia, wie können wir jetzt unsere „gewonnene“ Zeit für uns sinnvoll nutzen? 

Claudia Kloihofer-Haupt: Wir könnten uns fragen, was jetzt um uns, aber vor allem in uns selbst passiert. Denn die Ressource Mensch rückt urplötzlich ins Zentrum der Aufmerksamkeit! Aufgrund der verordneten Unterbrechung erkennen wir, wie schwer es ist, damit umzugehen. Wir sind plötzlich gefordert, achtsam zu sein und unser Ego hinter das Wohl der Allgemeinheit, vor allem aber das der älteren Menschen zu stellen. Bei vielen löst das Angst und ein Gefühl der Unfreiheit aus. Andere aber suchen nach neuen Lösungen und finden diese auch!

Was können wir konkret tun, wenn uns die Angst überrollt?  

Die heftigen Gefühle der Angst fordern uns auf, tiefer zu blicken. Jedes Angstgefühl blockiert unsere Gedanken, denn der Körper schüttet so viele Hormone aus, dass unser System nur noch auf „Überlebensmodus“ schaltet. Unser Reptiliengehirn blockiert nicht nur unsere Gedanken, unsere Körperfunktionen, sondern auch unser Herzgefühl. Das System fährt dann auf energiesparendem Minimalbetrieb und das Herz verschließt sich für Mitmenschlichkeit. Diese wird aber gerade jetzt mehr denn je benötigt. 

Du sagst, wir könnten unseren Körper als wunderbaren Apotheker entdecken ... 

Zuallererst heißt es, wieder Boden unter den Füßen gewinnen. Deshalb müssen wir unsere Mitte, unseren Beckenboden stärken. Dabei sind uns alle Erdungs- und Stabilisierungsübungen von Nutzen, die uns dabei helfen, unsere eigene Mitte wiederzufinden. Ein tiefes Einatmen durch die Nase in den Bauch und ein tiefes, langes Ausatmen durch die Nase bringt uns die notwendige Energie in den Bauchraum. Wir werden ruhiger. Die Stresshormone im Körper reduzieren sich langsam. 

Die Angst einfach zu verdrängen, hilft also erst einmal gar nicht? 

Nein, denn Panik und Angst schwächen das Immunsystem. Wer nämlich seinen „Schatten“ verleugnet, schwächt sich. Tritt daher einen Schritt zurück, spüre und akzeptiere die Angst. Sie gehört zu uns Menschen. Sie ist okay! Nimm sie ernst und nimm sie an. Durch das Würdigen der Angst befreien wir sie und machen Platz für etwas Neues, z.B. für mehr Vertrauen, für mehr Zuversicht und für mehr Hoffnung. Die veränderte Biochemie hilft uns dabei, Angst in Aktion umzusetzen. Im ruhigeren Zustand gelingt es uns nun besser, Antworten auf wichtige Fragen aus unserem Inneren zu erhalten. Haben wir auf uns selbst und auch auf andere geachtet? Haben wir uns zu viel auf das Äußere konzentriert, auf Konsum, Prestige, Geld oder Reisen und damit lediglich das eigene Ego aufpoliert? Uns einfach gesagt: „So ist es eben! Punkt!“ Vielleicht haben wir auch so manche Schuld auf andere abgeschoben, statt an uns selbst etwas zu verändern. 

 

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Könnte das  Coronavirus und die damit verbundene Krise auch eine Chance für uns bedeuten?

Ja, denn wir sind gefordert, uns vieles bewusster zu machen. Die versteckte Botschaft in der Krise kann auch eine Einladung an uns sein, alles mehr wertzuschätzen und dankbarer dafür zu werden, mit welcher menschlichen Qualität wir ausgestattet wurden. Manche suchen schon lange einen Ausweg aus dem Hamsterrad des „höher“, „mehr“, „schneller“, „besser“ oder „perfekter“ Seins auszusteigen. Vielleicht haben wir dabei mitgemacht, weil wir dachten, unsere Stimme sei zu unwichtig? Nur dieses Mal sind wir eingeladen, radikal tiefer zu blicken und zu entscheiden, wie wir zukünftig leben wollen, wer wir zukünftig sein wollen! Lernen wir also aus unserem Herzen heraus unser emotionales Immunsystem zu stärken.

Wie können wir uns selbst stärken und stabilisieren?

Emotionsbeladene Sorgen bahnen sich einen breiten Weg in die neuronale Vernetzung unserer Gehirne. Existenz­angst treibt viele dazu, ein ungesundes Leben zu leben, mit zu viel Angst und zu wenig Vertrauen. Aber: Der Moment der Veränderung ist JETZT! Hilf dir selbst auszusteigen, ändere deinen inneren Fokus. Schreibe dir auf, welche Hürden du in deinem Leben bereits gemeistert hast. Grabe tiefer und finde heraus, welche Eigenschaft dich dabei so wundersam unterstützt hat. Suche intensiv nach all dem, worüber du dankbar oder stolz bist. Schürfe nach den Dingen, die du wie selbstverständlich bereits in die Welt gebracht hast. Diese Ressource könnte dein Haltegriff für kommende Veränderungen sein. Und lassen wir weder Viren noch andere Mächte unser Leben bestimmen!

Genaue Anleitungen findet man im Buch „Die Intelligenz der Zellen“, erschienen im Goldegg Verlag. Wer selbst Panik, hohen Stress oder Unsicherheit verspürt, sollte sich professionelle Hilfe holen, zum Beispiel in einem Online-Mutmach-Coaching, bequem von zu Hause aus. 

Kontakt: www.mutmachinstitut.at