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Lifestyle | 10.09.2020

Noten, Mord & Haydn

Eine originale, handschriftliche Partitur, Freimaurer und Illuminaten. Nein, kein neuer Dan Brown – das Erstlingswerk der jungen Autorin Anria Reicher über den Kosmos Joseph Haydns. Eine spannende Reise durch 200 Jahre Musikgeschichte zwischen Mexiko und Eisenstadt. Klug und hinreißend rasant.

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(© Thomas Jirschik)

Das Buch: Als die Cellistin Estrella nach einem Konzert in Mexiko City zurück nach Wien fliegt, überreicht ihr Literaturnobelpreisträger Manuel Maria Gomez einen rätselhaften Umschlag mit einem alten Notenblatt. Er bittet sie, niemandem davon zu erzählen. Noch ehe Estrella sich damit befassen kann, was es mit den Noten auf sich hat, werden sie ihr gestohlen. Am nächsten Tag erfährt sie, dass Gomez ermordet wurde. Jemand bricht in ihre Wohnung ein, sie wird beobachtet und bedroht. Zusammen mit ihrem Jugendfreund Peter Cathem macht sie sich auf die Suche nach der Herkunft der Noten, die sie tief in die Geschichte der Haydn­-Zeit hineinziehen. Und was bedeutet das Pentagramm aus Blut, das Gomez vor seinem Ableben in Mexiko City hinterlassen hat? Plötzlich geht es um Leben und Tod.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Anria, Sie haben in Wien, Dublin und Kalifornien studiert, warum widmen Sie gerade Haydn Ihr Erstlingswerk?
Anria Reicher: Haydn war mein ganzes Leben lang omnipräsent, an ihm gab es kein vorbei. Mein Vater war dreißig Jahre lang künstlerischer und kaufmännischer Leiter der Internationalen Haydn-Festspiele, eines der besten klassischen Festivals mit Stargästen aus der ganzen Welt. Mit etwa neun Jahren kam ich erstmals in den Genuss, als Statistin bei einer Haydn-Oper mitzuwirken. Es folgten weitere Auftritte und eine fast fünfzehnjährige Tätigkeit bei den Haydn-Festspielen als freie Mitarbeiterin. Ich liebte die Atmosphäre hinter der Bühne, diese kribbelige Aufregung, die Vorfreude.

Aus dieser Arbeit entwickelte sich dann Ihr Roman?
Nein, ich habe nie daran gedacht, einen Kriminalroman zu schreiben. Und schon gar keinen, in dem Haydn eine tragende Rolle spielt. Die Idee stammte von meinem Vater, der während seiner jahrzehntelangen Forschungsarbeit auf etliche Rätsel und Ungereimtheiten gestoßen ist. Es waren jedoch nicht die Fakten, die mich so faszinierten, sondern eine Szene, die er mir 2016 so lebhaft schilderte, dass ich sie niederschreiben wollte.

Wie entstand die Geschichte um Estrella?
Meine Mutter ist leidenschaftliche Cellistin, folglich war klar, dass meine Protagonistin Cello spielt. Namensgeber für Estrella war mein Vater, der von Anfang an einen wirklich genialen Schachzug plante: Estrellas Name trägt eine besondere Bedeutung im Haydn-Pentagramm! Für Estrellas Charakter bin alleine ich verantwortlich. Ihre Macken und Ticks entwickelten sich im Laufe des Schreibprozesses. Je mehr ich in die Geschichte eintauchte, desto klarer sah ich, wer Estrella ist und was sie ausmacht.

Bild 2009_N_Haydn_Cover.jpg
Das Haydn-Pentagramm von Anria Reicher, erschienen im Aufbau Verlag, € 10,30