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Lifestyle | 21.12.2020

Wie ein kleines Weihnachtswunder …

… ist es jedes Jahr, wenn Kugerl, Kipferl und Co. tatsächlich (und rechtzeitig) zum Leben erwachen, findet Elisabeth Ruckser, Buchautorin, Genussethik-Expertin und Betreiberin der "Ersten Bio-Backschule im Waldviertel".

Meistens beginnt es im November. Da haben wir in der Familie einen exakten Plan und wissen‘s ganz genau. Am ersten Advent-Wochenende backen wir Kekse. Es wird diskutiert, Einkaufslisten werden verfasst, Must-
haves und No-Gos deponiert – mehr Zimt! Nur passierte Marmelade! Keine Feigen! – und man erinnert sich unter Vorfreude und Plaudern an allerlei vergangene Geschichten. (Etwa als unser Hund Max eine halbe Platte frischer Rumkugeln verputzte und wir ihn daraufhin geschätzt alle drei Minuten aufweckten, um zu sehen, ob es ihm gut geht. Er war jung, er hat‘s überstanden und seitdem wird höllisch aufgepasst, dass befüllte Keks­teller nicht noch einmal in Hundekopfhöhe herum­stehen …)

Danach tritt Phase zwei in Kraft. Der vereinbarte Termin zieht in aller Ruhe und gänzlich keksfrei vorbei. Die nächsten Tage ebenso. Und langsam wird‘s stressig. Wann ist bloß Zeit fürs Backen?
Irgendwann und irgendwie klappt es aber doch alle Jahre wieder. Dann steh ich – meistens alleine, die Kinder schauen eher kurz vorbei – in der Küche und freue mich trotzdem wie eine Schneekönigin. Egal, was draußen vorgehen mag, die Zeit steht still. Ich lege alte und neue Rezepte zurecht, und Erinnerungen an diejenigen, die mir die Liebe zu diesem Brauch, zum Backen und zum Kochen vermittelt haben, werden lebendig. Zutaten duften, Teige rasten, werden ausgewalkt, Kekse ausgestochen, gebacken. Mit etwas Glück serviert mein Mann Punsch, hilft mit, überwacht hochsensible Backtemperaturen.

Und wenn sich jener unvergleichliche Wohlgeruch langsam, aber sicher bis in den letzten Winkel zieht, dann lockt es die Familienmitglieder zur ersten diesjährigen Verkostung in die Küche. Ich weiß, dass es wieder einmal geschafft ist, und dazu taucht ein schöner Gedanke auf: dass es trotz Stress, Hektik und den verschiedensten Herausforderungen unserer Zeit vielleicht gelingen mag, etwas von diesem kleinen Weihnachtswunder einer nächsten Generation weiterzugeben.

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Elisabeth Ruckser (© Bio-Backschule/peller)

Zur Autorin

Elisabeth Ruckser ist Buchautorin, Genussethik-Expertin und betreibt eine Bio-Backschule im Waldviertel. Ihr Buch „Kekse.Lebkuchen.Teegebäck“ ist im Servus-Verlag erschienen.
Weitere Infos: www.bio-backschule.at

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Vanillekipferl

Zutaten:
290 g Weizenmehl, glatt  
250 g Butter
100 g Walnüsse oder
Haselnüsse (oder gemischt), gemahlen
100 g Staubzucker
Vanille-Staubzucker zum Wälzen


Zubereitung: Die Teigzutaten vermischen und rasch zu einem Mürbteig kneten, ca. 1 Stunde kalt stellen. Dann zu länglichen Rollen von etwa 1,5 cm Durchmesser formen. Kleine Stücke abzwicken, jedes Stück zuerst zu einer dünnen Rolle und dann zu einem Kipferl formen.

Auf ein mit Backtrennpapier ausgelegtes Blech legen und bei 160 °C Heißluft im vorgeheizten Rohr auf Sicht backen, bis die Spitzen leicht braun werden. Kurz überkühlen lassen und vorsichtig in Vanille-Staubzucker wälzen.

Tipp: Für eine Variante kann man den Teig auch einfach ausrollen, rund ausstechen (Ø ca. 3 cm) und wie die Kipferl backen. Mit Zwetschkenmarmelade zu doppelten Keksen zusammensetzen und mit Glasur (Staubzucker vermischt mit etwas Zwetschkenlikör) verzieren.