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Lifestyle | 09.10.2017

Dafür brennen wir: Fotobücher

Fürs altmodische Familienalbum stellen wir uns sogar den Elementen. Was würdest du zuerst aus einem brennenden Haus retten? Diese Frage hat wahrscheinlich schon manch einer gehört. Die meisten Menschen nennen dann (hoffentlich) zuerst ihre Kinder, Partner und wahlweise Haustiere – als nächstes würden sie aber einen ganz bestimmten Gegenstand vor den Flammen retten: Das Familienalbum. Doch trifft das auch heutzutage noch zu, angesichts des quasi unendlich großen Bilder-Speicherplatz auf „Google Fotos“ und in diversen Clouds? Oder ersetzen die digitalen Fotos keinesfalls die liebevoll erstellten Fotobücher, die man inzwischen auch aufwändig gestalten und arrangieren kann? Würden wir für unsere Foto-Erinnerungen wirklich im wortwörtlichen Sinne durchs Feuer gehen?

Alle für ein Album

Diese Frage hat vor kurzem eine Frau aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Houston beantwortet. Jedoch hat sie sich nicht in die Flammen, sondern in die Fluten gestürzt – und das nicht einmal für ihr eigenes Album. Nachdem Hurricane Harvey im Südosten der Vereinigten Staaten zugeschlagen hatte, trieb ein fremdes Familienalbum im Wasser. Die mutige Finderin stellte kurzerhand einige der Fotos auf Facebook. Binnen weniger Stunden wurde der Post ganze 3.000 Mal geteilt und die Besitzerin meldete sich – ihr überflutetes Haus lag eine ganze Meile vom Fundort entfernt! Zusammen mit ihrer Familie war sie vor Eintreffen des Hurricanes evakuiert worden und hatte nur das Wichtigste mitgenommen, es sich aber nicht nehmen lassen, ihre Alben auf dem obersten Regalbrett zu bunkern. Eine Sicherheitsmaßnahme, die versagte, als das Wasser unerwartet auf fast 1,4 Meter anstieg. Die Besitzerin war trotz des Wasserschadens am Haus überglücklich, ihre teilweise 23 Jahre alten und unersetzlichen Baby- und Hochzeitsfotos wiederzuerhalten.

Zeitlose Seiten

Wie kommt es, dass so viele Menschen Fotoalben noch immer als so wichtig erachten? Die Antwort liegt wahrscheinlich im emotionalen (und nicht finanziellen) Wert, dem man bestimmten Gegenständen zumisst. So würden viele Befragte auch private Notiz- beziehungsweise Tagebücher oder gar ganze Schuhkartons mit Erinnerungsstücken wie Kuscheltieren, Souvenirs oder Autogrammen vor Feuer oder Flut retten. Das Bilderarchiv des einst recht beliebten Tumblr-Blogs „The Burning House“ scheint diesen Eindruck zu bestätigen. Dort findet man ironischerweise sogar alte Kameras unter den Dingen, die eine Rettungsaktion wert sind. Fotoalben sind wiederum vor allem Andenken – an Ereignisse, an unsere Mitmenschen und an unser früheres Ich. Im Gegensatz zu den meist überladenen Instagram-Feed enthalten sie nur diejenigen Bilder, die besonders positiv hervorstechen. Die Arbeit und Zeit, die bei der Auswahl und Gestaltung in sie hineingeflossen sind, verleihen ihnen einen persönlichen Charme, mit dem kein Pinterest-Profil mithalten kann. Und zum Herumzeigen auf Familientreffen und Feiern sind sie sowie besser geeignet als der kleine zerkratzte Smartphone-Screen. Daher unser Fazit: Fotoalben liegen uns auch heute noch am Herzen. Neu ist jedoch, dass man sich inzwischen nicht mehr unbedingt in Lebensgefahr begeben muss, um sie zu bewahren – vorausgesetzt, man hat seine geliebten Fotos auch in digitaler Form gespeichert.  Bildrechte: Flickr Family Roland Lakis CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten