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Lifestyle | 28.11.2019

Von Beruf Influencer – digitaler Traumberuf oder überlaufener Flop?

Schöne junge Leute machen im Internet Werbung für Fitnessprodukte, Kosmetik oder Mode – und verdienen damit teilweise das große Geld. Von Beruf Influencer zu sein, scheint verlockend, ist jedoch gar nicht so einfach wie es scheint. Was verbirgt sich hinter dem Marketing-Berufsbild wirklich und gibt es überhaupt noch Platz für neue Influencer?

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Immer online – Influencer sein ist zeitaufwändig. © pixabay.com/rawpixel (CCO Creative Commons)

Wenn Chiara Ferragni ein Selfie auf Instagram postet, klicken innerhalb weniger Minuten Hundertausende auf ein kleines Herz-Icon. Das Bild gefällt ihnen. Doch das ist nicht noch nicht alles. Ein großer Teil ihrer aktuell fast 18 Millionen Follower möchte auch so aussehen und sich so kleiden wie sie. Mit Werbedeals und ihrer eigenen Mode verdient die Italienerin dank des Personenkults Schätzungen zufolge etwa 10 Millionen Euro jährlich. Doch nicht nur der Reichtum der Influencerin ist für viele, die ihr nacheifern, verlockend. Auch Ruhm und Bewunderung, das Posieren in teurer Designer-Kleidung und von Unternehmen bezahlte luxuriöse Reisen gehören scheinbar zum Influencer-Leben.

Kein Wunder, dass junge Menschen auf der ganzen Welt versuchen, ihren Internetstars nachzueifern und auf Instagram oder Youtube selbst erfolgreich zu werden. Unklar ist dabei jedoch oft: Wie wird man überhaupt Influencer? Und gibt es noch Platz für neue Werbegesichter, die das Kaufverhalten in den Bereichen Mode, Schönheit oder Reisen beeinflussen?

Was genau macht ein Influencer eigentlich?

 

Teure Handtaschen und Schuhe, Traumreisen und Champagner satt – all das scheinen Influencer auf Kosten ihrer Werbepartner zu erhalten. Kein Wunder, dass laut einer Studie rund ein Drittel der befragten Social Media-Nutzer selbst gerne Influencer wäre. Wie genau das Berufsbild eines erfolgreichen Influencers aussieht, ist allerdings nur den wenigsten klar.

 

Influencer sind insbesondere auf YouTube oder Instagram tätig und haben auf ihrer Plattform eine gewisse Bekanntheit. Die Bekanntheit ist dabei als „relativ hoch“ zu bezeichnen. Schließlich bezieht sie sich immer auf die jeweilige Branche bzw. Nische, in welcher der Influencer tätig ist. Welche Nische der Werbende dabei besetzt, hängt von seinen persönlichen Vorlieben ab. Prinzipiell ist alles – vom Aktienhandel für Anfänger bis hin zu Fitness und Gesundheit – denkbar. Je kleiner die Nische allerdings ist, desto kleiner auch der Kreis potenzieller Werbepartner.

 

Die hohe Bekanntheit in der jeweiligen Branche macht Influencer wie Chiara Ferragni dann für Werbepartner interessant. Schließlich vertrauen die Follower ihrem Star. Spricht sich dieser für ein Produkt oder eine Dienstleistung aus, ist es wahrscheinlich, dass auch seine Follower das Produkt kaufen.

 

Influencer – einfacher Job ohne Zugangsvoraussetzungen?

 

Follower sammeln, Selfies posten und Werbedeals erhalten – das klingt ziemlich einfach. Allerdings ist das Influencer-Leben oft nicht so verlockend und leicht, wie es aussieht. Tatsächlich gibt es sogar viele gut bezahlte Jobs, für die kein Hochschulabschluss erforderlich ist und zu welchen der Zugang leichter fällt.

 

Tatsächlich sind Influencer nicht auf eine bestimmte Ausbildung angewiesen. Vielmehr müssen sie Menschen dazu bewegen, ihnen zu folgen und ihre Beiträge aktiv zu „liken“. Schließlich sind Fotos und Beiträge eines Influencers für Unternehmen nur dann wertvoll, wenn sie möglichst oft kommentieren, weitergeleitet und gemocht werden. Hierfür ist zwar keine Ausbildung nötig. Dennoch muss der gepostete Beitrag aber einen Mehrwert bieten, um gemocht zu werden.

 

Dass eine junge, attraktive Frau dabei auf einem geposteten Bild zu sehen ist, ist keine Voraussetzung. Vielmehr kommt es darauf an, dass der Beitrag des Influencers einen inhaltlichen Mehrwert für die Betrachter bietet. Kurzum: Der Beitrag muss dem Nutzer etwas bringen. Eine Frage beantworten, ein Problem lösen, ein Rezept oder eine Idee liefern. Und genau hier liegt auch die Zugangsvoraussetzung für den Influencer-Job: Es muss ein Thema geben, mit dem sich der Influencer gut auskennt und über das er authentisch berichten kann.

 

Reist der Influencer beispielsweise gerne mit der Bahn um die Welt, findet sich eine Zielgruppe für seine Erfahrungsberichte und Tipps zu Reisezielen. Postet eine Person hingegen zusammenhanglose Selfies, Hundebilder und Kochrezepte, ist das keiner Nische zuzuordnen. Entsprechend schwer wird es der Person fallen, genügend Follower an sich binden.

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Instagram als Job? Nur wer mit Leidenschaft dabei ist, hat Erfolg. © pixabay.com/Erik_Lucatero (CCO Creative Commons)

Leidenschaft, Authentizität und jede Menge Stress

 

Influencer, die ihren Followern tatsächlich einen Mehrwert bieten, können diese auch für längere Zeit an sich binden. Außerdem wirkt der Influencer nur dann authentisch und vertrauenswürdig, wenn er mit Leidenschaft postet. Nichtsdestotrotz ist es aber mit Leidenschaft, Authentizität und Mehrwert noch nicht getan. Betrachtet man die exzessive Nutzung der sozialen Netzwerke wird klar: Ein Influencer, der nur einmal wöchentlich postet, ist schnell vergessen.

 

Influencer sein bedeutet darum in erster Linie eines: Jede Menge Stress. Schließlich dreht sich alles um die Frage der eigenen Relevanz für die Zielgruppe, das Steigern der Bekanntheit sowie das Posten bedeutsamer Inhalte. Für den Influencer bedeutet das: Ständig müssen neue Bilder, Videos und neue Inhalte erstellt werden. Und dafür ist nicht nur viel Zeit und Know-How notwendig. Auch die Leidenschaft soll nicht zu kurz kommen. Interessiert sich der Influencer kaum für sein Thema, sondern ist nur an Werbedeals interessiert, wird er dieses Posting-Tempo nicht durchhalten können. Wenn Instagram und Co. zu Umsatz führen sollen, von dem sich leben lässt, sind mehrere Stunden Zeitaufwand pro Tag nötig.

 

Auch neue Accounts haben eine Chance

 

Um Follower zu gewinnen, braucht es Zeit, Leidenschaft und Engagement. Allerdings ist es damit noch nicht getan. Schließlich wird ein Influencer nicht nur durch seine Follower-Zahl für Unternehmen wertvoll. Stattdessen müssen die Follower durch Likes oder Kommentare mit dem Influencer interagieren. So zeigen sich Verbundenheit und Vertrauen. Eigenschaften, die den Influencer für Unternehmen interessant machen. Beides wird jedoch nur mit Glaubwürdigkeit, Zeitaufwand und Interaktion mit der eigenen Zielgruppe erreicht.

 

Wer das gerne tut und der eigenen Leidenschaft beim Posten folgt, hat immer die Chance, erfolgreich zu sein. Die Möglichkeiten, ein eigenes Unternehmen mit Hilfe der sozialen Netzwerken zu promoten, sind vielfältig. Worauf es dabei jedoch am meisten ankommt: Ehrliches Interesse an dem Thema, mit dem sich der eigene Account beschäftigt. Denn nur wenn das Posten auch Spaß macht, schlägt sich das in den Bildern nieder und zieht interessierte Follower an.