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Lifestyle | 22.12.2022

Wohntrend Tiny House

Was es damit auf sich hat

Sie sind ein Trend, aber auch eine Lebensphilosophie: Tiny Houses. Für die einen sind sie eine Möglichkeit, aus dem großen Ganzen auszusteigen, für die anderen sind sie die Option, sich etwas Eigenes leisten zu können. Aber was steckt eigentlich dahinter und für wen eignet sich ein Tiny House?

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Abbildung 1: Die Vielfalt an Möglichkeiten bei Tiny Houses ist mehr als nur verblüffend. Bildquelle: @ Harry Pepelnar / Unsplash.com

Was sind Tiny Houses?

Fakt ist: Es gibt keine klare Definition. Gemeint sind immer Häuser auf Miniaturebene, doch ob das heimische Domizil nun auf einem alten Fischkutter, in einem Zugwaggon oder in einem Container errichtet wird, ist eigentlich offen. Mittlerweile gibt es etliche Anbieter, die die Minihäuser anbieten und das in all den verschiedenen Definitionen. Grundsätzlich gibt es jedoch zwei klare Unterscheidungen:

  • Transportabel – das sind Tiny Houses auf Rädern. Sie sind nicht selten kaum von Mobilhäusern zur unterscheiden. Die Maßgabe ist, dass das Haus nicht fest mit dem Bodengrundstück verankert ist, wenngleich es schon Wasser- und Stromanschlüsse nutzt.
  • Verbunden – in diesem Fall ist das Tiny House eher ein festes Gartenhaus mit Fundament. Es gibt keine Möglichkeit, das Haus zu bewegen. Für diese Häuser ist, je nach Größe, durchaus eine Baugenehmigung notwendig.

Doch ob transportabel oder nicht, oft entscheidet das Bundesland, was möglich ist. Da zwar der ursprüngliche Typ des Tiny House auf ein sehr begrenztes Gebäude bezogen ist, aber die modernen Definitionen durchaus zwei, drei oder auch sechs miteinander verbundene Container zum Tiny House werden lassen, ist die Genehmigung natürlich sehr unterschiedlich.

Wer ein Tiny House auf einem Campingplatz unterbringen möchte, wählt im Regelfall die Mobilvariante. Je nach Campingstatuten sind hier vierzig Quadratmeter Bodenfläche plus Veranda mühelos erlaubt.

Wie teuer sind diese?

Es gibt keine einheitlichen Preise für Tiny Houses. Sie kann es nicht geben, denn das Projekt selbst bietet viel zu viele Varianten:

  • Eigenbau – teilweise sind beispielsweise Baucontainer in den Kleinanzeigen für wenige Euro erhältlich. Wer einen solchen zum Tiny House umbaut, kann Geld sparen oder auch sehr viel Geld ausgeben.
  • Kaufvariante – von der Stange bis hin zu selbst professionell geplanten Häusern ist alles möglich.

Die Kosten variieren weniger durch die Größe der Häuser, sondern anhand der Ausstattung und dem Aufbau. Soll ein solches Haus das ganze Jahr über genutzt werden, ist die Dämmung der Außenwände natürlich wichtig, ebenso müssen Dach und Boden gedämmt werden. Zudem kommt die Heizung mit ins Spiel.

Da Tiny Houses wenig Platz bieten, muss jeder Quadratzentimeter gut genutzt werden. Vielfach entstehen im Vergleich hohe Kosten durch die funktionellen Möbel, die nicht selten mehrere Zwecke erfüllen. So kann der Schrank auch ein Esstisch oder ein Bett sein. Umso kleiner ein Tiny House ist, desto besser muss der Innenraum geplant sein, wenn dort viel Zeit verbracht werden soll. Es ist nicht verwunderlich, dass diejenigen, die tatsächlich das Tiny House als ihren einzigen Lebensort nutzen, durchaus an die 80.000 bis 100.000 Euro in das Eigenheim investieren.

Tiny Houses vs. Mobilheime – wo liegt der Unterschied?

Tiny Houses sind nicht klar definiert und werden deshalb oft mit Mobilheimen verwechselt. Der größte Unterschied: Ein Mobilheim ist definitiv beweglich. Es steht auf Rädern kann somit problemlos per Anhängerkupplung transportiert werden. Für diesen Transport muss ein Mobileheim jedoch klare Größenabmessungen befolgen:

  • Höhe: 4 Meter
  • Breite: 2,55 Meter
  • Gewicht: maximal 3,5 Tonnen

Größere Mobilheime können nur mit Sonderzulassung und Tiefladern transportiert werden. Grundsätzlich eignet sich ein Mobilheim also auch zum Camping, wenn die Stellefläche ausreicht. Ein festes Tiny House wird hingegen häufig als günstige Dauerwohngelegenheit genutzt.

Es kommt bei den Begrifflichkeiten jedoch häufig zu Verwechselungen. Wer Mobilheime sucht, findet jedoch entsprechende Anbieter. Eine gute Auswahl bietet Lacet Tiny House – dort lassen sich verschiedene Modelle mit einer Wohnfläche zwischen 15 und 100 Quadratmetern finden.

Wie lässt sich der Wohntrend selbst nutzen?

Das Tiny House wird vielfach mit Amerika in Verbindung gebracht und suggeriert die absolute Freiheit. Leider ist diese Freiheit sowohl in Deutschland als auch in Österreich eingeschränkt. Zwar darf sich jeder Grundstücksbesitzer ein Tiny House auf sein Grundstück stellen, sofern die Baugenehmigung erteilt wird, irgendwo in der freien Natur darf das Gebäude jedoch nicht stehen. Es gilt:

  • Flächenausschreibung – wie sind die Flächen ausgeschrieben und für welche Art von Gebäuden? Tiny Houses werden von vielen Behörden schlichtweg nicht geführt, sodass oft Reibereien mit den Behörden entstehen. Inmitten einer Neubausiedlung wird ein Tiny House beispielsweise nicht genehmigt.
  • Art – wie ist das Tiny House geplant? Auch in Österreich gilt die Devise, dass fest mit dem Untergrund verbundene Gebäude anders bewertet werden als solche, die beweglich sind. Ein Baucontainer auf Rädern wird somit anders bewertet als ein Haus aus Holz mit festem Fundament.
  • Grünland und Forstwirtschaft – die Bewilligung erfolgt, wenn die Pflege des Hauses möglich ist. Zu dieser gehören Wasser und Abwasser, wie auch Strom. Es muss also eine Erschließung der Fläche gegeben sein, wobei diese auch durch feste Gebäude auf dem Grundstück erfolgen kann. Beispiel: Bietet ein Landwirt einen Teil seiner Wiese für ein Tiny House an und versorgt das Haus mit Wasser und Strom über den Hauptwohnsitz, so stehen die Chancen gut. Auf einer Alm irgendwo in den Alpen hingegen würde die Versorgung nicht sichergestellt werden können.
  • Campingplätze – das ist mitunter die einfachste Variante. Mobile Tiny Houses können meist problemlos auf einem Dauerstellplatz auf Campingplätzen abgestellt werden. Da der Dauerstellplatz auch die Versorgung beinhaltet, ist diese Problematik gleich beseitigt.

Wer den Campingplatzweg wählt, sollte darauf achten, dass der Stellplatz nicht nur Strom und Wasser beinhaltet, sondern auch Heiztechniken inkludiert. Viele Campingplätze mit Mobilheimen bieten beispielsweise einen Fernwärmeanschluss, der für das Tiny House natürlich Gold wert ist. Durch die kleine Wohnfläche ist die Heizmöglichkeit stets eingeschränkt. Normale Gascampingheizungen eignen sich häufig nicht, da die CO-Konzentration in der Luft durch den kleinen Raum zu schnell zu stark ansteigt. Ein fester Stellplatz auf dem Campingplatz bietet zudem die Möglichkeit, sich den Ort einzurichten und einen Garten anzulegen. Sicherlich geht die Mobilität so teilweise verloren, doch günstiger kommt man praktisch nicht an ein Eigenheim samt Gartengrundstück.

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Abbildung 2: Tiny Houses bietet nicht so viel Platz, können aber trotzdem sehr wohnlich sein. Bildquelle: @ Clay Banks / Unsplash.com

Fazit – auch die Freiheit der kleinen Häuser ist beschränkt

Tiny Houses sind wunderbare Häuser. Wer sich auf kleinem Raum sein eigenes Domizil bauen möchte, ist mit den Häusern gut bedient. Leider ist es in Europa nicht so, dass diese Häuser auf jedem Grundstück errichtet werden dürfen. Während auf Campingplätzen in Österreich die grundsätzliche Aufstellmöglichkeit besteht, sieht es auf normalen Grundstücken ganz anders aus. Je nach Bundesland gibt es zudem eigene Regelungen, die unbedingt erfragt werden müssen.