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Lifestyle | 08.08.2021

So viel mehr

Mit ganz viel Herzblut geht das erste LOESS IS MORE in Großriedenthal über die Bühne. Wir waren dort

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Großartig: Phoebe Violet (li.) und die "Königstöchter" Linda Pichler, Sophie Prusa und Rina Juniku (© Sophie Tautorus )

Herzlicher Empfang

Parkplatzsituationen vor Eröffnungen und Premieren sind immer eine spezielle Sache. Manchmal vergisst man die Zeit beim Aufbrezeln und muss dann vor Ort beim Parken „kreativ“ sein. In Großriedenthal, einer rund 1000-Seelen-Gemeinde im Bezirk Tulln, liefen da zwei Niederösterreicherin-Mitarbeiterinnen ausschließlich herzlichen Menschen in die Arme; ein Anrainer bot sogar an, vor seiner Einfahrt zu parken. Sehr charmant! Und das war erst der Beginn eines Abends, der voll unvergesslicher Momente und besonderer Begegnungen war.

Das Ehepaar Anna-Eva Köck und Gregor Schindler – sie ist Schauspielerin, er Architekt – übernahmen den historischen Lösshof mit einer großen Vision: Sie wollten ihn renovieren und gleich im ersten Jahr mit einem Festival namens „LOESS IS MORE“ eine neue Ära, nämlich die eines pulsierenden Kulturzentrums, einläuten. Mit einer Eigenproduktion und einem Konzert wurde am 5. August 2021 eröffnet; wir waren vor Ort – und kamen aus dem Staunen nicht heraus.

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Künstlerische Leitung Anna-Eva Köck und Gregor Schindler (© Sophie Tautorus)

Wind, Wetter und Schlafmangel getrotzt

Geschüttet hat es am besagten Tag beharrlich, die Pfützen erzählten abends noch davon. Die Stimmung im zauberhaft mit Lichterketten geschmückten Hof und Garten trübten die grauen Wolken aber keineswegs. „Selbst bei Hagel und Sturm konnten wir proben“, erzählt Anna-Eva Köck später auf der Bühne in einer Eröffnungsrede, die nicht nur Insider zu Tränen rührte. Die Bühne fand im seitlich offenen Stadel ein schönes Zuhause. Die Schauspielerin dankte unter anderem ihrem Mann, der sie in ihrem Festivalprojekt nach Kräften unterstützte, vielen Freund*innen, Unterstützer*innen und auch der Mama, die ihr so oft den Rücken stärkte. Viel Schlaf gab es in den vergangenen zehn Monaten nämlich nicht; das mehrtägige Festival, das Theater, Konzerte, Ausstellung, Kinderprogramm und selbst kulinarische und vinophile Highlights bietet, wurde parallel zu den Renovierungsarbeiten auf die Beine gestellt.

Mitunter sei mit so viel Feuereifer gearbeitet worden, dass auf die Gesundheit vergessen wurde, bedauert Anna-Eva Köck; nur wenige Tage vor der Premiere musste die Regisseurin in Krankenstand geschickt werden. Luca Pályis szenisches Projekt „Königstöchter“ übernahm last minute und bravourös Klara Rabl; mit ihrem Freund Marc Carnal, der auch zum Erzähler wurde, schrieben sie das Stück um.

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(© Sophie Tautorus)

Bis zum Fingerkribbeln

Phoebe Violet – sie entpuppt sich im Laufe des Abends als leidenschaftliches Multitalent – befiehlt zunächst die Mobiltelefone auszuschalten (welche Erleichterung!) und den Mund ausschließlich zum Lachen, Weinen oder für sonstige Emotionen aufzumachen. Die Künstlerin gibt eine „Gauklerin“, die sich pointiert mit einer Stimme aus dem Off um die Rolle des Erzählers streitet und parallel ihrer Geige und ihrer Kehle Großartiges entlockt. Auf der Bühne schlüpfen Rina Juniku, Linda Pichler und Sophie Prusa in Sophie Tautorus bemerkenswerte Kostüme, die zwar in Weiß gehalten sind und dennoch nicht bunter sein könnten. Nach dem Tod der Mutter hatte der König das Trio in einen Turm gesperrt – wartend auf einen potenziellen Thronfolger. Die drei Frauen drehen allmählich durch, das Publikum darf ihnen dabei zusehen – und erlebt sowohl zutiefst Komisches als auch Tragisches (manchmal erinnert es unweigerlich an skurrile Szenen der Coronaquarantäne). „Großartig“ und „Bravo“ rufen die Gäste beim tosenden Schlussapplaus, wir klatschen bis zum Fingerkribbeln begeistert mit.

Mit einem feinen, Seele streichelnden Konzert von „Luna and the Stars“ geht der Eröffnungsabend des ersten „LOESS IS MORE“ zu Ende. Wir finden: Das Festival muss ein Fixpunkt im Kalender werden. Bis zum 14. August wird unter anderem noch einmal „Königstöchter“ gespielt, aus der lang erwarteten Rabenhof-„Rozznjogd“-Produktion im September gibt es eine Kostprobe, es gastieren zudem Tina Haller und Lylit.

Programm und Tickets:

www.loesshof.com