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Lifestyle | 24.02.2022

Wer fängt sie auf?

Eine Liebesgeschichte, zwei Radikalisierungsverläufe: Mit „Der freie Fall im luftleeren Raum“ greift das Theater Jugendstil hochaktuelle Themen mit viel Feingefühl, Humor und packenden Dialogen für Schülerinnen und Schüler an.

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Im emotionalen Dschungel. Die gebürtige Kremserin Anna Zöch und der Schweizer Hisham Morscher (© Theater Jugendstil/Desiree Wieser)

Laute Musik. Zwei junge Menschen im Club. Es knistert zwischen ihnen. Da sind auch Missverständnisse und eine Kluft, trotzdem entwickelt sich etwas zwischen Karin und Karim.

Sie haben beide Probleme mit ihren Eltern. Und mit ihrem Umfeld. Wohin gehören sie? Vielleicht zueinander?
Doch während sie sich annähern, stolpern sie über Klischees und Vorurteile, kommen ins Straucheln – und fallen. Eine unter vielen Fragen, die das Theater Jugendstil mit seiner aktuellen Produktion stellt: Wer fängt sie auf – der rechtsradikale Freund oder der extremistische Salafist?

„Der freie Fall im luftleeren Raum“ lautet der Titel des Theaterstücks, das ab Ende Februar auf die Bühne kommt. Für gewöhnlich tourt der preisgekrönte, von den Schauspielerinnen Susanne Preissl und Sophie Berger gegründete Verein durch Niederösterreichs Schulen, aufgrund der Pandemie gibt es ein geändertes Konzept: Am 25. Februar findet die Premiere im Wiener Theater Akzent statt, doch weil Livevorstellungen für Schülerinnen und Schüler auf das Frühjahr verschoben werden müssen, wird eine professionelle Videoaufzeichnung auf Reisen geschickt.

Lehrreich, nicht belehrend. Gut, dass es nicht abgesagt wird, behandelt doch Autor Raoul Biltgen hier hochaktuelle Themen mit viel Fingerspitzengefühl. Motivation für seine Auseinandersetzung mit Radikalisierungsverläufen war der Terroranschlag eines jungen Mannes im Herbst 2020 in Wien, bei dem fünf Menschen getötet wurden. „Raoul Biltgen gelingt es mit dem Stück, heiße Eisen mit großer Direktheit zu behandeln, ohne den moralischen Holzhammer auszupacken“, findet Regisseur Christian Himmelbauer. Er scheut auch nicht davor zurück, mit Humor zu arbeiten.
In den Hauptrollen spielen Hisham Morscher – der Schauspieler und Musiker hat selbst marokkanische Wurzeln –  und die gebürtige Kremserin Anna Zöch. Während der Schweizer Künstler bereits bei der ersten Version 2017 auf der Bühne stand – „Der freie Fall im luftleeren Raum“ ist eine Überarbeitung und Neuinszenierung – spielt Anna Zöch erstmals speziell für junge Leute. Da gibt es sozusagen die vierte (unsichtbare) Wand gar nicht, weiß Regisseur Himmelbauer, „man spürt jede Reaktion aus dem Publikum intensiv“, ergänzt Susanne Preissl. Diesen direkten Draht mag Hisham Morscher, selbst wenn es viel Konzentration beim Spielen verlangt; aber er ermöglicht auch, dass danach Gespräche stattfinden können, sagt er. Wenn junge Menschen sich danach mit Klischees auseinandersetzen, habe man viel erreicht, findet Anna Zöch: „Vorurteile sind verantwortlich dafür, dass man den Menschen selbst nicht mehr sieht.“

Premiere: 25. Februar, 19 Uhr, Theater Akzent (Wien, Theresianumgasse); weitere geplante Termine ab Mai: 20. Mai (Theater Akzent), 23. Mai (Frei:Raum St. Pölten), 25. Mai (Stadttheater Bruck/Leitha); Schulen wird auf Anfrage kostenfrei eine Video-­Aufzeichnung zur Verfügung gestellt: www.jugendstil-theater.com.