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Lifestyle | 17.03.2022

„Fangen Sie im Badezimmer an“

Die Entscheidung für einen ressourcenschonenden Lebensstil liegt bei jedem von uns. Dass man mit vielen kleinen Schritten im Alltag einiges bewirken kann, weiß Lorraine Wenzel von Zero Waste Austria.

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Lorraine Wenzel, Geschäftsführerin von Zero Waste Austria (© Lea Fabienne Photography)

Die Erdbeeren am Markt kaufen, eine wiederbefüllbare Flasche verwenden, auf die Zahnbürste aus Holz umsteigen – es sind viele kleine Schritte, die in Sachen Nachhaltigkeit eine große Wirkung haben. Wie man sich am besten an einen ressourcenschonenden Lebensstil herantastet, hat uns Lorraine Wenzel, Geschäftsführerin von Zero Waste Austria, erklärt.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Frau Wenzel, es ist jetzt 14 Uhr, was haben Sie heute der Umwelt zuliebe schon alles gemacht?
Lorraine Wenzel: Unsere Heizung ist ausgeschaltet, ich habe heute noch keinen Abfall produziert und Naturkosmetikprodukte benutzt. Ich ziehe immer meine Ladekabel aus der Steckdose, sobald ich sie nicht mehr brauche, und ich habe meine selbstangebauten Kräuter und Gemüsesetzlinge gegossen.

Geht es bei Zero Waste Austria ausschließlich um Abfallvermeidung?
Nein, Zero Waste ist keine reine Abfallvermeidungsbewegung, sondern eine Klimaschutzbewegung. Es geht uns um jeden einzelnen Schritt, mit dem man als Einzelperson unser Klima schützen kann. Das beginnt bei der Mobilität und geht bis hin zum Lebensmittel- und Kleiderkauf. Im Prinzip sollten wir versuchen, bei allem, was wir im Alltag machen, die nachhaltigere Entscheidung zu treffen. Als Einzelperson kann man vor allem im Lebensmittelbereich sehr vieles bewegen, indem man zum Beispiel  unverpackte und saisonale Lebensmittel in Unverpacktläden oder am Markt kauft. Das sind Dinge, die jeder sofort umsetzen kann.

Mit dem richtigen Lebensmittelkauf kann man also einiges bewirken?
Ja genau, denn die Lebensmittelverschwendung ist in Sachen CO2-Belastung ein Riesenthema. Der Großteil an Lebensmitteln wird übrigens im Privatbereich weggeworfen.  Daher ist es wichtig, wie und wo man einkauft und wie man mit Lebensmitteln umgeht. Dass man zum Beispiel Reste wie trockenes Brot oder Gemüseschalen nicht wegwirft, sondern verarbeitet. Im Prinzip kann man von der Knolle bis zum Blatt alles verwerten.

Wie und wo soll man am besten mit der Umstellung beginnen?
Man sollte das Ganze langsam angehen. Am besten ist es, Schritt für Schritt vorzugehen, anstatt sich über Nacht voll und ganz reinzuhauen. Das funktioniert in den meisten Fällen nicht, denn wenn man sich genauer mit der Materie beschäftigt, merkt man schnell, wie viele Themenfelder mit hineinspielen. Am Beginn muss man sehr viel recherchieren und das kostet Zeit. Mein Rat ist, im Badezimmer anzufangen. Hat man ein Produkt aufgebraucht, schaut man sich nach Alternativen um. Beachten sollte man dabei auch, ob ein Produkt zum persönlichen Lebensstil passt. Auch in der Küche kann man mit Kleinigkeiten viel bewirken, indem man zum Beispiel auf ein ökologisches Spülmittel umsteigt oder eine Holzspülbürste mit Naturborsten benutzt.

Gibt es ein paar Regeln, wie man nachhaltig leben kann?
Man sollte unterwegs immer einen Beutel und auch eine wiederbefüllbare Trinkflasche mithaben. Ideal ist auch, zu einem Ökostromanbieter zu wechseln oder statt dem Auto mit dem Fahrrad oder den Öffis zu fahren. Das alles sind kleine Schritte, die eine große Wirkung haben. In unseren Facebook-Gruppen und am Blog auf unserer Website bieten wir viele Infos und Hilfestellungen an (www.zerowasteaustria.at).

Wenn sich viele Menschen für einen ressourcenschonenden Lebensstil entscheiden, kann man einiges erreichen.
Auf jeden Fall, wenn man sich zum Beispiel ansieht, wie viele vegane Produkte es mittlerweile am Markt gibt, ist das der beste Beweis, dass wir Konsumentinnen und Konsumenten eine Entscheidungsgewalt haben. Sobald wir ein bestimmtes Produkt kaufen, ist das ein Stimmzettel. Wenn viele Menschen für eine Sache stimmen – und das kann die kleinste Sache der Welt sein –, dann reagiert der Markt darauf.