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Lifestyle | 29.02.2016

So flirtet Dein Körper

Er wird in ausverkauften Sälen als der „Rockstar der Körpersprache“ gefeiert. Nun kommt Stefan Verra nach NÖ – und verrät uns schon vorab, was es mit dem Griff in den Schritt auf sich hat und warum wir beim Flirten den Kopf anders als bei der Gehaltsverhandlung halten sollten.

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KÖRPERFLÜSTERER. Stefan Verra analysiert pointiert unser aller Körpersprache – mit wissenschaftlichem Background und nie aus dem Zusammenhang gerissen. (© Severin Schweiger)

Alle Tassen müssen nicht im Schrank sein, doch im Idealfall alle fünf Sinne stimuliert werden, wenn man die große Liebe finden will. Eben deswegen würde Stefan Verra, seines Zeichens mit Humor und Schauspieltalent gesegneter Körpersprache-Experte, beim Kennenlernen nicht zu viel Zeit mit digitalen Nachrichten vergeuden. All die Botschaften, die unsere Körper unbewusst (!) senden, kann das noch so geistreiche Emoticon nicht wiedergeben.

Wie wird man Körpersprache-Experte?

Mit einem Bildhauer als Vater war schon in meiner Kindheit am Küchentisch Thema, wie eine Figur auszusehen hat. Das hat mich immer interessiert. Später begann ich, mich wissenschaftlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Vor allem mit Neurologie. Ich halte nichts vom Herumdeuteln einzelner Signale; jeder Mensch verschränkt schon mal die Arme, ohne verschlossen zu sein.

Ich bin nervös. Kann ich das verbergen?

Nein. Nervosität merkt man 30 Kilometer gegen den Wind. Das Hirn schaltet auf Alarm, Adrenalin wird ausgeschüttet, man ist in Bereitschaft loszurennen oder loszukämpfen. Besser ist es – etwa bei einer Präsentation – ehrlich, authentisch zu sein. Ich kann sagen: „Leute, ich hab mich bestens vorbereitet, ich bin nervös, weil ihr mir wirklich wichtig seid.“ Dafür erhält man Respektbekundung. 

Frauen beißen sich auf die Lippen, Männer greifen sich in den Schritt – sind das Botschaften?

Die Unterlippe ist eines der sensibelsten Körperteile. Eine Frau, die flirten will, fährt sich vielleicht über die Unterlippe oder beißt rein. Aber: Eine Mutter, die gerade erfährt, dass ihr Kind vom Klettergerüst gestürzt ist, beißt sich ebenso in die Unterlippe – aus Angst!

Mit dem Griff in den Schritt kann es sein, dass Männer den Blick zu ihren Fortpflanzungsorganen lenken wollen. In manchen Gegenden in Süditalien gibt es bis heute einen Brauch, wonach sich junge Männer in den Schritt greifen, wenn sie beim Haus eines kürzlich verstorbenen Mannes vorbeigehen. Sie sagen damit: „Wir sind noch da, wir können uns noch fortpflanzen.“ Oder aber: Das Verschränken der Hände vor dem Schritt kann auch ein Unsicherheitssignal sein. Jedes Signal hat eine Bedeutung, aber sie sind als einzelne Signale nicht eindeutig. Sie müssen im Zusammenhang mit der Situation gesehen werden.

 

Stefan Verra
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(© Severin Schweiger)
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(© Severin Schweiger)

Gibt es typische Fallen, in die Frauen bzw. Männer tappen?

Männer stehen oft breitbeinig da, wollen von Natur aus gefährlich wirken – sie mussten Familie und Nahrung beschützen. Das hilft beim Durchsetzungsvermögen, wirkt aber nicht sympathisch. Frauen hingegen machen sich oft kleiner; die Fußspitzen zeigen nach innen, der Kopf wird geneigt und sie lächeln. So wirken sie kontaktfreudiger – für die Gehaltsverhandlung ist die Körperhaltung aber nicht ideal.

Ich will flirten. Wie sende ich die richtigen Signale aus?

Niemand verliebt sich in Flirtsignale, sondern in den gesamten Menschen. Wenn ich aber in Kontakt treten möchte, muss ich auf die Sichtbarkeit von drei Körperteilen achten: Augen, Mund und Hände. Kontakthemmer sind: Sonnenbrillen, Frisuren, die die Augen verdecken und Hipster-Bärte. Es gilt die NN-Regel: Wenn mich ein Mensch kaum interessiert, betrachte ich ihn aus dem Augenwinkel. Steigt das Interesse, wende ich ihm das erste N, also die Nase zu, und dann den Rumpf, also das zweite N für Nabel. Das Wichtigste: lächeln. Damit zeige ich, dass ich nicht gefährlich bin.

Der Mensch sucht beim Flirten das, was er selbst nicht ist. Wenn wir nun Kleidung, Frisur und Ähnliches wegdenken, unterscheidet Frau und Mann wenig (im Gegensatz zum Tierreich). Also werden beim Flirten eben die Geschlechtsmerkmale extrem betont: Frauen zeigen etwa ihr Dekolleté, Männer stehen breitbeinig da.

Wie ist es bei Homosexuellen?

Es gibt unglaublich weibliche Männer, die gar nicht schwul sind und umgekehrt. Nicht anders ist es mit maskulin wirkenden Frauen. Die sexuelle Orientierung kann an der Körpersprache nicht abgelesen werden.

Wo bleibt die Körpersprache bei digitaler Kommunikation – reichen Emoticons?

Die Körpersprache ist 150.000 Jahre alt, älter als die Menschheit. Facebook und Co. sind da keine Bedrohung. Der Siegeszug der Emoticons passiert deswegen, weil das geschriebene Wort allein nicht reicht. Wir sind auf die Info aller fünf Sinnesorgane angewiesen. Darum bei der Partnersuche via Tinder und Co.: Nicht viel herumtun, wenn jemand sympathisch ist, treffen! Nur so weiß man, ob es passen könnte.

Die beste Pose für mein Social Media-Profil?

Auf einer Businessplattform wie Xing würde ich nicht das gleiche Bild verwenden wie auf Facebook, wenn ich auf Partnersuche bin. Hier punkten die klassischen Bilder: Männer schauen gerade in die Kamera, Frauen neigen den Kopf seitlich, blicken von unten nach oben, machen sich so kleiner.

Hat die Emanzipation Einfluss auf die Körpersprache?

Ich höre ständig von Frauen, dass sie eine starke Schulter zum Anlehnen wollen. Die Emanzipation ist ohne Zweifel eine der größten Errungenschaften unserer Zeit. Doch beim Flirten darf sie kurz aussetzen.

 

Stefan Verra live in NÖ & Wien

„Ertappt. Körpersprache: Echt männlich. Richtig weiblich“

11. März, 20 Uhr

Ober-Grafendorf, Pielachtalhalle

12. März, 19:30 Uhr

Tulln, Danubium

9. Juni, 19:30 Uhr

GLOBE WIEN – Marx Halle, Studio 2

Tickets und Infos: 

www.stefanverra.com

 

GEWINNSPIEL! 

Die NIEDERÖSTERREICHERIN verlost Stefan Verras Buch „Hey, dein Körper spricht – Worum es bei Körpersprache wirklich geht“ (Edel Books, ISBN: 978-3-8419-0325-9; € 15,40). Das Gewinnspiel finden Sie auf unserer Website www.nieder-oesterreicherin.at. Teilnahmeschluss ist der 16. März 2016.

Das Gewinnspiel findest Du hier.

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(© Edel Books)