Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 11.04.2020

Lagerkoller als Chance!

Selbstisolation, Homeoffice, räumliche Enge: Die Coronakrise stellt viele Paare vor neue und ganz spezielle Herausforderungen. Sie müssen plötzlich mit mehr Zeit und Nähe als üblich klarkommen. Doch genau das kann eine Chance sein, weiß die Linzer Psychologin und Psychotherapeutin Mag. Christa Schirl (www.christa-schirl.at).

Bild kristina-litvjak-FO18LpXMlvk-unsplash.jpg
Der momentane Shutdown bietet eine gute Chance, mit dem Partner wieder in Kontakt zu kommen und sich neu zu entdecken. © Kristina-Litvjak/unsplash.com

Frau Mag. Schirl, Sie sind für Ihre Klienten derzeit per Telefon, Skype oder online da, mit welchen Problemen kommen die Paare zu Ihnen?
Wir wissen aus der Forschung, dass sich viele Paare nach dem Urlaub oder auch nach Weihnachten trennen, da man viel mehr Zeit miteinander verbringt, als im Alltag. Durch die Einschränkungen aufgrund der Coronakrise sind wir jetzt in einer wesentlich schlimmeren Situation, da wir nicht genau wissen, wann diese Isolation wieder zu Ende sein wird und die ungewisse Zukunft Stress in uns erzeugt. Aufgrund der ständigen Nähe, kommt in Partnerschaften vieles raus, was nicht passt.

Das bedeutet Stress für Beziehungen?
Ja genau! Homeoffice, Homeschooling, Unsicherheit und auch existentielle Ängste sorgen für Dauerstress und da reagieren Menschen alles andere als entspannt. Das Stresshormon Coritsol sorgt dafür, dass Menschen gereizter und nervöser agieren. Die permanente Nähe sorgt für mehr Spannung. Wenn Paare ständig zu eng aneinanderkleben, können vermehrte Konflikte die Folge sein. Jede Beziehung ist ein Spiel zwischen Nähe und Distanz, daher ist es auch in Zeiten von Corona ganz wichtig, dass sich jeder seine Freiräume nimmt. 

Wie soll das zum Beispiel in einer 60 Quadratmeter-Wohnung ohne Balkon gehen?
Das ist natürlich schwierig, da momentan auch sämtliche Ablenkungen wie Aktivitäten mit Freunden oder Verwandten wegfallen. Auch Sport- oder Kulturveranstaltungen außer Haus fallen weg. Frauen brauchen weibliche Energie und gehen etwa mit Freundinnen auf einen Kaffee oder in die Yogagruppe, Männer finden ihre männliche Energie beim Tennisspielen mit Kumpel oder am Stammtisch. Wenn man den Partner ständig mit Nähe überfrachtet, kann das langfristig nicht gutgehen. Ein einziger Mensch kann nicht alle Bedürfnisse und Erwartungen abdecken. 

Wie kann man sich als Paar, vor allem in dieser schwierigen Zeit, wiederfinden?
Zuerst einmal sollte man an der eigenen Einstellung arbeiten und versuchen auch dieser Krise etwas Positives abzugewinnen. Das Glas ist entweder halb voll oder halb leer. Der momentane Shutdown bietet eine gute Chance, mit dem Partner wieder in Kontakt zu kommen und sich neu zu entdecken.

Wie kann das gehen, haben Sie ein paar Tipps für uns?
Bleiben Sie in der Früh länger im Bett, jetzt haben Sie ja endlich Zeit zum Kuscheln, egal ob mit oder ohne Sex. Frei nach dem Motto: Alles kann, nichts muss. Suchen Sie sich gemeinsame Rituale, wie etwa den täglichen Spaziergang oder genießen Sie abends mal ein schönes Candle-Light-Dinner zu Hause. Das größte Problem in Beziehungen ist, dass sie einschlafen und dass sich Partner auseinanderleben. Um Beziehungen lebendig zu halten, muss man selbst lebendig bleiben und sich mit etwas beschäftigen, das neu ist. Das geht auch während der Zeit der Selbstisolation, in dem man etwa regelmäßig mit Freunden skypt oder gemeinsam einen Online-Yogakurs oder -Tanzkurs macht. Bleiben Sie auch in diesen Zeiten kreativ und halten Sie Kontakt mit Freunden.

Was, wenn die Probleme zu groß werden, kann man sich auch in dieser Zeit Hilfe holen?
In jedem Fall, es gibt in Oberösterreich viele Paartherapeuten, die auch virtuell mit den Klienten arbeiten. Manche Paare nutzen – auch ohne große Konfliktdynamiken – diese Zeit auch, um sich wieder näher zu kommen und sich in gemeinsamen Werten neu auszurichten!

Mag. Christa Schirl
Psychologie / Psychotherapie
+43 (0)664 490 490 4
[email protected]
https://christa-schirl.at

Bild Schirl 2.jpg
Mag. Christa Schirl ©Peter Baier