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Lifestyle | 06.06.2018

Männer, Sex und Vatertag

Zum kommenden Vatertag möchte ich Ihnen ein paar Gedanken schenken. Gedanken zur männlichen Sexualität, über die nicht weniger Mythen existieren – idealisierte Bilder, die mit der Realität meist wenig zu tun haben – als über die weibliche.

Bild Vatertag-Illustration.jpg
Illustration: Laura Koller

Stereotype Mythen sind: Es ist sonnenklar, dass ein richtiger Kerl es einfach in den Gliedern hat, wie man einen hoch kriegt, die Mädels heiß macht und eine geile Nummer liefert. Er kann immer, will immer. Sexuelle Probleme haben echte Männer nicht. Sex passiert spontan, jede weibliche Berührung führt zu Sex (heißt Erektion und Geschlechtsverkehr) und beide kommen gleichzeitig. Guter Sex ist eben das Ergebnis von Leistung und Technik, Gefühle sollen Männer weder haben noch zeigen. Und alle nehmen’s leicht und haben Spaß! – Sie können gleich bei sich selbst überprüfen, welche irrealen Fantasiemodelle im eigenen Kopf stecken.

Karl-Heinz, 55 Jahre: Ich dachte früher, ich mach einfach Sex: vaginal, oral, anal, in der Öffentlichkeit, mit mehreren Partnern … Ich habe aber über die Jahre gemerkt, dass ich in Sachen Sex doch sehr verletzlich bin und auch nicht alles für mich passt. In meiner Beziehung habe ich mühsam lernen müssen, für meine Gefühle Worte zu finden, ohne Angst zu haben, dass ich verlassen werde. Was ich jetzt schätze, ist, dass ich weitaus weniger Stress habe, eine Erektion zu bekommen oder sie wieder zu verlieren. Wenn ich wegen Stress in der Arbeit oder anderer Konflikte nicht ganz bei der Sache oder einfach ausgepowert bin, mag ich nur in den Armen liegen. Das zu erkennen und anzunehmen, war und ist für mich eine große Erleichterung.

Reinhardt, 47 Jahre: Was ist ein Mann? Sicher kein Sexmonster, trieb- und schwanzgesteuert. Ein Mann ist ein selbstbestimmtes, seiner Sexualität bewusstes Wesen, dem es weder an Verstand noch an Gefühl fehlt, in der Partnerschaft seinen Mann zu stehen. Er bewegt sich im kraftvollen Spannungsfeld von Verstand und Gefühl.


Tipp:

Männer haben meist nicht gelernt und sind deshalb ungeübt, über sexuelle Unsicherheiten, Enttäuschungen und Fragen miteinander zu sprechen. So ist es auch schwierig, die gängigen Mythen zu hinterfragen. Wenn Sie es Ihren Söhnen leichter machen wollen, dann vergessen Sie dabei nicht, dass eine emotional innige und respektvolle Beziehung zwischen Vater und Sohn eine bedeutende Voraussetzung für eine gute Sexualerziehung ist. Das Fehlen einer solch zwischenmenschlichen Beziehung ist ein größeres Manko als mangelnde Aufklärung. Verbringen Sie genügend Zeit miteinander, hören Sie Ihrem Sohn wirklich zu, tragen Sie seinen Gefühlen und Neigungen Rechnung und zeigen Sie ihm Ihre Liebe und Anerkennung.