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People | 04.11.2015

Mathematik + Malerei = Minarik

Im Pariser Carrousel du Louvre gastiert Ursula Minarik aus Brunn/Gebirge. Die Malerei wurde der Steuerberaterin bereits in die Wiege gelegt und das Gleiche passierte offenbar bei ihrer Tochter. Erstmals stellen die drei Generationen Minarik gemeinsam aus.

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KUNST TRIFFT WIRTSCHAFT. Opa Johann, Tochter Ursula und Enkelin Jasmin Minarik (© Viktória Kery-Erdélyi)

Mozart, das Wunderkind, ein Genie. Sein Leben dennoch nicht nachahmenswert, findet Johann Minarik. Zumindest, was seine Firmenphilosophie bzw. die seiner Familie, Förderer und Co. anbelangt. „Ich wollte nie malen, weil ich Hunger habe“, sagt der sympathische Herr von 67 Jahren. Auch er war ein hochbegabtes Kind: Mit 13 kopierte er auf Bestellung Meister wie Van Gogh und Leonardo da Vinci, machte zudem Musik. Dennoch entschied sich Johann Minarik für eine Karriere in der Wirtschaft, machte sein Diplom in Welthandel und bekleidete Jahrzehnte hindurch Schlüsselpositionen in einem Erdölkonzern. „Unbezahlbar war meine Freizeit: Die gehörte der Malerei“, verrät er und schenkt seiner Frau ein liebevoll verschwörerisches Augenzwinkern. Seine taffe Christine sei bis heute seine Muse, Ideenlieferantin, härteste Kritikerin – und in seiner jüngst gegründeten Filmfirma auch seine Geschäftspartnerin. Das Spannende: Bereits zwei Generationen und vier schmale Frauenfüße schreiten in den Fußstapfen des kreativ wie wirtschaftlich ausgeklügelten Duos. Tochter Ursula Minarik hat ebenfalls ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium in der Tasche, betreibt ihre eigene Steuerberatungskanzlei und komponiert in Acrylfarben farbkräftige Arbeiten; ihre Tochter, die erst 17 Jahre junge Jasmin, verblüfft mit fotorealistischen Werken.

Ursula Minarik
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(© Privat)
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(© Privat)

Überspringende Funken

Papas Kunst – Johann Minarik blickt auf zahlreiche Ausstellungen und Auszeichnungen zurück – faszinierte seine Tochter von Beginn an. „Ich habe ihn sehr viel beobachtet und war auch ständig mit Block und Stiften unterwegs“, erinnert sich Ursula Minarik. Wenngleich ihre Kreativität schon im Volksschulalter
auffällt – eines ihrer Bilder wird als Weihnachtsgrußkarte vervielfältigt – entscheidet sie sich für den „sichereren“ Berufsweg. „Mach zunächst ‘was G‘scheites“, lautete die Devise. Sie arbeitet bereits als Steuerberaterin, studiert nebenbei und wird parallel dazu Mama – und trotzdem: Die lange in ihr schlummernde Liebe zur Malerei bricht plötzlich wie ein Vulkan heraus. Sie taucht ihren Pinsel verschwenderisch in Farben, um mit großzügigen Strichen fesselnde Momente, in denen zumeist Frauen die Hauptrolle spielen, auf die Leinwand zu zaubern. 2003 zelebriert sie ihre erste Ausstellung, eine Vielzahl weiterer folgen. Erst diesen Oktober gastierte sie mit fünf Werken bei einer internationalen Kunstmesse im Pariser Carrousel du Louvre.

Doch wann bitteschön kommt die Chefin einer Steuerberatungskanzlei zum Malen? „Statt Fernsehen am Abend und in der Früh, wenn alle außer Haus sind. Das ist meine Zeit“, sagt sie. „Da genieße ich den Tanz, das Gespräch mit der Leinwand.“ Die Uhr hat sie dennoch stets im Auge; um neun Uhr startet sie täglich in ihrer Mödlinger Steuerberatungskanzlei.

Eine künstlerische Ausbildung hat Ursula Minarik nie absolviert; ihren Stil, ihre Techniken festigte sie in Kursen mit renommierten Künstlern. Ein Fixpunkt im Kalender: eine Sommerakademie auf Zakynthos seit zwölf Jahren.

Johann Minarik
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(© Privat)
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(© Privat)

Die dritte Generation

Auf der griechischen Insel, „wohin wir immer fahren, weil dort die Farben zu  Hause sind“ (Ursula Minarik), passierte vor drei Jahren die Überraschung: Tochter Jasmin, damals erst 14, stellte sich kurzerhand dazu und begann zu malen, als hätte sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. „Sie stieg auf wie Phönix aus der Asche“, sagt ihre Mama stolz. „Und plötzlich war nicht mehr meine Tochter diejenige, die quengelte, weil sie Hunger hatte oder ins Wasser wollte. Ich bringe sie seither kaum von der Staffelei weg“, schmunzelt die Mutter. „Allerdings male ich fast nur dort: Jedes Jahr vier Bilder und ein halbes“, lacht die Tochter, Schülerin an der HLP Mödling (Produktmanagement).

„Jasmin ist die Analytikerin, sie hat
eine großartige Beobachtungsgabe“, schwärmt ihr kreativer Opa. „Sie malt nicht einfach ab. Sie reduziert oder verstärkt gewisse Dinge, sie interpretiert die Fotos.“ Und jetzt raten Sie einmal: Ebenso wie ihre Mama und ihren Opa verbindet auch Jasmin eine große Liebe zur Mathematik. „Allerdings könnte sie die erste in der Familie sein, die tatsächlich an der ,Angewandten’ studiert“, verrät Ursula Minarik. „Parallel dazu würde ich sicher noch etwas mit Zahlen, ein Wirtschaftsstudium, machen“, fügt Jasmin Minarik prompt hinzu.

 
 
Jasmin Minarik
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(© Privat)
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(© Privat)

Premiere

Die drei Generationen Minarik zeigen erstmals ihr Schaffen in einer gemeinsamen Ausstellung: am 19. November im Wiener Artopia sowie ab dem 24. November in der Mödlinger Galerie Vienna. Das künstlerische Sahnehäubchen: Groß­vater, Tochter und Enkelkind zeigen dort ihr erstes gemeinsames Triptychon.

 

Drei-Generationen-Ausstellung

Vernissage: 19. November, ab 18:30 Uhr: Artopia, „Kunst im Hinterhof“, 1040 Wien, Wiedner Hauptstraße 46

Ausstellung ab 24. November bis 5. Dezember: Galerie Vienna, Enzersdorferstraße 6, 2340 Mödling; Di.-Fr.: 10-18 Uhr, Sa.: 10-17 Uhr.

Um Anmeldung wird gebeten (bis 7. November): [email protected]