Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 06.03.2015

Babyblues statt Discofieber: Jugendliche Mamis erzählen

Wir ziehen den Hut vor zwei jungen Frauen: Wie die YoungMums Amanda, 18, und Lisa, 22, ihren Alltag meistern.

Bild GettyImages_509118331.jpg
(© Getty Images/Thinkstock)

Amanda

Nur kein Risiko eingehen. Am besten die Pille verschreiben lassen. Gleich einmal im Schlepptau mit Mama und Freund. So vernünftig die Motivation, so überraschend war das Ende dieses Ausflugs. „Ich kann Ihnen kein Rezept für die Pille geben, Sie sind in der fünften Woche schwanger“, sprach der Gynäkologe. Amandas Mama – damals 42 – schluckte. „Wir müssen zum Zug. Wir reden zuhause.“

„Es war eine sehr stille Zugfahrt“, sagt heute Amanda lachend.

Ihr Strahlen und ihre makellos junge Haut verraten sie. Alles andere klingt gar nicht nach Mädchen. Amanda lebt im Bezirk Korneuburg, ist 18 Jahre jung, eine kluge, selbstbewusste Frau – und Mama seit 17 Monaten. Ihr Sonnenschein hört auf den Namen Avial.

Als sie von der Schwangerschaft erfuhr, herrschte Chaos im Kopf. „Nur eines war klar: Ich bekomme dieses Baby“, sagt Amanda. Als der erste Schock verdaut war – immerhin sind ihre Geschwister erst 8, 14 und 16 Jahre alt – stellten sich ihre Eltern hinter sie. Sie räumten das Esszimmer aus und schufen für ihre Tochter und ihr erstes Enkelkind ein eigenes Reich.

Amanda hatte in den ersten sechs Monaten eine komplikationslose Schwangerschaft. Kaum war das erste BAKIP-Schuljahr (Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik) abgeschlossen, folgten ausgerechnet in den Ferien nervenaufreibende Monate: Sie hatte vorzeitige Wehen, der Muttermund öffnete sich, es drohte eine Frühgeburt. Die Kleine kam schließlich in der 38. Schwangerschaftswoche.

Bild Amanda3.jpg
Amanda, 18 Jahre, Mama von Avial (© Privat)

Nach der Ankunft

Avial war ein Monat alt, als die Beziehung von Amanda und ihrem Freund in die Brüche ging. „Ich war am Boden zerstört. Aber es hätte nicht länger funktioniert.“ Er habe sie zu wenig unterstützt, wenn Avial nachts weinte, hätte er sich selten zuständig gefühlt. Leider folgten auch nach dem Beziehungsende unschöne Konflikte; das Besuchsrecht des Kindsvaters wurde mittlerweile geregelt.

Amanda will vor allem eines: Mit ihrer Tochter, ohne die sie kaum einen Schritt macht, in die Zukunft blicken. Fixtermin im Kalender ist der Montag bei den Young Mums (siehe Info): Dort treffen sich junge Mamis und Schwangere bei einem Kochnachmittag unter Profi-Anleitung. Und zum Erfahrungsaustausch. „Da fahre ich extra mehr als einundeinhalb Stunden mit den Öffis nach Wien“, verrät sie. Zudem macht sie gerade den Führerschein, während eine Tagesmutter auf Avial aufpasst. Der Schulbesuch ab September ist auf Schiene: „Ich werde als Externe die BAKIP weitermachen.“ – „Ich möchte meine Ausbildung absolvieren, mir Arbeit und Wohnung suchen, damit ich möglichst bald unabhängig bin“, sagt sie mit verblüffender Überzeugung.

Und das Fortgehen? „Ich war zuletzt sogar mit einer Freundin in einer Therme und habe das erste Mal allein bei ihr geschlafen. Mama war super und hat auf die Kleine geschaut. Aber regelmäßig fortgehen? Das brauche ich jetzt gar nicht.“

Bild IMG-20150106-WA0009.jpg
Amanda und Avial (© Privat)

Lisa

Sie ist in Scheibbs aufgewachsen. „Unter anderem“, sagt sie. „Ich hatte eine komplizierte Kindheit.“ Zu ihrem Papa hat sie keinen Kontakt mehr, zu ihrer Mama an Feiertagen. Ein einziger Dreier, sonst lauter Einser und Zweier in der dritten Klasse der Tourismusschule. Ausgerechnet mit dem erfolgreichen Zeugnis erreichte die „komplizierte Kindheit“ offenbar ihren Höhepunkt. Lisa schmiss die Schule. „Ich bin nach Wien, wollte komplett neu anfangen“, sagt sie. Da war sie 18. Sie fand eine WG, begann eine Lehre als Konditorin. Ein einziges Mal habe sie nicht aufgepasst. „Und ich wurde schwanger.“

„Ich wollte immer Mama werden. Wenn ich einen Superjob und eine Superwohnung habe. Und sicher nicht im zweiten Lehrjahr.“ Trotzdem wollte sie das Kind. „Ich war ja keine 16 mehr. Ich hätte es einfach egoistisch gefunden, das Baby nicht zu bekommen. Ich fand nichts, was dagegen sprach.“ Glücklicherweise reagiert der Kindsvater positiv. Beide wissen, die große Liebe wird es nicht, doch er verspricht, die Verantwortung für das Kind mitzutragen.

Bild Lisa3.jpg
Lisa, 22 Jahre, Mama von Noah (© Privat)

Sie setzt ihre Lehre fort, erlebt eine Risikoschwangerschaft mit vielen Höhen und Tiefen. Als sie eine Gemeindewohnung bekommt, ist sie unendlich glücklich. Der wunderhübsche Noah tritt in ihr Leben und Lisas kleine, frisch geordnete Welt gerät völlig aus den Fugen. Schließlich ist sie weitgehend auf sich gestellt. „Ich höre immer nur, wie wunderschön diese erste Zeit für Mütter ist... Manchmal habe ich in einer ganzen Woche nicht mehr als zehn Stunden geschlafen. Ich habe mich relativ überfordert gefühlt“, sagt sie leise. („Lisa, ständig überfordert sind alle ehrlichen Mamas selbst jenseits der 30“, gestehe ich.)

Doch ihre Liebe und ihr Stolz über den Sohnemann sind riesig. Es dauert sieben Monate, bis sie den kleinen Mann das erste Mal überhaupt für ein paar Minuten aus der Hand gibt. Noahs Papa hält sein Versprechen. Er kommt seinen Sohn regelmäßig besuchen, zahlt pünktlich die Alimente. Der kleine Mann ist heute 16 Monate alt. Mittlerweile würde der Papa es sich auch zutrauen, Noah über Nacht zu nehmen. „Es wäre fein, sich einmal abends mit einer Freundin zu treffen. Aber ich bin noch nicht so weit“, erklärt Lisa.

Einen großen Schritt hat die heute 22-Jährige erst vor Kurzem hinter sich gebracht. Ihr Noah wurde an eine Tagesmutter gewöhnt, damit sie wieder die Berufsschule besuchen kann. Für den September ist der kleine Lockenkopf in einer Kinderkrippe angemeldet. Lisas Karenz geht zu Ende, sie wird wieder arbeiten. „Ich bin für diesen Lehrplatz sehr dankbar. Es ist eine tolle Firma, die darauf eingeht, dass ich erst um sieben Uhr anfange, damit ich den Kleinen nicht so früh wecken muss“, freut sie sich. Für eine Konditorin ist das schon eine „christliche“ Zeit.

Und Lisa hat noch große Pläne. Eines Tages will sie die Studienberechtigungsprüfung machen. „Pädagogik würde mich sehr interessieren“, verrät sie...

Bild Lisa5.jpg
Blondschopf zum Verlieben: Noah (© Privat)

Montag, den 9. März, lockt eine starbesetzte Musical-Gala zugunsten der YoungMums ins Wiener Metropol. Für weitere Infos klicke hier.


Info

Seit 2003 bietet YoungMum Jugendlichen medizinische Betreuung und professionelle Beratung während der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag des Babys – und zwar kostenlos. Zum Team gehören Hebammen, GynäkologInnen, SozialberaterInnen und PsychologInnen. Insgesamt erblickten bereits mehr als 1.700 YoungMum-Babys im Wiener Krankenhaus Göttlicher Heiland das Licht der Welt. Hebamme Uschi Reim-Hofer und Dr. Albert Mayer, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Krankenhauses leiten die Einrichtung. Mehr Informationen dazu unter www.young-mum.at

YoungMum erhält keine direkte Unterstützung der öffentlichen Hand – jede Spende zählt: Bank Austria, IBAN: AT68 1200 0515 1611 1711, BIC: BKAUATWW (Spenden sind steuerlich absetzbar).

Montag, den 9. März, lockt eine starbesetzte Musical-Gala zugunsten der YoungMums ins Wiener Metropol. Für weitere Infos klicke hier.