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People | 12.05.2015

Anpfiff der Ladies: Kick it like St. Pölten!

So ticken die Siegerinnen: Der österreichische Fußball-Frauenmeistertitel geht an den FSK St. Pölten

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In Action: Carina Mahr, 18 (© FSK Simacek St. Pölten)

"Der erste Titel ist immer der schönste", sprach Trainer Hannes Spilka und gab "seinen" taffen Ladies von St. Pölten gleich `mal ein paar Tage frei. Und zwar zum Feiern: Der österreichische Fußball-Frauenmeistertitel geht erstmals seit 2002 nicht an den SV Neulengbach, sondern an den FSK St. Pölten. Der ÖFB-Meistertitel war zwar schon am Samstag fix, dennoch fanden die Kickerin am Sonntag noch den Ehrgeiz für ein 4:0 gegen den ASK Erlaa. Wir trafen die Fußballerinnen schon vorm fulminanten Meistertitel und plauschten mit ihnen über die Faszination Fußball und ihre Ziele.

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Team A-Kader, ÖFB Frauen Bundesliga (© FSK Simacek St. Pölten)

Carina Mahr (18) spielt im U19-Nationalteam und hatte bereits einen Einsatz im Österreichischen Nationalteam.

Sie sind Schülerin im Nationalen Zentrum für Frauenfußball St. Pölten?
Ja, das BORG für Leistungssportler in St. Pölten bietet mir die Möglichkeit, neben meiner schulischen auch eine sehr professionelle Ausbildung im Fußball zu bekommen. Ich trainiere siebenmal in der Woche im Nationalen Zentrum für Frauenfußball. Die Trainingseinheiten decken neben dem technisch-taktischen Bereich und dem athletischen Bereich viele weitere Schwerpunkte im Fußball ab.

 
Von der U19 zu Ihrem ersten Spiel im Nationalteam. Wie haben Sie sich gefühlt?
Die Einberufung in die Nationalmannschaft hat mir sehr viel Freude bereitet. Bei den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Finnland und Kasachstan konnte ich sehr viele wertvolle Erfahrungen für die Zukunft sammeln. 

Ihre Ziele?
Mein größter Wunsch ist es, ein fixer Bestandteil in der Nationalmannschaft zu werden. Ein weiteres Ziel ist die Qualifikation der U19-Nationalmannschaft für die bevorstehende Europameisterschaft in Israel. Darüber hinaus möchte ich mit dem FSK Simacek St. Pölten-Spratzern erstmals den Meistertitel holen (ist bereits Realität!, Anm.) und zum bereits dritten Mal Österreichischer Cupsieger werden. 

 

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Birgit Muck, 22, Kapitänin 2. Liga Ost/Süd (© FSK Simacek St. Pölten)

Was fasziniert Sie am Frauenfußball?
Besonders die Entwicklung vom typischen Männersport in eine geschlechtsneutrale Sportart. Die Publicity, die Frauenfußball mittlerweile bekommt, trägt zusätzlich zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen bei. Der Sport hat über die Jahre immer mehr Ansehen gewonnen.

Sie sind Kapitänin der 2. Liga Ost/Süd. Eine große Verantwortung für die Elf?
Jede in der Mannschaft muss Verantwortung übernehmen, um einen reibungslosen Trainingsablauf und ein positives Klima zu gewährleis­ten. Meine Mann­schaft besteht aus sehr guten Fußballspielerinnen, deswegen bin ich sehr stolz, Kapitänin zu sein und möchte als gutes Vorbild vorangehen. Mir ist es auch wichtig, einen guten persönlichen Kontakt zu den Spielerinnen zu haben und bei jeder Art von Problem behilflich sein zu können. Ich möchte ein Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft sein, um bei Problemen vermitteln zu können. 

Neben Lehre mit Matura und zusätzlichem Arbeiten am Wochenende trainieren Sie drei- bis viermal die Woche, am Wochenende gibt es meistens noch ein Match. Wie geht sich das aus? 
„Ziel setzen. Arsch aufreißen. Ziel erreichen.“ Durch gutes Zeitmanagement und richtige Prioritätensetzung bringe ich alles gut unter einen Hut. Außerdem muss man sein Ziel kennen, und bereit sein, alles dafür zu geben. Ich sehe das Training als Ausgleich zur Büroarbeit und zum Stressabbau bei schlechter Laune, und um körperlich und geistig fit zu bleiben. Auch habe ich viele Menschen kennengelernt, die mein Leben bereichern. Natürlich haben sich einige Menschen von mir abgewandt, aber die Leute, die mich wirklich kennen und lieben, haben gelernt, damit umzugehen. 

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Die Frage ist schwer zu beantworten. Meine nächsten Ziele sind, die Matura positiv abzulegen, die Lehrabschlussprüfung bestmöglich zu bestehen und viel von der Welt zu entdecken. Ich sehe mich in fünf Jahren als bodenständige, erfahrene und starke Frau. 

 

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Sarah Wronski, 21, hat von 07/2012 bis 06/2014 beim FC Valencia in Spanien gespielt (© FSK Simacek St. Pölten)

Was fasziniert Sie am Frauenfußball?
Ich würde gar nicht zwischen Damen- und Herrenfußball differenzieren. Mich hat der Sport seit meiner Kindheit gefesselt. Seitdem ist er ein bestimmender Punkt in meinem Leben und wird es noch lange bleiben. Jedoch muss man sich als Frau oftmals beweisen, z.B. wenn einen die Burschen nicht mitspielen lassen wollten, weil man ein Mädchen ist. Da musste man seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Oder wenn man im Nachwuchs das einzige Mädchen in der Mannschaft ist, hat man es auch nicht immer leicht. Dadurch lernt man schon früh, sich alleine durchzusetzen. Abgesehen vom sportlichen Aspekt lernt man viel für das Leben und das ist das Besondere an dem Sport.

Wie lange spielen Sie schon?
Aufgrund dessen, dass mein Vater früher im Verein gespielt hat, war ich als Kleinkind oft auf Fußballplätzen und so wurde mir der Sport in die Wiege gelegt. Bis zu meinem elften Lebensjahr habe ich mit meinen Freunden im Käfig gespielt, bis mich einer mal zu seinem Training mitgenommen hat. Ich erinnere mich genau, dass mich der Trainer fragte, ob ich überhaupt weiß, wie man Fußball spielt. Nach dem Training haben sie mir die Anmeldungsformulare mitgegeben. 

Sie haben von Juli 2012 bis Juni 2014 beim FC Valencia in Spanien gespielt. Welche Unterschiede zu Österreich konnten Sie feststellen?
Auf sportlicher Ebene ist das Tempo des Spiels der größte Unterschied. Teilweise entspricht die Spielart der spanischen Vereine dem klischeehaften spanischen Tiki-Taka. Zu Beginn war ich damit etwas überfordert, aber das legt sich mit der Spielpraxis. Ein anderer wesentlicher Unterschied ist der Spielbetrieb und die damit verbundene Belastung pro Saison. Da in der Primera División 16 Mannschaften spielen (Bundesliga: 10) kommen mehr Spiele zusammen. Zusätzlich gibt es auch keine Winterpause, also spielt man von August bis Mai Meisterschaft und im Juni Cup. Da geht man gegen Ende der Saison schon an seine körperlichen Grenzen. Abgesehen davon, ist die spanische Liga ausgeglichener. Die acht bis zehn bestplatzierten in der Tabelle sind fast gleich stark und das macht die ganze Sache natürlich etwas spannender. In Österreich hast du Spratzern in St. Pölten und Neulengbach, die sich die Meisterschaft und den Cup untereinander ausmachen.

Zurzeit haben Sie einen Kreuzbandriss … 
Da es bei mir eine Reruptur war, ist die Diagnose im ersten Moment ein herber Schlag. In den ersten Wochen fiel es mir schwer, das zu akzeptieren, mich wieder aufzurappeln und mich zurückzukämpfen. Aber Fußball ist mein Ding und ich will wieder am Platz stehen. Klar gibt es jetzt noch schwere Momente, aber die gehören dazu. Die harte Arbeit der letzten Monate hat sich ausgezahlt, ich bin jetzt in der Endphase der Reha und freue mich schon riesig darauf, bald wieder spielen zu können. Mir ist auch bewusst, dass ich ohne der Unterstützung der Vereinsführung, meiner Mannschaftskolleginnen, meines Physiotherapeuten Jakob, und insbesondere meiner Freunde nicht da wäre, wo ich jetzt bin. Dafür möchte ich mich recht herzlich bedanken!