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People | 24.02.2017

Kultur als Lebensaufgabe

60 Jahre Volkskultur Niederösterreich. Ein guter Anlass, um mit der Geschäftsführerin der Volkskultur Niederösterreich und der Kultur.Region.Niederösterreich, Dorothea Draxler, ein Resümee der Erfolgsgeschichte zu ziehen.

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Herzensprojekt "aufhOHRchen": Dorli Draxler mit Julia Schenkermayr vom Ensemble "streichfähig"

Dorli Draxler im Interview

Fotos: Volkskultur Niederösterreich, Helmut Lackinger, Nadja Meister

Die Kultur.Region.Niederösterreich, die 2008 aus der Volkskultur Niederösterreich hervorging, umfasst heute einen Großteil der Agenden der Basiskultur im Bundesland. Seit Beginn prägt Dorothea Draxler die Arbeit und die Grundwerte dieser Kulturinstitution mit. Besonders der Bereich Volkskultur, der ursprünglich 1956 als Verband für die Bewahrung regionaler Kultur gegründet wurde, ist für Dorothea Draxler ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Die gebürtige Steirerin kam im Zuge ihres Studiums nach Wien und verschrieb sich dort mit ihrer Arbeit für das Niederösterreichische Volksliedarchiv bereits in jungen Jahren der Regionalkultur. 

Niederösterreicherin: Die Volkskultur Niederösterreich stellt neben der Volksmusik, dem Handwerk und den regionalen Bräuchen vor allem die Tracht ins Zentrum des Interesses. Warum ist das so wichtig für Sie?

Dorothea Draxler: Die Tracht einer Region ist ein wichtiges Identitätsmerkmal. Wir haben versucht, die Tracht aus ihrem „rechten Eck“ zu holen und ihr den Platz zu geben, der ihr gebührt. Sie ist Teil eines regionalen Selbstverständnisses. Als wir den Niederösterreich-Anzug gemeinsam mit Gexi Tostmann und dem Haus Schneiders neu konzipierten, war das niederösterreichische Selbstverständnis noch nicht sehr ausgeprägt. Zu sehr sah man sich als „Umland von Wien“. Heute sind die Niederösterreicher stolz auf ihre Herkunft und zeigen das auch. Es freut mich auch sehr, dass wir beim Niederösterreichischen Trachtenball jedes Jahr im Rahmen der Eröffnung den Auftanz der Bezirke präsentieren können, bei dem die Vielfalt unserer Trachten eindrucksvoll in den Blickpunkt gesetzt wird. Aber auch bei den verschiedensten Festivitäten kann man ein Revival der Tracht sehen. Im Geschäft im Haus der Regionen kann man sich von der Vielfalt der Trachten überzeugen oder auch Trachtenstoffe kaufen, um sich das eigene Dirndl zu nähen oder nähen zu lassen. Die kreative Auseinandersetzung mit regionaler Kultur hat wieder sehr an Bedeutung gewonnen!

 

 

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In Radlbrunn: Gexi Tostmann, die neue Trachtenbotschafterin Elisabeth „Sissi“ Pröll, Dorothea Draxler

Die Tradierung von regionaler Kultur, das Weitergeben an die Jugend, klingt in der Theorie sehr einleuchtend – wie sieht die praktische Umsetzung dieser Ideen aus?

Wir setzen einerseits auf die Weiterbildung, aber auch auf die unmittelbare Erfahrbarkeit von regionaler Kultur, um das Interesse wachzuhalten. Bereits zum 25. Mal findet das Niederösterreichische Volksmusikfestival aufhOHRchen statt – diesmal von 8. bis 11. Juni in Pöchlarn und Ybbs – und bringt als Wanderfestival Volksmusik, Regionalkultur und überregionale Künstler zusammen. Von der Straßenmusik bis zum Abendkonzert, vom Blasmusiktreffen bis zur Wirtshausmusik – die unterschiedlichsten Zugänge zu Volkskultur werden erlebbar gemacht und so Schwellenängste abgebaut. Jeder, der die Begeisterung von Volksmusikanten oder -tänzern live erlebt hat, kann sich dem kaum entziehen und bekommt vielleicht Lust, selbst mitzusingen, mitzutanzen oder mitzuspielen. aufhOHRchen ist ein Erfolgsprojekt, das uns jedes Jahr zeigt, dass wir nachhaltig und tiefgründig etwas bewegen können. Durch das große Begegnungsfest, das Musikanten, Sänger und das Publikum einbezieht, entstehen oft neue Ensembles, neue Chöre oder einfach nur Freundschaften, die später noch Jahre zu kontinuierlichem kulturellen Austausch führen.

Zu den Agenden der Kultur.Region.Niederösterreich, der Sie gemeinsam mit Dr. Edgar Niemeczek und Martin Lammerhuber vorstehen, gehören unterschiedliche Kulturinstitutionen. Wo liegen deren Gemeinsamkeiten?

In all diesen Bereichen geht es auch um die Persönlichkeits- und Herzensbildung. Es geht darum, selbst aktiv zu werden und Kultur und Bildung nicht nur zu konsumieren; es geht darum, Neuem gegenüber aufgeschlossen zu sein. Menschen, die sich ihrer Identität bewusst sind und starke Wurzeln haben, sind offen, Neues zu erfahren, denn soziale Kompetenz lernt man am Besten im Miteinander – zum Beispiel im Chor, Orchester oder im Ehrenamt. Emotionale Intelligenz entsteht im tatsächlichen Kontakt mit anderen und nicht virtuell über Social Media – davon bin ich überzeugt. Zu diesem Miteinander der Menschen möchten wir motivieren und so zu einer positiven Weiterentwicklung der Gesellschaft beitragen.

 

About

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Dorothea „Dorli“ Draxler. Die gelernte Pädagogin ist seit 1985 in der Kulturarbeit tätig. Die ersten Jahre als Archivleiterin im niederösterreichischen Volksliedarchiv, seit 1992 als Geschäftsführerin in der heutigen Volkskultur Niederösterreich und seit 2008 darüber hinausgehend als Holdinggeschäftsführerin in der Kultur.Region.Niederösterreich, die als Dachgesellschaft für insgesamt sieben Gesellschaften agiert. Dorothea Draxler, seit 1992 Festivalleiterin von aufhOHRchen, konnte die Volkskultur NÖ auf- und ausbauen. Seit 2000 gestaltet sie jeden zweiten Dienstag im Monat die Radiosendung aufhOHRchen auf Radio NÖ. Der landesweite Dirndlgwandsonntag trägt ihre Handschrift genauso wie das NÖ Adventsingen oder thematische CD- und Buchproduktionen. Auf ihrer Idee basiert die Initiative „Wir tragen Niederösterreich“. Sie setzt sich fortwährend für hohe Qualität und Präzision in den ihr anvertrauten Bereichen ein. Ein besonderes Anliegen sind ihr neben der Volkskultur die Entwicklung der Musikschulen und der Chorszene im Land. 2015 wurde ihr für die profunde Arbeit in Theorie und Praxis der Berufstitel Professorin verliehen. 

Die Kultur.Region.Niederösterreich wurde 2008 gegründet, um die Bereiche Volkskultur NÖ, Musikschulmanagement NÖ und das Museumsdorf Niedersulz organisatorisch zusammenfassen zu können. Mittlerweile wurde die Kulturholding um den Bereich NÖ Kreativ mit den Kreativ- und Begabtenakademien sowie der Initiative „Zeitpunkt Lesen“ und um das BhW-Bildung hat Wert (ehemals NÖ Bildungs- und Heimatwerk) erweitert. Die Holding umfasst außerdem das Museumsmanagement NÖ, das aus der Volkskultur NÖ ausgegliedert wurde. Umfassend betreuen die Betriebe der Kultur.Region.Niederösterreich die Bereiche Basiskultur, Kreativitätsentwicklung und Erwachsenenbildung.