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People | 20.03.2017

Stay tuned

Kinga Dula. Das klingt nach einem kreativen Künstlernamen. Ist es nicht. Es ist der echte Name einer jungen Frau aus Niederösterreich. Einer Musikerin, die an Schicksalsschlägen gewachsen ist und das Erlebte vertont. Stark, ehrlich & kraftvoll. Rock & Punk. Heart & Soul.

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Freddy, die Muse

Fotos: Fräulein Milena, Melancholie Maritim Photographie

Sie kann sich noch gut erinnern. Wie es war, damals im Flüchtlingslager in Thalham in St. Georgen im Attergau. Dankbar ist sie ihren Eltern für die Entscheidung, im Jahr 1988 vor dem Kommunismus in Polen nach Österreich geflohen zu sein. Dankbar ist sie für die Chance, in einem freien Land aufwachsen zu dürfen, obwohl es nicht immer leicht war. Siebenmal ist die Familie umgezogen, doch Vater Jaroslaw Dula hat es geschafft, seiner Familie eine gute Existenz aufzubauen. Es war eine behütete Kindheit, in der sie bald die Freude am Singen entdeckt. Vier Jahre ist sie alt, als sie – das Spielmikrofon in der Hand – zum Kassettenrekorder „I should be so lucky“ von Kylie Minogue trällert und die Mutter prophezeit: „Du wirst eine Musikerin!“ 

„Aufgewachsen bin ich mit Bands wie Queen, Pink Floyd und Led Zeppelin“, erzählt Kinga, die von ihrer Familie liebevoll „Kiki“ genannt wird. Aber ihr absoluter Hero und ihr Vorbild ist Freddie Mercury. Denn „er hat alles durchgezogen, was er sich vorgenommen hatte“, und als kaum einer daran glaubte, dass er einmal Rockstar werden würde, hat er beschlossen: „Dann werde ich eine Legende.“ Wer sie in letzter Zeit geprägt hat? „Laura Jane Grace von ‚Against Me!’ oder Brian Fallon von ‚The Gaslight Anthem’. Bei diesen Musikern spüre ich jedes einzelne Wort, das sie singen, weil sie es mit ganzer Seele machen.“ Authentisch, ehrlich sein, das ist auch ihr Anspruch an ihre Texte. „Ich schreibe über das Erlebte, das, was mich berührt. Ich will die sein, die ich bin. Das Leben ist mir zu wertvoll, als dass ich Spiele spiele.“ Mit ihren Songs will sie deshalb auch andere ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen.

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Muse & Hero: Rock-Legende Freddie Mercury

Am Schicksal reifen

Als Kinga 22 Jahre alt ist, mitten in ihrem Studium der Theater, Film- und Medienwissenschaften an der Uni Wien, stirbt ihre Mutter, Maria Dula, an einer schweren Krankheit. „Das war schlimm für mich – und ist es heute noch. Plötzlich durfte ich nicht mehr Kind sein und wurde abrupt in das Erwachsensein katapultiert. Mein Vater war völlig überfordert, und ich habe ganz unbewusst die Rolle unserer Mutter übernommen, obwohl meine Schwester Magdalena drei Jahre älter ist als ich“, erinnert sie sich an die schwerste Zeit ihres Lebens. Und trotzdem ist da etwas sehr Kostbares, Tröstliches, geblieben: „Ich habe immer so ein positives Licht im Kopf. Ich weiß, am Ende wird alles gut. Das habe ich von meiner Mama mitbekommen“, sagt die Künstlerin, die sich deshalb vertrauensvoll und gerne vom Zufall leiten lassen kann. Denn es war ein Zufall, dass sie nach dem Studium – und mit Hilfe ihres Vaters – gleich als Produktionsassistentin für die Serie „Vier Frauen und ein Todesfall“ engagiert wurde. „Das Team ist der Hammer, es war eine so wunderbare Erfahrung“, die sie heute noch zum Schwärmen bringt. 

 

Die Geburtsstunde des Soloprojektes Kinga Dula. Als sie im Jahr 2011 eine Augenoperation hat, über Wochen nicht lesen oder fernsehen kann, beginnt sie, Learning by Doing Gitarre zu spielen. Sie nennt es heute ihr „Akustik-Projekt“ oder „Ich und meine Gitarre“. Damit gibt sie ihren selbst geschriebenen Texten und ihrer starken Stimme eine ganz unvergleichliche musikalische Begleitung. Irgendwann erkennt sie, dass diese Songs nicht mehr zu ihrer Band „Deaf Frequence“, bei der sie von 2009-2014 gesungen hat, passen – und startet ihr Soloprojekt. „Ein halbes Jahr später hatte ich dann meinen ersten Auftritt in Kirchberg an der Pielach in einem kleinen Lokal“, erzählt sie über ihre Anfänge. Bis heute stand sie unter vielen anderen mit wunderbaren Künstlern wie Matze Rossi, John Allen, Divided Heaven, Doug C. And The Blacklisted (ehemaliges Mitglied der „The Descendents“), Bob Wayne oder Nick Woodland in Deutschland, Italien, Frankreich, Portugal, Tschechien, Schweiz, Schweden und den USA auf der Bühne. Ihre EP „Under Reconstruction“ enthält vier starke Songs, Episoden ihres Lebens. Gänsehautfeeling pur.

 

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Under Reconstruction: Kingas starke Songs gehen unter die Haut

Verrückte Leute

Mit der Band „Divided Heaven“ aus Los Angeles tourt sie als Vor-Act durch Europa und übernimmt ihr Tourneemanagement. Bis wieder – gerade als in ihr der Wunsch erwacht „ich will dorthin, wo gute Laune ist“ – der Zufall Regie führt: Als sie vor der Punk/Rockabilly-Band „Hard fall Hearts“ aus San Diego auf der Bühne steht, fragen die Musiker Kinga: „Hast du Lust, in Kalifornien zu spielen?“ Überglücklich nimmt sie an, gibt ihrer Seele in zwei Monaten Kalifornien eine zweite Heimat und denkt daran zu bleiben. Wäre da nicht er gewesen: „Floh“, der Polizist. In Wiener Neustadt. Die große Liebe. Heute leben die beiden mit ihren Max-Katzen „Tuiferl“ und „Sissi“ in Reichenau an der Rax. Hier gibt Kinga auch dreimal die Woche Yogakurse. „Als ich 2013 mit 80 km/h gegen einen Baum prallte und ich ein Schleudertrauma hatte, hat Yoga meinen Körper und meine Seele gestärkt. Diese Erfahrung möchte ich mit anderen, die ähnliche Situationen erleben mussten, teilen“, sagt die begeisterte Yogalehrerin, die diese Übungen der Beruhigung, Sammlung und Selbsterkenntnis aus ihrem Leben nicht mehr wegdenken möchte. 

Gerne besucht Kinga gemeinsam mit Musikern aus ihrer Reichenauer Wohnanlage den Musi­kerstammtisch im „Hübner“, um gemeinsam zu spielen. Mit dabei ist der Bühnentechniker der Festspiele Reichenau, von dem sie erfährt, dass man eine Assistentin sucht – und Kinga bekommt den Job als Regieassistentin. „Das ist meins, das Leben mit den Künstlern. Jede Sekunde kann etwas passieren“, und sie freut sich aus ganzem Herzen auf die Arbeit mit Beverly Blankenship, die Arthur Schnitzlers letztes Stück „Im Spiel der Sommerlüfte“ inszeniert. Und auch ihre Passion, die Musik, wird nicht zu kurz kommen. 2017 wird sie das eine oder andere Feature herausbringen. „Ich mache das, was meine Seele sagt. Wenn es fließt, dann ist es richtig. Ich folge meinen Träumen. Stay tuned and free!“