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People | 20.06.2017

„Schau, was aus mir geworden ist!“

Im Herbst wurde sie 50, auf der Bühne ist sie gerade 90 – Musicalstar, Wahl-Niederösterreicherin und zweifache Mama Maya Hakvoort im Interview über ihr Löwinnendasein und ihre aktuelle Rolle als Ode an ihre Mutter in „Don Camillo & Peppone“ im Ronacher.

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Maya Hakvoort im Interview (© Emmerich Mädl)

Das Publikum ist irritiert. Während die einen noch Prickelndes zu Lachsbröt­chen schlürfen, spaziert die alte Dame langsam über die Bühne. Bedächtig streift sie sich die Schuhe ab, lässt ihre Füße mädchen­gleich ins Wasser baumeln. Selbst in der Vorstellungspause bleibt Maya Hakvoort ihrer Rolle treu. Als die ZuseherInnen realisieren, dass sie quasi zwischendurch eine Zugabe von der alten Gina erleben, werden die Handys zum Knipsen gezückt. Doch die Musicaldarstellerin, die sich vor Jahrzehnten bereits als Elisa­beth in die Herzen der ÖsterreicherInnen sang, lässt sich nicht beirren...
Maya Hakvoort lebt heute mit ihren beiden Söhnen Joshua, 14, und Jason, 7, und ihrem Mann Marc in Brunn am Gebirge. Sie feierte erst im Herbst ihren 50er. Von wegen Anti-Aging – für die Rolle der alten Gina in „Don Camillo & Peppone“ am Wiener Ronacher lässt sie sich noch ein paar Jahrzehnte draufschminken. Aber nicht leichtfertig, erfahren wir hinter den Kulissen...

NIEDERÖSTERREICHERIN: Der 50er: ein magisches Alter?
Maya Hakvoort: Ja! Ich fange wie­der von Neuem an (lacht). Ich habe schon ein bisschen ein Problem damit, weil ich ewig jung sein möchte. Ich habe noch so viel zu tun! Wenn du 20 bist, liegt die ganze Welt vor dir. Ob ich zurückgehen würde? Ja! Ich habe es auch toll gefunden, mit 20 nicht alles zu wissen.


Andere lassen sich feiern, du hattest selbst einen großen Galaabend auf die Beine gestellt...
Ein Freund sagte zu mir: Maya, du wirst 50, das solltest du mit einem Konzert feiern. Ich hab gesagt: Bist du wahnsinnig? Weißt du, wie viel Arbeit das ist?! (lacht) Nach zwei Wochen habe ich beschlossen, dass ich mit ganz vie­len Leuten, die auch meine Freunde geworden sind, auf der Bühne stehen will. Ich habe sie gebeten, mit mir einen Song zu singen – als  Geburtstagsgeschenk.
Ich wollte mit diesem großen Konzert allen Leuten danken, die mir etwas bedeuten: Familie, Freunde, Regisseure, Choreografen, Kollegen, Intendan­ten, Generaldirektoren... Ich habe viele E-Mails geschrieben, ich habe Menschen eingeflogen, es war wahnsinnig viel Ar­beit. Und als ich dann auf der Bühne stand mit so vielen, mit denen ich im Herzen verbunden bin, sagte ich mir: Jetzt genieße ich. Es war magisch! Ich hatte viele schöne Konzerte, aber das war das schönste aller Zeiten!


Du sagst, du hast noch viel vor. Was denn zum Beispiel?
Nächstes Jahr produziere ich ein Musical in Brunn am Gebirge – den Titel verraten wir erst im Sommer, aber wir arbeiten bereits daran. Das macht wahnsinnig viel Spaß, weil ich mir alles aussuchen kann: Cast, Regie, Choreografen, Bühnenbild. Und ich werde auch selbst auf der Bühne stehen.

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AUFWÄNDIGES ALTERN. Ein Kunstwerk am Musicalstar vollbringen hier Sylvia Pamminger (r.) und Nina Beck (© Emmerich Mädl)

Du bekommst für deine Rolle in „Don Camillo & Peppone“ vier Jahrzehnte draufgeschminkt. Wie geht es dir damit?
Zu Beginn war das sehr konfrontierend. Ich war gerührt, ich dachte mir: Hilfe, ich bin noch nicht bereit, um mich in dieses Alter hineinzuspüren. Es hat etwas Melancholisches gekriegt. So empfinde ich aber auch schon, wenn ich an die Zeit zurückdenke, als ich mit dem Rucksack unterwegs war und noch nicht die Verantwortung für eine Familie hatte.
Ältere Menschen haben eine ganz andere Qualität, weil doch das Wichtigste wird, dass ihnen nichts weh tut, dass sie gut durch den Tag kommen – da geht es zurück zum Basic. Die Arbeit an der alten Gina tat mir auch gut, weil ich sonst eine Quirlige bin. Ich stellte fest, dass es auch schön ist, langsam zu gehen.


Wie bist du aufgewachsen?
Mit drei Geschwistern; ich bin die Jüngste. Mein Vater war ein techni­scher Mensch, immer in führenden Positionen. Meine Mama war Sportlerin, machte Yoga und sogar noch mit 66 eine Prüfung zum Windsurfen. Die Rolle der Gina ist ein bisschen eine Ode an sie, sie ist heute 87. Ihr war wichtig, dass wir alle eine Sportart ausüben und ein Musikins­trument lernen; nicht um bekannt zu werden, sondern weil es für sie zur Erziehung dazugehörte: Sport für Teamwork, Musik, um einander auf einer anderen emotionalen Ebene begegnen zu können.


Wie erleben deine Kinder ihre Mama als Künstlerin im Rampenlicht?
Sie sind stolz! Mein Großer möchte Filmregisseur werden. Er hat das gleiche Selbstverständnis, das ich habe: Hat man ein Ziel vor Augen, dann schafft man es auch. Mich kann auch niemand von meinem Weg abbringen. Nicht einmal eine Lehrerin, die mir als Jugendliche sagte: „Weißt du Maya, manche Leute haben’s, manche nicht.“ Das zündet bei mir ein Feuer, da werde ich zur Löwin: Ich werde es euch zeigen! Ich wollte seit meinem siebten Lebensjahr auf die Bühne, natürlich hat mich das etwas verunsichert. Ich sehe sie heute noch vor mir und würde ihr gerne sagen: Schau, was aus mir geworden ist!

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DAS VERBLÜFFENDE NACHHER. 40 Jahre altert Maya Hakvoort in gut zwei Stunden für die Rolle der alten Gina. (© Emmerich Mädl)

Du kamst für das bejubelte Musical „Elisabeth“ nach Österreich und wurdest zum Star. Wie hast du das erlebt?
Ich beschäftige mich mit der Rolle, mit der Kunst, und bin dankbar, wenn es gut ankommt. Starwerden...? Ich wurde lange nicht erkannt, ich trug auf der Bühne doch eine lange Perücke. Wenn ich mal angesprochen wurde, fand ich das zuerst ganz komisch. Als ich mei­nen Sohn bekam, baute ich automatisch eine private Energie als Schutz um uns auf. Ich sagte immer: Die Maya, das bin ich. Das andere ist Theater! Wenn du das Starsein zu sehr willst, dann bezahlst du einen hohen Preis. Das wollte ich nicht. Wir machten nie Homestorys, ich gab selten Familienfotos in die Öffentlichkeit.


Deine Familie hast du aber sogar auf Konzert-Tourneen nach Japan mitgenommen. Wie ging das?
Ich bin Holländerin; ich komme aus einem Ozeanvolk! (lacht) Ich dachte mir: Solange meine Söhne im Kindergarten oder in der Volksschule sind, kann ich ihnen den Stoff auch selbst beibringen. Wir haben das mit der Schule so besprochen, und es war super! Das erste Mal in Japan war mein erster Mann mit, beim zweiten Mal, Jahre später, mein jetziger Mann.

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ZAUBERHAFTE OMA. Nur ihre blitzblauen Augen und ihre unvergleichbare Stimme verraten sie: Maya Hakvoort als alte Gina in „Don Camillo & Peppone“ im Wiener Ronacher (bis Juni 2017) (© VBW/Deen Van Meer)

„Wenn Du das Starsein zu sehr willst, bezahlst Du einen Hohen Preis. Das wollte ich nie.“ - Maya Hakvoort

Wie funktioniert deine Patchworkfamilie?
Alle sind überall dabei – wie zuletzt bei Jasons Taufe, die er sich selbst gewünscht hat; man hat einander einmal geliebt, dann sollte das funktionieren. Die Menschen glauben, dass sie so viel über andere zu bestimmen haben. Das haben sie nicht, nicht einmal über Besitz. Wenn ich schon dieses „Meeeeein!” höre!


Du klammerst also nicht?
Natürlich muss man seine Existenz absichern. Aber wenn eine Beziehung aus­einandergeht, kannst du nicht über den anderen bestimmen. Für die Kinder ist es sowieso wichtig, dass das Miteinander trotzdem geht.


Du engagierst dich für die Harley Davidson Charity Tour. Die Passion fürs Motorrad ist geblieben?
Ich habe pausiert, als ich mein erstes Kind bekam. Vor sechs Jahren habe ich wieder angefangen – aber ich fahre nicht bei jedem Wetter! (lacht) Die Harley Davidson Charity Tour mache ich gerne! 300 Biker sind fünf Tage in Österreich unterwegs; mit dem Geld unserer Sponsoren kaufen wir Rollstühle für muskelkranke Kinder, lassen Lifte in Häuser einbauen, bezahlen Therapien und unterstützen die Medikamentenforschung gegen Muskelschwund. Da werden jährlich insgesamt mehr als 200.000 abgeholt!

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IM INTERVIEW. Maya Hakvoort mit Redakteurin V. Kery-Erdélyi (© Emmerich Mädl)

Es ist, was es ist

Stille ist... am Wasser sitzen.
Die Bühne ist...
mein Leben!
Familie ist...
die Liebe!
Die Liebe ist...
ganz wichtig.
Unfair ist...
Ungerechtigkeit.
Unvergesslich ist...
Respektlosigkeit.
Frausein ist...
das Schönste.
Elisabeth ist...
meine interessanteste, erfüllendste Rolle.
Erfolg ist...
relativ.

Info: „Don Camillo & Peppone” im Wiener Ronacher noch bis 25. Juni 2017; www.musicalvienna.at