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People | 04.10.2017

Ein Glas auf mich

Manuela Zimmermann ist Geschäftsführerin von Selecta Österreich und Deutschland. Beim Wellness-Wochenende mit einer Freundin ertastet sie zufällig einen Knoten.

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RÜCKENSTÄRKUNG. Mit Freund Paolo (c) Privat

Sie könnte das Testimonial für Selecta sein

Ihre Augen funkeln, sie sprüht vor Energie. Das hat mich schon beim ersten Interview mit Manuela Zimmermann für die NIEDERÖSTERREICHERIN umgehauen. Es war eine Story über eine zielstrebige Frau, die unbeirrbar die Karriereleiter hochkletterte: von der Assistentin in die Chefetage. Da war sie etwa ein Jahr Geschäftsführerin von Selecta Österreich, dem Spezialisten für Kaffee- und Snackautomaten.

Wir blieben in Kontakt, Monate später eine E-Mail, die ich bis heute archiviert habe. Unter das strahlende Foto mit ihrem Lebensgefährten schrieb sie: „...leider habe ich die Diagnose Brustkrebs erhalten und wurde operiert. (...) Diese Woche war die erste Chemo...“

Als wir diese Pink Ribbon-Ausgabe vorbereiteten, fragte ich sie, ob sie öffentlich über ihre Krankheit sprechen wolle. Sie überlegte keine Minute. „Sehr gerne mache ich das. Damit sich Menschen nicht entmutigen lassen.”

Das Funkeln in ihren Augen hatte pausiert, nicht aber ihr Lebenswille. Wer den Hintergrund nicht kennt, findet einfach ihre neue Frisur fantastisch. „Ich wollte seit meiner Kindheit lange Haare. Ich hab da so viel Aufwand betrieben. Es ist, als hätte mir das Leben sagen wollen: Die Haare sind nicht wichtig“, sagt sie, und eine Träne rollt ihre Wange hinunter. „Schreck dich nicht: Ich bin nicht traurig, aber wenn es um die Krankheit geht, kommen oft noch Tränen.“

 

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WIEDER GESUND. Manuela Zimmermann (c) Viktória Kery-Erdélyi

Sehnsucht nach Normalität

Hysterisch sei sie gewesen, als sie am Telefon das Ergebnis der Biopsie erfahren hatte; ihren Schmerz ertränkte sie für eine Nacht in Alkohol. Sie fängt sich schnell, für sie ist klar: „Ich will leben!“ In ihrem geliebten Job wollte sie so wenig Abstriche wie möglich machen. Ihre Chemos organisierte sie so, dass sie sich an den Wochenenden erholen konnte. „ Aber ich muss zugeben: Oft war ich mit dem Körper da, nicht aber mit dem Kopf.“

Das Interview führen wir im Wiener Neudorfer Büro, wo Manuela Zimmermann nur noch einen Tag die Woche ist. Nach der letzten Chemo wurde sie zusätzlich mit der Geschäftsführung von Selecta Deutschland betraut; sie lebt heute in Frankfurt. „All das hat nur funktioniert, weil ich in Österreich ein fantastisches Team habe“, betont sie. Als sie die Diagnose erhielt, versammelt sie die gesamte Belegschaft, um ihnen von ihrer Krankheit zu erzählen. „Da flossen viele Tränen“, erinnert sie sich. „Aber ich habe gesagt: Am Donnerstag, um zehn Uhr, wenn ich operiert werde, trinkt ihr einen Prosecco auf mich.“

Komplementärmedizinische Therapien hätten sie so weit gestärkt, dass sie nicht in Krankenstand gehen musste. „Davon hat die Krankenkassa nichts übernommen. Ich weiß, was und wie ich es mir leisten kann. Aber was macht in so einer Situation eine Supermarktkassierin?“, grübelt Manuela Zimmermann.

Im Laufe der Chemos wird die Energie weniger. „In mein Schlafzimmer schaffte ich es über die Treppen nur noch auf allen vieren.“ Eine harte Prüfung für ihre frische Beziehung. „Ich wollte in der Arbeit funktionieren; meine Müdigkeit, meine Launen bekam Paolo ab. Er war großartig: Wenn ich heimkam, stand das Essen auf dem Tisch. Ohne ihn, meine Familie und Freundinnen hätte ich das nicht geschafft.“ Manuela Zimmermann gilt seit dem Frühjahr 2017 als geheilt.