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People | 05.12.2017

In verschiedenen Welten unterwegs

Klaudia Tanner hat sich in den letzten sechs Jahren als überaus beliebte Direktorin in die Geschichte des Niederösterreichischen Bauernbundes eingeschrieben. Mit Beharrlichkeit an der Sache, weiblicher Intuition und als Vermittlerin zwischen Bauern und Konsumenten steht sie für eine gelebte Vielfalt. Für unser Covershooting präsentiert sich die Juristin in edler Haute Couture. Natürlich aus Niederösterreich.

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(© Aqila Picture)

Es herrscht beste Stimmung, als wir in der Reitschule von Schloss Grafenegg zusammenkommen, um unser Cover zu fotografieren. Die modebewusste Klaudia Tanner scheint die Auswahl an Abendkleidern richtig zu genießen, greift mit sicherer Hand zu Modellen, in denen sie sich wohl fühlt und wählt dazu ihre bevorzugten Schmuckstücke. Auch beim Spiel vor der Kamera kommt der Spaß nicht zu kurz – wenn auch in regelmäßigen Abständen ihr Handy läutet, und sie in Sekundenschnelle von der für sie ungewohnten Rolle eines posierenden Models in die der taffen Managerin switcht. Hier ist sie in ihrem Element: im Einsatz für die Bäuerinnen und Bauern, die gerade einmal vier Prozent der heimischen Bevölkerung ausmachen. Jene vier Prozent, die das ganze Land mit selbst erzeugten Lebensmitteln versorgen, und somit das Rückgrat des ländlichen Raums darstellen. Dafür arbeitet, dafür lebt sie.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Frau Direktorin,  Sie sind nun als erste Bauernbunddirektorin Niederösterreichs bereits sechs Jahre im Amt. Zeit, ein kurzes Resümee zu ziehen?

Klaudia Tanner: Es waren ohne Zweifel sehr anstrengende Jahre, weil wir uns um unsere Bäuerinnen und Bauern tagtäglich von Montag bis Sonntag, an 365 Tagen im Jahr, kümmern. Eine der vordringlichsten Aufgaben in dieser Zeit war, die Konsumentinnen und Konsumenten zu Partnern unserer Bäuerinnen und Bauern zu machen, denn die Menschen hatten sich schlichtweg von der Landwirtschaft entfernt – nicht zuletzt weil es einen Strukturwandel gegeben hat. Wir haben uns also bemüht, ihnen wieder ein realistisches Bild der Landwirtschaft – fernab jedes Werbekitsches – zu vermitteln. Ich denke, mit unseren groß angelegten Kampagnen, wie „Unser Essen: Gut zu wissen, wo‘s herkommt“ über die Herkunftsbezeichnung in Großküchen, und „Was den Bauern bleibt“, eine Kampagne, die eindrucksvoll darlegt, dass unsere agrarischen Erzeuger an ihren Produkten nur einen geringen Bruchteil dessen, was Konsumenten als Endpreis für die Ware zu bezahlen haben, verdienen; oder mit „Beste Qualität – da schau‘n wir drauf“ wie auch mit unserer Aufklärungsarbeit gegen die Lebensmittelverschwendung, ist uns das auch sehr gut gelungen.

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Brokatkleid und Mantel aus Merinoschafwolle mit Seidenrüschen am Kragen und an den Ärmeln (© Aqila Picture)

Auch das traditionelle Rollenbild der Frau in der Landwirtschaft hat sich maßgeblich verändert. Heute werden nahezu die Hälfte der bäuerlichen Betriebe in Niederösterreich von Frauen geführt ...

Ja, das stimmt, genau genommen sind es 45 Prozent. Damit liegen wir deutlich über dem Bundesschnitt. Und diese Bäuerinnen haben zweifelsohne sehr herausfordernde Aufgaben, weil sie sehr oft nicht nur im Betrieb eingesetzt sind, sondern auch einer Beschäftigung außerhalb des Bauernhofes nachgehen müssen. Im Nebenerwerb tätig zu sein, heißt dann eben nicht nur acht bis zehn Stunden zu arbeiten, sondern sehr viel mehr. Da haben sich die Bäuerinnen am Ende des Tages auch von der Gesellschaft ganz besondere Wertschätzung und Respekt verdient. Nicht zuletzt deshalb, weil sie uns tagtäglich mit frischen, genfreien Lebensmitteln aus der Region versorgen, die wir alle genießen dürfen.

Auffallend viele junge Menschen stehen wieder für traditionelle Werte, sind stolz auf ihre Region, schätzen die Ursprünglichkeit und Echtheit der Produkte. Ihre intensive Imagearbeit für die Landwirtschaft scheint Früchte zu tragen ...

Seit ich diesen Job mache, habe ich die Öffentlichkeitsarbeit als eines der wichtigsten Dinge angesehen, um den Bäuerinnen und Bauern auch den Respekt zu erweisen. Wenn wir uns den Bereich Mode anschauen, dann wurde damals die Tracht – Dirndl und Lederhose – noch etwas verächtlich angeschaut. Das hat sich in den letzten Jahren unglaublich verändert. Vielleicht hat es ja auch damit zu tun, dass, je weiter und unüberschaubarer die Welt wird, man sich wieder umso mehr auf seine Wurzeln konzentriert. Das ist etwas, was ich mir zu Beginn meiner Tätigkeit vorgenommen habe: Die Wurzeln nicht zu vergessen, aber dennoch Neues zuzulassen und zu verändern.

Eine Ihrer großen Herausforderungen war es auch, die Landwirtschaft in das digitale Zeitalter zu führen. Stichwort „Landwirtschaft 4.0“ ...

Ich denke, die Digitalisierung bringt in manchen Bereichen auch der Landwirtschaft große Chancen und Erleichterungen. Mit „Smart-Farming“ haben schon viele innovative Landwirtinnen und Landwirte ihren Weg in die Zukunft gestaltet. So können Drohnen als Entscheidungshilfe über den Bewässerungsbedarf am Feld nützlich sein. Via Handy-Apps kann man zum Beispiel Pflanzenkrankheiten früh erkennen; GPS-Systeme unterstützen eine punktgenaue Arbeit am Feld; und Melk- und Fütterungs-Roboter optimieren die täglichen Arbeitsabläufe und tragen zur Tiergesundheit bei. Innovationen in der Landwirtschaft werden heute aber nicht nur durch moderne Technologien gesetzt. Der Schlüssel für die künftige Entwicklung der bäuerlichen Landwirtschaft liegt auch im Wissen, Können und Wollen der jungen Generation.

„Mein Credo ist, Neues zuzulassen, ohne dabei unsere Wurzeln zu vergessen.“ - Klaudia Tanner

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SEITENWECHSEL. Als Bauernbund-Chefin meist am Podium, zeigt Klaudia Tanner hier die perfekte Kombination für einen genussvollen Theaterabend. (© Aqila Picture)

Eine persönliche Frage: Oftmals sieht man Sie in Tracht oder Jeans, heute einmal in Haute Couture sowie Schmuckdesign aus Niederösterreich. Wie fühlen Sie sich?

Es war ein ganz tolles Erlebnis, einmal in eine komplett andere Rolle schlüpfen zu dürfen. Das ist ja auch das Wunderbare an meinem Job: In verschiedenen Welten unterwegs zu sein und sich dort dann auch wohl zu fühlen. Dass die beiden Designerinnen, Elisa Malec und Katrin Waach-Köllnsperger auch aus Niederösterreich sind, hat für mich auf jeden Fall zudem noch eine ganz besondere Qualität! So wie wir es im Bereich der Lebensmittel auch hochhalten, ist es etwas Wunderbares, Design aus Niederösterreich tragen und spüren zu dürfen.


Sie stehen tagtäglich in der Öffentlichkeit und gelten als sehr modeaffin. Worauf legen Sie bei Ihrer Kleidung besonderen Wert?

Dass ich mich darin wohlfühle. Ich muss mich in den Spiegel schauen können und mit mir zufrieden sein. Zudem sind meine Arbeitstage sehr lange, da muss es auch bequem sein.


Ihre Tochter Maxima ist jetzt elf Jahre alt. Wie bekommen Sie Ihre Familie und einen mindestens 16-Stunden-Job unter einen Hut?

Ich denke, meine Herausforderung ist dieselbe wie für alle Frauen, die berufstätig sind, oder eine Führungsposition innehaben. Umso mehr bemühe ich mich, mir Zeitfenster zu schaffen, in denen ich mit meinem Mann, unserer Familie und unseren Freunden dann auch wirklich qualitative Zeit verbringen kann.


Finden Sie – angesichts Ihres Terminkalenders – noch Zeit, selber zu kochen?

Ja, das genieße ich sehr! Denn beim Kochen kann ich am besten abschalten und entspannen – und das ist das eine oder andere Mal auch notwendig (lacht).

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MIT GROSSER FREUDE IM EINSATZ. Zu Besuch am Bauernhof von Elisabeth und Franz Bruckner in Kleinotten (© NÖ Bauernbund / Gabriele Moser)
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(© NÖ Bauernbund / Gabriele Moser)

Was wird bei Ihnen zu den Festtagen auf den Tisch kommen?

Ich denke, wir werden dieses Jahr Waldviertler Karpfen genießen, aber das werde ich mit meiner Familie noch besprechen, denn die haben da doch ein Wörtchen mitzureden.


Wie haben Sie persönlich den Nationalratswahlkampf erlebt?

Das war ein ganz besonderer Wahlkampf – von einem neuen Stil getragen, der jetzt, so denke ich, auch in eine ganz neue, positive Zukunft führen wird.


Wie bereiten Sie sich auf die Landtagswahlen vor?

Wir sind viel mit unseren Kandidatinnen und Kandidaten zusammen, probieren ihnen jede Unterstützung zu geben, und sind sehr viel bei den Menschen draußen unterwegs – Tag und Nacht, von Montag bis Sonntag. Und immer mit viel Freude!


Sie sind studierte Juristin, haben bereits eine flotte Karriere in der Wirtschaft wie auch in der Politik hingelegt. Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal etwas anderes zu tun?

Jetzt bin ich den niederösterreichischen Bäuerinnen und Bauern verpflichtet, aber ich war immer offen für neue Herausforderungen. Das kann schon einmal durchaus der Fall sein (lacht).


Und wenn – wie jetzt oftmals spekuliert – ein Ministeramt winkt?

Das steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht zur Diskussion (lacht).

 

WORDRAP

Ich höre gerne ... Robbie Williams.
Ich lese gerne ... Gedichte.
Ich bewundere ... meine Mutter.
Meine Familie ... ist das Wichtigste für mich.
Meine größte Stärke ... ist Beharrlichkeit.
Meine größte Schwäche ... manchmal bin ich zu ungeduldig.
Meine Leibspeise ... Wiener Schnitzerl mit Erdäpfelsalat
Walzer oder Rock ‘n‘ Roll ... Rock ‘n‘ Roll.
Für 2018 wünsche ich mir ... Gesundheit für meine Liebsten
und mich – und einen wunderbaren Wahlerfolg am 28. Jänner 2018
für Johanna Mikl-Leitner und uns alle.

 

Produktion: Angelica Pral-Haidbauer, Viktória Kery-Erdélyi
Fotos: Aqila Picture, www.adca.at
Styling & Haare: Dirk Nebel, www.dirknebel.com
Couture: Elisa Malec, www.elisamalec.at
Schmuck: Katrin Waach-Köllnsperger, www.ohrangerie.com
Location: Reitschule Schloss Grafenegg,
NEU: Vom 31. März bis 02. April 2018 wird erstmals der „Grafenegger Frühling“ stattfinden.
Weitere Infos: www.grafenegg.com