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People | 22.02.2018

I am from Maria Enzersdorf

Sie sprüht weiterhin Funken, seiner Stimme könnte man ewig lauschen: Jetzt sind Elisabeth Engstler und Andreas Steppan ein Paar. Auf der Bühne. Privat sieht ihr Glück ganz anders aus.

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MITREISSEND. Fendrich-Ohrwürmer in geballter Ladung, Liebesgeschichten mit einer verträglichen Portion Kitsch und jede Menge Witz. An der Spitze des „I Am From Austria“-Ensembles: Ein genialer Lukas Perman (r.) als verliebter Hotel-Juniorchef, Elisabeth Engstler und Andreas Steppan überzeugen als seine Eltern. (© Vereinigte Bühnen Wien / Deen Van Meer)

Sie wuchs in „ihrem“ geliebten Kärnten auf, er ist geborener Oberösterreicher. Heute leben Elisabeth Engstler und Andreas Steppan mit ihren Familien in Maria Enzersdorf – und könnten quasi eine Fahrgemeinschaft bilden, stehen sie doch im Erfolgsmusical „I Am From Austria“ gemeinsam auf der Bühne. Und zwar als Ehepaar, dessen Glück im Laufe der Jahre verloren ging. Ob es wieder kommt, erfährt man noch vor den allabendlichen Standing Ovations im Raimund Theater. Wir trafen die beiden zum Interview vor einer Vorstellung.

NIEDERÖSTERREICHERIN: Welcher ist euer liebster Rainhard Fendrich-Song – und warum?
Elisabeth Engstler: Irrsinnig gut gefallen hat mir immer „Strada del Sole“, das ja mein geliebter Ehemann auf der Bühne singt. Ein grenzgeniales Lied! Ich mag Lieder, die Geschichten erzählen. Jetzt habe ich dieses alte, mir vorher unbekannte Lied entdeckt, das ich auf der Bühne singe: „Liebeslied“. Es hat unheimlich viel Herzlichkeit, Wärme und noch etwas, das ich sehr schätze: Es kann mit sehr wenigen Worten sehr viel sagen.
Andreas Steppan: Mein Lieblingslied ist eindeutig „Weus‘d a Herz hast wia a Bergwerk“, da gehe ich mit 90 Prozent aller Österreicher konform (schmunzelt). Es rührt einen, es trifft mitten ins Herz. Besonders Zeilen wie „weus‘d den Grund warums‘d bei mir bist nimma waßt“ …

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„Wenn Menschen vor Dir sitzen, Herrscht eine andere Energie.“ - Andreas Steppan, Musicaldarsteller (© Gregor Buchhaus)

Hast du Bilder im Kopf, wenn du an dieses Lied denkst?
(Elisabeth flüstert: Deine Frau! Deine Frau!)
Andreas: Natürlich meine Frau! Im Theater Akzent habe ich ein Silvesterkonzert gemacht – und dieses Lied gesungen und auch meiner Frau gewidmet. Das war sehr schön!
„I Am From Austria“ hat tolle Kritiken. Habt ihr die mit Spannung erwartet oder zählt mit den Jahren der Erfahrung die direkte Publikumsreaktion mehr?
Elisabeth: Negative Kritiken treffen einen immer nur dann, wenn man bei sich oder bei einem Stück schon selbst Mangelpunkte entdeckt hat und dann werden sie auch noch aufgedeckt. Wenn Kritik wiederum sehr fantasiereich ist, dann muss man sie auch ins Reich der Fantasie geben. Bei „I Am From Austria“ sind die Publikumsreaktionen so phänomenal, so überwältigend! Wenn die einen nicht mehr beeindrucken, dann weiß ich nicht … Das Publikum, das jeden Abend aufsteht: Das ist einfach sensationell.


Ihr seid beide auch TV-Profis; sind eben diese direkten Reaktionen der Reiz an der Bühnenarbeit?
Andreas: Absolut! Da herrscht eine ganz andere Energie, wenn die Menschen vor dir sitzen.
Elisabeth: Du spürst richtig, wenn sie mitfühlen, wenn sie mitgehen …
Andreas: … aber auch, wenn sie nicht mitgehen (lacht).
Elisabeth: Auch das. Nicht nur die Quantenphysik hat festgestellt, dass wir alle miteinander verbunden sind. Das ist fühlbar. Wobei: Wenn ich für das Fernsehen moderiere, stelle ich mir auch immer Menschen hinter der Kamera vor.

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„Du Spürst, wenn Das Publikum mitfühlt und mitgeht.“ - Elisabeth Engstler, Musicaldarstellerin (© Gregor Buchhaus)

Ihr singt, spielt, inszeniert – in den Köpfen der Österreicher gibt es aber noch immer die Lizzi Engstler von „Wurlitzer“ und den Andreas Steppan als „Selfman“ (Heimwerkerserie in den 1990ern, Anm.). Wie geht es euch damit?
Elisabeth: Gut! Sogar dann, wenn sich jemand vor mich hinstellt und singt: „Sonntag, so ein Sonnentag“ (sie hatte damit beim Songcontest 1982 teilgenommen, Anm.). All diese Dinge, die ich gemacht habe, sind ein Teil von mir. Und weil ich ein sehr neugieriger Mensch bin, hoffe ich ebenso, noch viele Dinge vor mir zu haben. Ich bin ein Abenteuermensch; viele Abenteuer habe ich gar nicht angesteuert, sie sind auf mich zugekommen. Begonnen habe ich ja eigentlich als Medizin-Studentin. Aber ich komme mit all dem sehr gut zurecht und finde auch meinen geliebten Angetrauten (sie spielt auf die Rolle im Musical an, Anm.) entzückend als Selfman.
Andreas: Ich habe auch überhaupt keine schlechten Gefühle! Ich habe der Popularität vom „Selfman“ sehr viel zu verdanken.


In welcher Rolle seht ihr euch gerne?
Andreas: Je älter ich werde, desto lieber mache ich Regie. Grundsätzlich sehe ich mich am liebsten als Schauspieler – und als Unterhalter wie bei meiner Silvestershow, bei der ich mit meinem Programm gemeinsam mit fünf Musikern aufgetreten bin.
Elisabeth: Ich bin eine Geschichtenerzählerin und trete sehr gerne mit Menschen in Verbindung. Ich liebe es, gemeinsam Neues zu entwickeln: ob als Sängerin, Schauspielerin oder Köchin.


Ihr spielt im Musical ein Ehepaar. Wie sieht euer privates Glück aus?
Andreas: (in Richtung Elisabeth) Schau mich nicht so an, ich komme darin nicht vor! (beide lachen)
Elisabeth: Ich bin derzeit ein Single und lebe mit meiner Tochter. Sie ist 16 und wir machen gerade den L 17-Führerschein. Genial ist das!

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INTERVIEW MIT VIELSEITIGEM DUO. Neben ihrer ORF-Tätigkeit und Kochprojekten genießt Elisabeth Engstler seit 2016 wieder Bühnenluft. Andreas Steppan gab im selben Jahr eine eigene CD („Steppan singt“) heraus, im Vorjahr führte er bei den Festspielen Berndorf Regie und tritt regelmäßig mit Soloprogrammen auf. (© Viktória Kery-Erdélyi)

Fährst du mit ihr?
Elisabeth: Klar, jeden Kilometer.
Andreas: Wirklich? Hervorragend.
Elisabeth: Die ist echt talentiert, die junge Frau. Ich habe sie auch „hardcore-mäßig“ gleich in Wien fahren lassen. Sie war großartig und hat echt die Nerven behalten.
Andreas: Meine Tochter ist fahrerisch auch unglaublich begabt! Sie kann – und ich kann das nicht – mit einem Sprinter ohne Heckscheibe, nur mit den Außenspiegeln, perfekt einparken. Großartig!


Andreas, darf ich bei deinem privaten Glück noch einmal einhaken; da liest man ja nicht allzu viel.
Andreas: Es kommt immer darauf an, wer fragt (schmunzelt). Ich habe eine Tochter, sie ist 28, und einen Sohn, der ist 25. Und der 25-Jährige hat uns schon zweifach zu Großeltern gemacht! Meine Frau ist nicht die leibliche Oma, aber sie empfindet das als genauso großes Glück. Unsere große Patchwork-Familie funktioniert wunderbar; da gehören natürlich immer ein paar Menschen dazu.


Wie definiert ihr Glück? Und Liebe?
Elisabeth: Die Liebe ist ein Kind der Freiheit für mich. Wenn Menschen freiwillig gerne Zeit miteinander verbringen: kochen, essen, philosophieren – das ist für mich großes Glück.
Andreas: Wenn man jung ist, glaubt man, Glück muss etwas Umwerfendes, Einschneidendes sein. Je älter man wird, desto relativierter wird der Begriff.
Elisabeth: Jetzt tu nicht so, als wenn du so alt bist!
Andreas: Man denkt schon anders darüber nach. Glück ist heute einfach, möglichst leidlos und gesund zu sein. Was da alles rundherum auf der Welt passiert! Und dann sitzt man hier privilegiert und darf das Musical spielen, ist dabei auch noch gesund (klopft auf den Holztisch), den Kindern geht es gut, das ist schon ganz großes Glück! Ich bin ja kein positiver Mensch. Wenn man über Glück so redet, habe ich Sorge, man verschreit es. Ich habe das Gefühl, Glück ist immer ein bissl mit Angst behaftet, mit einem negativen „oh Gott, wenn‘s nur aufhört!“. Aber eigentlich müsste man im Moment das Glück genießen und nicht daran denken, was sein könnte. Nur bin ich leider nicht so gestrickt.
Elisabeth: Da musst du „Jetzt“ von Eckhart Tolle lesen (schmunzelt). Aber das stimmt schon alles. 2017 war ein Jahr der Verluste. Schlimm, wenn Menschen gehen, die jünger sind als man selbst. Deswegen sage ich ja: Zusammensein, gemeinsam viel machen!


Wie sehen eure Zukunftspläne aus?
Elisabeth: Durch das Spielen habe ich schon ein bissl Blut geleckt. Ich habe das ja sehr lange bewusst nicht gemacht: Ich wollte nicht meine Tochter aufziehen und abends immer wegsein, wenn ich schon tagsüber für den ORF unterwegs war. Ich bin spät Mama geworden, das ist schon etwas Besonderes für mich. Ich wollte sie nicht bei Nannys aufwachsen lassen. Ich habe viele Dinge abgesagt, aber jetzt hat meine oberste Instanz Amelie (ihre Tochter, Anm.) gesagt: „Mama, mach das, ich kann alleine zuhause bleiben.“ Und ich merke schon auf der Bühne: „da bin i her, da g‘hör‘ i hin“… Ich möchte auch wieder ein Soloprogramm machen und ein Buchprojekt wartet eigentlich auch.
Was sagt deine Glaskugel, Andreas?
Andreas: Was ich ziemlich sicher weiß und worauf ich mich sehr freue: Ich mache im Sommer 2018 nichts! Das wird der erste Sommer seit vielen Jahren sein, in dem ich mir mental erlaube, nichts zu tun. Dann sehen wir weiter. Mitte 2019 werde ich wieder Regie machen und ein Buch steht auch bei mir an. Das habe ich schon lange im Kopf, ich müsste mich nur hinsetzen. Das soll eine fiktive Autobiografie sein; eine Lebensgeschichte mit Dingen, die mir passiert sind oder die mich stören, eben nicht ganz autobiografisch.
Elisabeth: Ich werde darüber schreiben, wie man so pessimistische Menschen (sieht schmunzelnd zu Andreas Steppan) fröhlich durchs Leben trägt. (beide lachen)

 

Info: I AM FROM AUSTRIA – Das Musical mit den Hits von Rainhard Fendrich. Bis 24. Juni 2018 im Raimund Theater Wien; www.musicalvienna.at